In China ist nichts effizient. Das gilt auch für die Feiertage. Eventuell liegt es auch an den Energien die frei werden wenn ich und Faith zusammen sind das einfach UNSERE Feiertage nicht effizient sind. Unsere Wohnung schaut auch ziemlich aus, obwohl wir beide sicher sind das sie schöner aussehen wenn wir alleine dafür verantwortlich wären. Nicht das es Putzstreitigkeiten gibt! Vielleicht beeinflussen wir uns also ähnlich bei unserer Freizeitgestaltung. JEDENFALLS....
Ach noch etwas davor! Wir haben wieder ein Klo! Insgesamt hat die Geschichte länger als eine Woche gedauert. Geputzt wurde das Klo natürlich nicht. Also, „geputzt“ wurde es schon, aber nicht das was ich darunter verstehe. Faith hat sich aber geweigert deswegen mit dem Landlord zu diskutieren und gesagt sie macht es selbst ich soll mich nicht aufregen. Ich verstehe nicht warum sie die dicke Staubschicht wegputzen will. Eigentlich finde ich es lächerlich das die Vermieterin selbst extra gekommen ist um dann für 5 Minuten zu putzen und das Badezimmer dann in dem Zustand zu hinterlassen. An manchen stellen liegen noch ziegelbrösel. Daheim würde ich das als Affront sehen. Zumindest können wir wieder aufs Klo gehen.
Aber zurück zum Tomb Sweeping Festival!
Wir sind Donnerstag früh aufgestanden und zum Busbahnhof gefahren. Der ist ungefähr.... na sagen wir 40 Taximinuten vom Zentrum Kunmings entfernt. Dort bot sich dem ungeschulten westlichen Beobachter ein Spektakel. Eine Masse an Chinesen die bei 12 Schaltern anstehen um ein Busticket zu bekommen. Ich war es ja von den Bahnhöfen schon ein wenig gewöhnt. Aber es war doch wieder beeindruckend. Da Festival ist, versuchen alle zu ihrer Familie zu kommen, oder wenn nicht zur Familie, dann vielleicht irgendwo mit Freunden ins Grüne zu fahren. Die Bustickets kann man offenbar nicht online erstehen, also muss man sich anstellen. Zwar sind es Massen von Leuten aber es geht erstaunlich flott!
Wir haben innerhalb von 10 Minuten unsere Tickets gehabt. Insgesamt würden wir 3 Mal umsteigen und ca 2,5 Std plus 30 Minuten plus 5 Minuten brauchen. Kostenpunkt: ca 80 Yuan. Das wusste ich aber zu den Zeitpunkt noch nicht, es war wie immer schwer aus Faith die gewünschten Informationen rauszukriegen. Daher war ihre Frage ob wir denn ein Auto für 300 Yuan zum gewünschten Ziel nehmen sollten auch für mich nicht wirklich beantwortbar. Im nachhinein gesehen hätte ich es wohl genommen und mir so die gedrängten Busse und das warten erspart. Aber ich hätte auch etwas verpasst:
Denn das anstellen um die Tickets ging zwar schnell.... nachdem wir die Tickets hatten sind wir auf die „andere“ Seite des Busbahnhofes gekommen. Dort staunte ich nicht schlecht das es für diese Massen an Leuten nur recht wenige und recht kleine Busse gab. Wie sollten denn die alle abtransportiert werden?
Wir stellten uns gleich zu einem der kleinen Busse an. Faith ging recht zielstrebig an vielen Leuten dafür vorbei. Wofür die denn dann anstanden? Zwar begann Faith eine leidenschaftliche Diskussion, aber der Bus an dem wir standen fuhr dann doch ohne uns weg. Da wir dann warten mussten schaffte ich es in der Wartezeit doch aus ihr herauszukriegen was da abläuft. Ich hasse es ja eigentlich nie zu wissen was gerade genau geschieht. Ich glaube eigentlich nicht das ich das immer wissen muss, damit habe ich bis zu einem gewissen Grad keine Probleme. Aber AB einem gewissen Grad.... Mir wird hier jedenfalls stoische Gelassenheit antrainiert.
