Was
GENAU alles hier zum Tag der Arbeit abläuft weiß ich aber sowieso
nicht, ich habe nichts in Erfahrung bringen können dass es
Maiaufmärsche oder ähnlich archaisches hier geben sollte. Da aber
für den Tag der Arbeit hier 3 Tage frei sind habe ich dann heute am
2. der freien Tage für den ersten Mai habe ich mich aufgemacht zum inoffiziellen „Hauptplatz“ der Stadt,
dem Green Lake. Irgendwie war dort doch alles mit Fahnen geschmückt
und mit Blumen verziert. Das dass passieren würde habe ich schon ein
paar Tage vorher durch die Vorbereitungen bemerkt. Außerdem waren
sehr viele Chinesen dort am rumwuseln, aber ich habe einfach nicht
aus meiner Freundin rauskriegen können was denn da jetzt genau ist.
Das einzige von dem ich dann wusste war dass es eine Bühne gab, auf
der ich aber nie jemanden gesehen habe, und das eine „Parade“
sein sollte. Über die wurde ich aber auch nicht näher informiert.
Faith wusste auch nichts genaueres sagte sie. Wusste sie aber
offenbar doch weil später meinte sie dann plötzlich wir müssten
uns jetzt beeilen das wir rechtzeitig zur Parade kämen – aha, also
wusste sie den Zeitpunkt. Dann erfuhr ich auch das offenbar in dieser
Parade jeder Distrikt von Yunnan beteiligt sein würde. Wie aber
genau, und so.... wusste ich noch nicht. Für ebendiese Parade haben
wir uns dann jedenfalls aufgestellt. Die Straße war schon abgesperrt
und alle 50 Meter stand ein Polizist. Die Leute sind auch langsam zu
den Absperrungen getrudelt. Wir sind ja schon dort gestanden, aber
die Wolken sahen bedenklich aus. Eigentlich gibt es ja in Kunming nur
sehr selten Regen, es herrscht ja seit 6 Jahren hier eine ziemliche
Dürre wie man mir immer wieder sagt.... aber so ganz passt das doch
nicht zu dem Regen den ich schon mitbekommen habe. So auch heute. Die
Wolken sahen nämlich nicht nur bedenklich aus, sie waren es zu
Recht: es begann zu regnen und wir sind in ein nächstes Lokal
geflüchtet, genau neben der abgesperrten Straße. In Kunming braucht
es nicht viel Regen und die Chinesen brechen in Panik aus ja nicht
nass zu werden. Wohl weil sie keinen Regen gewohnt sind. In diesem
Fall hat sich der leichte Regen aber schnell zu einem verdammt
starken Regen verwandelt: es schüttete wie aus Eimern oder wie Faith
es ausdrückte als sie sich versuchte an eine „english phrase“ zu
erinnern: „It rains dogs and cats!“. Wir hatten uns schon im
Restaurant hingesetzt und weitere Chinesen sind hineingeströmt, die
Leute sind gesessen, im Eingang gestanden, in den Gängen gestanden.
Das hat das Personal nicht wirklich gestört. Sie sind auch nicht
herumgegangen um Bestellungen entgegen zu nehmen. Sie haben ja
gewusst dass die Leute nur hineingekommen sind um dem Regen zu
entkommen, die wollten ja eh nix bestellen also warum sie danach
fragen, nmmmm? Auch interessant fand ich dass die Polizisten sich
einen eigenen Tisch genommen haben. Der Auftrag die Straße
freizuhalten war offenbar durch den Regen gestoppt worden. So sind
wir locker so 20 Minuten in dem Restaurant gesessen... ich hätte
gerne was getrunken, aber wir wurden ja nicht gefragt.
Der Regen
war dann eigentlich wieder auf das Level von leichtem Regen
heruntergeschrumpft. Uns gegenüber saß ein Chinese der dort schon
saß bevor wir vor dem Regen geflüchtet waren. Er rauchte
Leidenschaftlich eine Zigarette nach der anderen und spielte starrte
in sein Handy. Daneben stand ein Walkie-Talkie. Ich habe gewisse
„Altlasten“ durch meinen letzten Arbeitgeber und habe mir daher
die Marke angesehen. Es war ein Motorola wie ich dann zufrieden
feststellte. Also das er in sein Handy starrte war nichts
ungewöhnliches.
Die meisten Chinesen die irgendwo sitzen starren
in ihr Handy: Ob sie jetzt alleine sind wie eben dieser ca.
45-Jährige, oder ob sie in Gruppen unterwegs sind. Oft gehe ich an
einem Lokal vorbei, egal ob Tag oder Abend und passiere dabei einen
Tisch mit 1-3 Twens die dort zusammen sitzen und jeder in sein
eigenes Handy starrt, spielend oder surfend, tippend, was weiß ich.
Also das mit dem Handy war nicht besonders, aber das Walkie-Talkie
war doch ungewöhnlich. Als der Regen also leicht wurde bzw aufhörte
und die Chinesen begannen das Lokal zu verlassen sagte mir Faith
plötzlich „Oh, the parade is cancelled“. Woher sie das wüsste
fragte ich. Das hatte sie gerade über Funk aus dem Walkie-Talkie
gehört. Der für mich die ganze Zeit relativ teilnahmslos aussehende
Typ war offensichtlich einer der Mitorganisatoren oder Mitarbeiter da
und das Funkgerät war natürlich seins.
Also
sind wir dann auch aus dem Lokal und begannen uns heimwärts zu
bewegen. Die Parade wurde einfach auf Morgen verschoben: Also auf den
1. Mai. Ist ja auch kein Problem, weil der 1. Mai ist ja auch noch
frei. Nicht nur die Tage davor. Warum auch nicht das ganze einfach verschieben? Es regnete ja
sehr sta... halt nein, eigentlich hatte der Regen praktisch
aufgehört, ich habe hier in Kunming ja auch noch nie einen Regen
erlebt der für länger angehalten hätte.... na egal, aber die
Straße war ja nass. Dass das ganze verschoben worden war scheinte
auch niemanden zu stören. Oder die Leute wussten es nicht, ich bin
mir da nicht sicher. Da aber die meisten sich offenbar vom Green Lake
wegbewegten nahm ich an dass sie wussten das die Parade nun doch
nicht stattfinden würde. Ich bin schon sehr gespannt wie das ganze
sich Morgen also entwickeln wird.
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