30.4.13

Der Vor-Erste Mai

Was GENAU alles hier zum Tag der Arbeit abläuft weiß ich aber sowieso nicht, ich habe nichts in Erfahrung bringen können dass es Maiaufmärsche oder ähnlich archaisches hier geben sollte. Da aber für den Tag der Arbeit hier 3 Tage frei sind habe ich dann heute am 2. der freien Tage für den ersten Mai habe ich mich aufgemacht zum inoffiziellen „Hauptplatz“ der Stadt, dem Green Lake. Irgendwie war dort doch alles mit Fahnen geschmückt und mit Blumen verziert. Das dass passieren würde habe ich schon ein paar Tage vorher durch die Vorbereitungen bemerkt. Außerdem waren sehr viele Chinesen dort am rumwuseln, aber ich habe einfach nicht aus meiner Freundin rauskriegen können was denn da jetzt genau ist. Das einzige von dem ich dann wusste war dass es eine Bühne gab, auf der ich aber nie jemanden gesehen habe, und das eine „Parade“ sein sollte. Über die wurde ich aber auch nicht näher informiert. Faith wusste auch nichts genaueres sagte sie. Wusste sie aber offenbar doch weil später meinte sie dann plötzlich wir müssten uns jetzt beeilen das wir rechtzeitig zur Parade kämen – aha, also wusste sie den Zeitpunkt. Dann erfuhr ich auch das offenbar in dieser Parade jeder Distrikt von Yunnan beteiligt sein würde. Wie aber genau, und so.... wusste ich noch nicht. Für ebendiese Parade haben wir uns dann jedenfalls aufgestellt. Die Straße war schon abgesperrt und alle 50 Meter stand ein Polizist. Die Leute sind auch langsam zu den Absperrungen getrudelt. Wir sind ja schon dort gestanden, aber die Wolken sahen bedenklich aus. Eigentlich gibt es ja in Kunming nur sehr selten Regen, es herrscht ja seit 6 Jahren hier eine ziemliche Dürre wie man mir immer wieder sagt.... aber so ganz passt das doch nicht zu dem Regen den ich schon mitbekommen habe. So auch heute. Die Wolken sahen nämlich nicht nur bedenklich aus, sie waren es zu Recht: es begann zu regnen und wir sind in ein nächstes Lokal geflüchtet, genau neben der abgesperrten Straße. In Kunming braucht es nicht viel Regen und die Chinesen brechen in Panik aus ja nicht nass zu werden. Wohl weil sie keinen Regen gewohnt sind. In diesem Fall hat sich der leichte Regen aber schnell zu einem verdammt starken Regen verwandelt: es schüttete wie aus Eimern oder wie Faith es ausdrückte als sie sich versuchte an eine „english phrase“ zu erinnern: „It rains dogs and cats!“. Wir hatten uns schon im Restaurant hingesetzt und weitere Chinesen sind hineingeströmt, die Leute sind gesessen, im Eingang gestanden, in den Gängen gestanden. Das hat das Personal nicht wirklich gestört. Sie sind auch nicht herumgegangen um Bestellungen entgegen zu nehmen. Sie haben ja gewusst dass die Leute nur hineingekommen sind um dem Regen zu entkommen, die wollten ja eh nix bestellen also warum sie danach fragen, nmmmm? Auch interessant fand ich dass die Polizisten sich einen eigenen Tisch genommen haben. Der Auftrag die Straße freizuhalten war offenbar durch den Regen gestoppt worden. So sind wir locker so 20 Minuten in dem Restaurant gesessen... ich hätte gerne was getrunken, aber wir wurden ja nicht gefragt.
Der Regen war dann eigentlich wieder auf das Level von leichtem Regen heruntergeschrumpft. Uns gegenüber saß ein Chinese der dort schon saß bevor wir vor dem Regen geflüchtet waren. Er rauchte Leidenschaftlich eine Zigarette nach der anderen und spielte starrte in sein Handy. Daneben stand ein Walkie-Talkie. Ich habe gewisse „Altlasten“ durch meinen letzten Arbeitgeber und habe mir daher die Marke angesehen. Es war ein Motorola wie ich dann zufrieden feststellte. Also das er in sein Handy starrte war nichts ungewöhnliches.
Die meisten Chinesen die irgendwo sitzen starren in ihr Handy: Ob sie jetzt alleine sind wie eben dieser ca. 45-Jährige, oder ob sie in Gruppen unterwegs sind. Oft gehe ich an einem Lokal vorbei, egal ob Tag oder Abend und passiere dabei einen Tisch mit 1-3 Twens die dort zusammen sitzen und jeder in sein eigenes Handy starrt, spielend oder surfend, tippend, was weiß ich. Also das mit dem Handy war nicht besonders, aber das Walkie-Talkie war doch ungewöhnlich. Als der Regen also leicht wurde bzw aufhörte und die Chinesen begannen das Lokal zu verlassen sagte mir Faith plötzlich „Oh, the parade is cancelled“. Woher sie das wüsste fragte ich. Das hatte sie gerade über Funk aus dem Walkie-Talkie gehört. Der für mich die ganze Zeit relativ teilnahmslos aussehende Typ war offensichtlich einer der Mitorganisatoren oder Mitarbeiter da und das Funkgerät war natürlich seins.

Also sind wir dann auch aus dem Lokal und begannen uns heimwärts zu bewegen. Die Parade wurde einfach auf Morgen verschoben: Also auf den 1. Mai. Ist ja auch kein Problem, weil der 1. Mai ist ja auch noch frei. Nicht nur die Tage davor. Warum auch nicht das ganze einfach verschieben? Es regnete ja sehr sta... halt nein, eigentlich hatte der Regen praktisch aufgehört, ich habe hier in Kunming ja auch noch nie einen Regen erlebt der für länger angehalten hätte.... na egal, aber die Straße war ja nass. Dass das ganze verschoben worden war scheinte auch niemanden zu stören. Oder die Leute wussten es nicht, ich bin mir da nicht sicher. Da aber die meisten sich offenbar vom Green Lake wegbewegten nahm ich an dass sie wussten das die Parade nun doch nicht stattfinden würde. Ich bin schon sehr gespannt wie das ganze sich Morgen also entwickeln wird. 

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