Aber zurück zum Thema. Es stellt sich heraus das diese Massen an Chinesen die dort standen an denen wir so locker vorbei gegangen sind genau in denselben Bus hinein wollen wie wir. Nach einer gewissen Zeit (10-15 Minuten?) kommt eh der nächste Bus, aber für mich schien als ob man ca. 5 Busse bräuchte um alle da herumstehenden reinzukriegen – und einige davon würden für die 2,5 Stunden Fahrt stehen müssen!
Wie wird also entschieden wer reinkommt? Na es stellt sich heraus das wird einerseits dadurch entschieden wann dein Busticket ausgestellt wurde: Sprich, hast du dein Busticket um 8:15 gekauft, hast du bessere Chancen als wenn du um 9:20 gekauft hast. ANDERERSEITS wird es dadurch entschieden wer länger und besser diskutiert. Denn zum einsteigen in den Bus haben die Chinesen nicht wirklich ein System. Man würde ja erwarten das der Fahrer und der Schaffner vielleicht die jeweiligen Zeiten aufrufen und dann sollten sich Personen melden die in der Zeit den Fahrschein gekauft haben. Weit gefehlt. Die chinesische Variante ist, sich in oder neben die Tür des Busses zu stellen und mit jedem einzeln zu reden und entweder einzulassen oder abzuweisen der sich zur Türe drängt.
Das Gedränge ist jedoch um einiges weniger aggressiv als man es erwarten würde. Eventuell haben sie aber auch vor einem 1,80 großen komisch aussehenden Ausländer mehr Respekt und drängen weniger.
Faith drängte sich vor, ich schaffte es gerade mal ein paar Reihen dahinter. Nach Diskussion stand sie erstmal für ein paar Minuten mit dem Schaffner in der Türe (da ihr dieser offensichtlich gesagt hatte sie könne nicht einfach so rein mit der Zeit die auf ihrem Ticket drauf war) was bedeutete das die die eingelassen wurden sich an ihr und dem Schaffner vorbeidrängen mussten. Das ist aber durchaus nichts ungewöhnliches in China. Da bleibt jeder gerne mal in einer engen kritischen Stelle stehen weil er gerade seine Schuhe binden muss oder weil er gerade einen Telefonanruf bekommt oder aus anderen Gründen.... es regt sich auch keiner auf.
Nach ein paar Minuten verschwand sie dann in dem Bus, unter welchen Umständen genau weiß ich nicht, ich musste mich etwas abmühen nicht abgedrängt zu werden, da habe ich das nicht genau beobachtet.
Ich fühlte mich ein wenig allein gelassen, denn wusste ich weder was genau passiert, noch ob ich folgen sollte oder warten sollte bis sie mich holt. Irgendwann hat sie mir dann ungeduldig aus dem Bus zugerufen. Genau Kommandos wie „Komm rein“ oder so wären hilfreicher gewesen als ein ständig wiederholtes „Felix!“ „Felix!“, aber ich habe mich dennoch in Bewegung gesetzt und mich dann in den Bus gekämpft.
Wir sind also eigentlich mit einem Bus gefahren der für uns „zu früh“ war, aber okay, wir hatten sowieso noch einen breiten Weg vor uns.
Ich möchte das hier jetzt einmal abkürzen und auf eine Beobachtung reduzieren. Bei vielen chinesischen Bussen mit einem Schaffner mit denen ich bisher gefahren bin geht der Schaffner einfach durch und kassiert die Kohle von den zugestiegenen in bar. Das ist natürlich bei einem überfüllten Bus gar nicht so einfach... Halteknöpfe gibt es übrigens nicht.
Schließlich kamen wir bei dem See an. Name: Fu Xien in Pinyin oder „Fu Schchiän“ damit deutschsprachige Wissen wie man es ungefähr ausspricht.
Ein beliebtes Ausflugsziel. Laut Faith haben sich die Preise fürs Übernachten in den letzten 3 Jahren verdoppelt. Wir sollten dort einen ehemaligen Klassenkameraden von ihr dort treffen, der hatte sich aber doch etwas rar gemacht. Eigentlich hätte er für uns auch ein Zimmer besorgen sollen auch das haben wir selbst erledigt. Denn, oh Wunder, da ja Festival war, waren die beiden Hotels ausgebucht. Wir hatten nicht reserviert und ich hatte nicht gedacht das ich mir darüber gedanken machen sollte, da meine Freundin ja als Tour Guide für so etwas Expertin sein sollte. Wir haben uns dann in einerm „Farmhouse“ wie Faith es nannte einquartiert. Das ist nichts anderes als ein Zimmer in einem der Restaurants am See. 60 Yuan pro Nacht inklusive eigenem chinesischen Klo, wir haben auch welche um 100 Yuan ohne Klo angeboten bekommen. Wie wir später herausfanden war dafür in unserem Zimmer das Licht nicht funktionsfähig, ebenso auf dem Klo.... aber im Lichte des Röhrenfernsehers ist es zumindest nicht stockdunkel....
Wir sind dann zum See, der offensichtlich an manchen Stellen aufgeschüttete Sandstrände zu bieten hat. Dort ist ebenfalls ein etwas... nicht sooo toll aussehendes Hotel direkt am Strand, in dem die Zimmer angeblich 9999 Yuan pro Nacht kosten... die Panoramafenster direkt auf den See dreckig, aber hey, dafür konnte man offenbar direkt auf dem schiefen Dach des Hotels sitzen und von dort das Panorama geniessen!
Ausgeklügelt auch das Layout vom Strand: An vielen Stellen muss man ein Geländer hochklettern oder 1m20 runterhüpfen um direkt am Strand entlangwandern zu können wenn man denn nicht einen längeren Umweg um irgendein Gebäude machen will.
Da es ja erst Anfang April ist ist das Wasser noch seeeehr kalt. Ich schätze so 10 Grad. Es waren dennoch viele Kurzurlauber dort. Das das Wasser so kalt ist ist für die Chinesen nicht so schlimm, da ich bei nachfragen gehört habe das ca. nur 1/5 aller Chinesen schwimmen kann.
Was machen die dann am See? Nun, das kann ich beantworten. Viele dort waren so ca. 17-22 jährige die in Gruppen unterwegs waren. Pflicht ist, in Gewand, meist aber ohne Schuhe in den See zu gehen. Circa knietief. Dann müssen Fotos gemacht werden. Je größer die Gruppe, desto mehr Fotos da ja umso mehr Handys... manchmal werden auch Posen gemacht. Dabei stört es auch nicht wenn die Hose oder das Kleid nass wird. Ist das erstmal gemacht kommen noch die Übermütigen die dann beginnen sich gegenseitig mit Wasser anzupritscheln. Aber nicht auf Effizient mit gescheit viel Wasser, sondern eher so auf neckisch mädchenhaft wie man es aus schlechten Filmen kennt. Die Ineffizienz wird einfach durch Ausdauer wettgemacht um zu garantieren das dennoch alle nass genug sind. Also eigentlich sehr chinesisch.
Natürlich gibt es wieder sehr viele Snackbuden. ZB gibt es Kartoffelpuffer mit Shrimps. Ananas. Normale Kartoffelpuffer. Eis.
Und sonst Zeug zu kaufen. Für die kleinen Sandspielzeug. Wasserpistolen. Lebende Krabben die man an einer kleinen Schnur nachziehen kann.... letzteres hat mich schockiert. Auf nachfragen meinte auch Faith das hätte sie noch nie gesehen.
Hier gibt es übrigens nur Chinesen, keine ausländischen Touristen. Die Restaurants sind auch entsprechend ausgerichtet. Die meisten sind auf Fisch spezialisiert, genauso Krabben, Shrimps und riesige Seeschnecken.
Das Lokal das wir ausgewählt hatten war so gut wie jedes andere. Wir wurden dann zu einer Vitrine geführt in der verschiedene Gemüse sowie Fleisch drinnen waren, aus denen sollte man auswählen. In dem Ort war das überall so, alle hatten dieselben Vitrinen. Der frische Fisch war draußen in Aquarien oder in der Küche selbst. Bei uns waren die Fische für die wir uns interessierten in der Küche. Also flugs in die Küche.
Für viele Europäer wäre der Besuch in einer chinesischen Küche wahrscheinlich nichts. Besser man weiß nicht wie das dort funktioniert. In diesem Fall ist es noch ein wenig extremer weil es eben dieses Minibassin mit den Fischen gibt... ich habe mich einfach nur interessiert umgeschaut und Faith wieder mal machen lassen. Selbst das essen bestellen kann oft lange dauern, auch wenn ich nicht genau weiß warum. Aber bei vielem in China weiß man ja nicht genau warum...
Als ich da so vor mich hin beobachte und mir meinen Teil über die Unterschiede zwischen europäischer und chinesischer Hygiene denke höre ich so neben mir:
BUMM! ZAPPEL ZAPPEL... BUMM! ZAPPEL....
ich schaue rüber und sehe einen Chinesen der gerade mit einem Holzknüppel in offensichtlicher Notwehr einen großen 2kg Fisch eines über die Rübe haut. Mehrmals. Dann wird gewogen. 2Kg, Diskussionen zwischen Faith und der Restaurantdame und dem aus Notwehr handelnden Chinesen. Dann gehen wir aus der Küche. 15 Minuten später steht ein großer Bronzekessel mit dem Fisch vor uns. Leider hat es keinen kleineren gegeben meint Faith. Soooo ungewollt nahe an dem was ich esse war ich bisher nur die Male wo ich in China war. Seien es Schlangen oder der Fisch. Die Suppe ist jedenfalls gut, der Fisch annehmbar. Mir vergeht wegen sowas nicht gleich der Appetit. Ich bin halt insgesamt nicht wirklich ein Fischfan.
Als uns der Fisch serviert wird gebietet mir meine Freundin mich noch ein wenig in Geduld zu üben, denn ihr Freund inklusive dessen Freundin würden gleich kommen.
Mit Hunger vor dem offenen einladenden Kessel warten ohne zu wissen wie lange? Das hatte ich schonmal, ich greife trotzdem schon zu. Wie sich herausstellt zurecht. Denn erst nach 10 Minuten kommen die besagten Chinesen, diese haben sowieso außerdem schon gegessen, sitzen nur bei uns, reden mit Faith auf chinesisch und verschwinden dann wieder bevor wir fertig sind.
Wir gehen eher früh schlafen, es gibt nicht allzu viel zu tun. Faiths Freund ist schon abgereist in eine Stadt in der Nähe. Unser Abendessen ist eines der besten das ich die letzten Monate in China gekriegt habe, obwohl sehr einfach. Zu trinken gibt es das letzte angestaubte Bier das unser Restaurant hat.
Vor der Nachtruhe kriegt Faith noch eine Nachricht auf „WeChat“ oder „Shakeshake“ wie sie es übersetzt. WeChat ist der englische Name. Das ist so ein ziemlich nützlicher Instant Messenger, ähnlich wie QQ, aber nicht ganz so verbreitet wie QQ. Eigentlich verwendet jeder Chinese QQ am Handy, die haben mehr als 700 Millionen Nutzer!!! Die Nachricht die sie dann übersetzt ist von einem Freund der die Nachricht selbst bekommen hat. Es wird darin geredet über einen neuen ansteckenden Virus der in Peking aufgetaucht ist und einer der Ärzte in einem Spital hat dem Verfasser der Nachricht mitgeteilt das dieser Virus recht gefährlich ist. Der Virus wird mit dem SARS verglichen. Laut Nachricht soll man aufpassen was man isst, Hygiene großschreiben, kein rohes Hühnerfleisch essen, blabla. Es wird darauf hingewiesen das die Nachricht dazu da ist zu informieren, da die chinesischen Behörden es nicht machen würden. Dann noch viel Pathos das einem die Gesundheit wichtig sein soll, man auf seine Familie und Eltern achten soll, blabla. Okay, soviel dazu.
Eigentlich war geplant den Tag am See zu verbringen, aber meine chinesische Freundin ist nicht so fürs an Pläne halten. Zwar haben wir Stunden verbracht hierher zu kommen, aber sie schlägt vor in die Stadt weiterzureisen in die ihr Freund schon gefahren ist. Am Vortag hatte sie mich zwar gefragt ob ich am See bleiben will oder in die Stadt, aber offenbar war sie mit meiner Antwort nicht wirklich zufrieden.
Gut, wir machen uns also auf eine weitere Reise per Bus. Wieder überfüllt aber wir haben relativ viel Glück da wir die langen Wegstrecken sitzen können. Naja... nicht alle. Auf einer 40 Minuten Wegstrecke kommen wir in einen größeren Reisebus der jedoch schon voll ist. Vorne neben dem Fahrer wurde eine Matratze aufgestellt auf die sich ein Chinese sowie Faith und ich setzen. Weitere überzählige Chinesen stellen sich in den Gang. Kaum fährt der Bus los teilt die Schaffnerin die bei der Türe steht die typischen kleinen chinesischen Plastikschemel aus. Allen Personen die im Gang stehen und auch uns wird ein Plastikschemel hingestellt. Die chinesische Logik ist bestechend:
Nicht genug Plätze vorhanden? Logisch wollen die überzähligen Leute nicht stehen also geben wir ihnen kleine Schemel! Damit wirkt zwar gleichzeitig lächerlich das wir im Bus DAVOR genötigt wurden Sicherheitsgurte anzulegen, aber wir wollen ja nicht pingelig sein.
Zwar will die Schaffnerin das auch ich auf meinem Schemel sitze. Da aber im Gang kaum noch Platz war hatte sie meinigen auf eine schiefe Fläche gestellt und mir bedeutet darauf Platz zu nehmen. Nun ist eine längere Fahrt nicht unbedingt angenehm wenn man auf einer kleinen Fläche sitzen soll die eine Steigung von ca 15 oder 20° aufweist. Nach einiger Zeit setze ich mich also wieder auf meine Matratze.
Die Schaffnerin steht den Weg über. Ich bewundere sie dafür, denn sie tut es in so Plateau-Stöckelschuhen und ich nehme an das tut sie den ganzen Tag.
Auf dem Weg ruft Faiths Freund an, er macht sich auf den Weg nach Kunming das er sich auch noch ansehen will.... Faith bläst ihn an das er dortzubleiben hat, da wir schließlich gerade hinfahren. Er erklärt sich bereit doch noch dort zu bleiben.
Wir verzehren die mitgebrachten köstlichen Ananas. Wenn du mit einem chinesischen Mädchen unterwegs bist hast du immer etwas zum essen mit. Ein plötzlicher Schwächeanfall könnte verheerend sein. Na gut, ich gebe zu, in diesem Fall waren die Ananas glaube ich sogar meine Idee. Faith entscheidet sich diesmal bei einem Viertel den härteren Kern übrig zu lassen und legt ihn im Plastiksackerl auf den Boden des Busses. Mir ist das zwar etwas unangenehm da das Ding auch relativ prominent im Gang vor dem Ausgang liegt, aber ich nehme mir vor das beim aussteigen aufzuheben und mitzunehmen. Bei einem kurzen ausserplanmäßigen Halt kommt mir aber die Schaffnerin zuvor. 3 Chinesen steigen schnell aus, die Schaffnerin hüpft raus und schmeisst ein Sackerl mit ein wenig Müll weg. Die Tür ist noch nicht zu, verkehrsbedingt stehen wir noch. Die Schaffnerin sammelt die 3 leer gewordenen Plastikschemel ein und stellt sie an ihren Platz. Bei einem der Schemel ist sie mit dessen Sauberkeit nicht zufrieden, greift zu Boden, nimmt unser Plastiksackerl mit dem Stück Ananaskern darin und verwendet es um den Schemel abzuwischen. Nach einigem Wischen ist sie mit ihrem Werk zufrieden und wirft sie unser Sackerl durch die Türe auf die Straße. Problem beseitigt.
Die Fahrt endet damit das wir, kaum sind wir in der Stadt angekommen, ein Taxi finden und dann relativ lange auf ihn warten. Seine Freundin bleibt solange in einem Hotel. Innerhalb von ca 35 Minuten fahren wir mit dem Taxi an die zwei wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt um an einem sogar kurz rauszuhüpfen um ein paar Fotos zu machen....
diese Reise hätten wir uns sparen können, aber hey, immerhin war ich jetzt auch in XXXXX, eine ziemlich reiche Stadt hier in Yunnan. Hier wird die Zigarettenmarke Hong(2) Ta(3) hergestellt, daher kommt auch der Reichtum. In Klammern die jeweiligen Töne für die Worte. Hong Ta bedeutet „Roter Turm“. Entsprechend hätte ich mir vorgestellt dass das Hauptquartier der Firma ein hoher Turm sein muss, und eigentlich auch rot. Zu meiner großen Enttäuschung war dem aber nicht so. Dafür haben sie gegenüber auf einem Hügel einen ganz passabel hohen Roten Turm gebaut. Ich war ein wenig enttäuscht weil in dem dazugehörigen Garten dieses Hügels keine Gratiszigaretten verteilt wurden. Vielleicht wurden sie eh verteilt, aber wir haben ja nur 4 Minuten bekommen um schnell Fotos zu knipsen. Dann ging es weiter, und das Taxi fuhr uns durch die große Einkaufsstraße der Stadt.... sehr spannend! Gerade weil sich die großen Einkaufsstraßen auf der gesamten Welt ja doch so unterscheiden!
Wieder wird etwas über die Zigarettenfabrik geredet. Meine scherzhafte Frage ob denn die Personen der Stadt die Zigaretten billiger bekommen wird ernst genommen. Nein, die Zigaretten kosten in ganz China gleich viel. Aha. Na ich entgegne dann halt noch dass ich das unfair finde, immerhin ist in Städten am Meer der Fisch ja auch billiger als in Städten im Inland...
Danach ging es, hopp, auf zum Busbahnhof. Im Vergleich zu Kunming finden sich hier nicht viele Leute, dennoch kommt mir hier das erste mal der gedanke das ich mir auf chinesisch ein T-Shirt drucken lassen sollte auf dem auf chinesisch geschrieben steht:
„Den Laowai mit den komischen Haaren anzustarren kostet nur 1 Yuan“... ich wäre schon reich. Dran gewöhnt habe ich mich schon längst.
Bald sitzen wir im Bus nach Kunming. Ich lese die Nachrichten auf meinen Handy. Auf einer chinesischen Website wird vor einem neuen Vogelgrippevirus gewarnt, die Behörden versprechen Transparenz. Ah, das deckt sich ein wenig mit der WeChat Message die wir am Vortag bekommen haben. Soviel zu „verschweigen von Informationen“ wie in der Nachricht auch angedeutet wurde.
Zurück in Kunming suchen wir lange herum wegen Hotel für Faiths Freund. Es ist schon relativ spät, Faiths Freund hat nur ein knapperes Budget und oh Wunder ist an den Feiertagen alles recht ausgebucht. Wir fahren und gehen von Hotel zu Hotel. Seufz, chinesische Effizienz.
Meine Laune ist schon eher auf dem Boden. Während des herumgehens will ich mir dann einen Bubble Tea kaufen, in die Dinger habe ich mich hier ein wenig verliebt. Aber Faith sagt nein, das geht nicht. Wenn ich was kaufen will, müsste ich allen „guten Freunden“ einen Tee kaufen. Das verlangt die chinesische Etikette. Das will ich aber beim besten Willen nicht, mir ist der Typ unsympatisch und jetzt muss ich wegen dem auch noch in ganz Kunming rumrennen weil er sich nicht rechtzeitig um ein Hotel kümmert (das ist zwar chinesisch, aber das ist mir in dem Fall jetzt egal). Für uns hat er kein Hotel gesucht und wir rennen jetzt mit ihm duch die ganze Stadt. Ich Frage Faith was denn ist wenn ich mit 10 Leuten rumgehe, muss ich dann 10 Leuten einen Tee spendieren? Nein, weil 10 Leute sind sicher nicht meine guten Freunde, in diesem Fall frage ich nur meine guten Freunde in der Gruppe ob sie einen Tee möchten und kaufe den dann. Sehr komische Handhabe wie ich finde, was ich ihr auch sage. Das bringt mir dann nur ein das sie meint das wir Europäer immer so „kalt“ wären.
Darauf habe ich als kalter Europäer keine Lust mehr in Kunming rumzuirren, ich will alleine heimfahren. Faith überredet mich dann doch noch in ein letztes Hotel mitzufahren, sie würde es sich wünschen. Also gut. Noch ein Taxi, zum Hotel. Wir steigen aus dem Hotel aus, gehen in die Hotellobby. Nun heißt es für mich wieder warten, und wie schon die letzten Male die letzten Stunden will ich mich Handy zücken um mir mit surfen die Zeit zu verbringen. Nur: Das Handy ist nicht da. Es blieb im Taxi.
Spitze. Ich melde den Verlust bei Faith und ihren Freunden. Wir beginnen auf meinem Handy sturmzuläuten und wir rufen in der Taxizentrale an. Erst geht keiner bei meinem Handy ans Telefon, dann ist das Handy plötzlich abgeschaltet. Das heißt schon nichts guten. Von der Taxizentrale werden wir an 2 weitere Telefonnummern verwiesen. Dort werden wir dann gefragt: Haben wir Taxinummer oder den Namen des Fahrers?
Natürlich nicht. Und da es in China im Verlgeich zu bei uns oder im Vergleich zu Kolumbien keinen Taxifunk in den Taxis gibt ist es vorbei. Keine Chance mehr. Wir könnten zwar noch zur Polizei und uns die Videoaufzeichnungen ansehen um zu schauen ob wir das Nummernschild lesen können aber ich winke ab. Da keiner mehr am Telefon rangeht und es ausgeschaltet wurde, hat das Ding wohl schon einen neuen Liebhaber gefunden. Ich hoffe nur er wird nicht viel freude mit einem gemoddeten schon etwas lädiertem Galaxy S1 haben das man nicht auf chinesisch umstellen kann.
Meine Laune ist nun komplett im Eimer. Denn ohne Smartphone in China bin ich nervös! Mit meinem Handy konnte ich hier Kommunizieren (google translate) und Wörter nachsehen (Wörterbuch), ich hatte alle meine Termine drinnen und konnte immer heimfinden und zur Not auch ein paar Leute anrufen. Ohne dem Ding fühle ich mich plötzlich sehr angreifbar.... Glück im Unglück: das Ding hat wie gesagt eh nicht mehr sooo toll funktioniert und die Kameraqualität war schon schlechter. Und es macht Sinn sich in China ein neues zu kaufen, spart man doch immerhin so ca. 80€ im Vergleich zu bei uns.
Danach geht es heim wo ich gleich meine Passwörter von Skype google und co ändern will. Nur leider komme ich nicht ins Internet. Der Modemstatus sagt uns wir hätten kein Guthaben mehr, aber eigentlich sollte für 2,5 Monate bezahlt sein. Super! Ich gehe dann gethetert mit Faiths Handy online und ändere meine Passwörter und gehe angefressen schlafen.
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