27.4.13

Ein paar der angenehmen Dinge


Schon bevor ich den letzten Eintrag veröffentlicht habe dachte ich mir der ist schon seeehr negativ rübergekommen. Und ich habe sowieso grundsätzlich den Eindruck dass sich die Europäer im Allgemeinen für etwas besseres (weiser, klüger, vorausschauender, gewissenhafter, effizienter) als den Rest der Welt betrachten, daher will ich jetzt auch ein paar Dinge aufzählen die mir alleine in den letzten Tagen positiv aufgefallen sind.
Da wäre zum Beispiel das meine Freundin mich angerufen hat und mich gebeten hat ihr ein wenig Geld zu überweisen da sie zu wenig für die große Touristengruppe hat die sie gerade führt. Und sie braucht es schnell. Erst dachte ich wie soll denn das funktionieren und um welche Spesen? Außerdem war das Samstag Abend. Geregelt hat es sich folgendermaßen:
Sonntag 9:20 gehe ich in die Bank gegenüber unserer Wohnung. Die hat offen. Ja, am Sonntag ab 9 Uhr. Von den restlichen Öffnungszeiten will ich gar nicht schwärmen. Aber ich brauche nicht einmal zum Schalter zu gehen. Es gibt eine eigene Bankomatmaschine in die ich auch Geld einzahlen kann. In diesem Fall hole ich mir Hilfe von der Bankangestellten, denn die Maschine ist im Vergleich zu fast allen anderen ATMs nur auf Chinesisch. Jetzt einfach den gewünschten Betrag in den Automaten stecken, die Kontonummer des Empfängers angeben und schon ist die Überweisung getan. Ich brauche nicht einmal meine eigene Bankomatkarte hineinzugeben. Wer das Geld an die besagte Kontonummer überweist interessiert den chinesischen Staat nicht. Ach ja, und noch etwas. Wenige Stunden später war meine Freundin beim Bankomat und konnte das Geld abheben. Bei uns dauern ja Überweisungen gerne mal, ein netter Trick unserer Banken. PS: Hätte ich beim Schalter Geld überwiesen wären keine Spesen angefallen so wie bei uns.....
Ach jaaaa, einkaufen bis spät in die Nacht und auch an Wochenenden, DAS ist schon sehr angenehm, gerade für Personen die manchmal gerne in den Tag hineinleben.
Ich finde es auch etwas anderes sehr angenehm. Das letzte Mal als ich in Wien war habe ich meiner Schwester und ihrem Mann geholfen eine Wickelkommode von einer Wohnung abzuholen. Einerseits hätten wir in China nicht das Auto irgendwo halbwegs gescheit parken müssen sondern hätten uns einfach frech direkt vor die Haustüre gestellt und hätten die Kommode geholt – die Leute und Autofahrer hätten sich deswegen nicht gleich aufgeregt – nein es gab noch einen anderen Vorteil Beim tragen der Kommode zum Auto wäre ich nämlich nicht in Hundescheiße gestiegen die malerisch in ganz Wien verteilt liegt. Wenn mir jetzt wer sagt „Aber das hat sich in den letzten Jahren doch toll verbessert!“ dann muss ich antworten dass es sich zwar verbessert hat – zum Preis einer riesigen Werbekampagne – aber nachdem diese aus war gab es wieder mehr Hundekot und es gibt noch immer genügend. Allgemein ist es in China vielleicht dreckiger, aber Fäkalien liegen hier nicht auf der Straße. Man muss also nicht ständig auf der Straße schauen wo man hinsteigt. Das muss man nur in den Gebäuden um nicht in Spucke hineinzutreten die gerade irgendwer mit Passion auf den Boden gespien hat. Aber vielleicht ist das in unserem Wohnkomplex deswegen im Moment noch ein größeres Problem weil wir noch immer viele Bauarbeiter haben weil noch immer nicht alle Stockwerke und Wohnungen fertig sind.
Ich habe jedenfalls festgestellt dass es eigentlich verdammt viele Hundebesitzer hier gibt, das Argument es gäbe wenige Hunde hier und daher gibt es das Hundekotproblem so nicht zählt also nicht wirklich. Ich frage mich ja nur wo die hier spazieren gehen, weil es gibt eigentlich kaum Parks. Ich habe versucht auf meinen ausgedehnten Spaziergängen die letzten Tage ein paar Parks zu finden.... hm, gibt es so nicht. Ich erinnere mich jetzt auch an einen „Rant“ eines Chinesen der über seine Zeit in Europa berichtete der schrub dass die Lieblingsbeschäftigung der Europäer darin zu bestehen scheint sich einen Park zu suchen und sich dort ins Gras zu legen und in die Sonne zu starren. So oder so ähnlich. Ich habe es nur von meiner Freundin übersetzt bekommen, ich konnte es nicht selbst lesen. Sie hat sich bemüßigt gefühlt so etwas zu suchen und mir daraus vorzulesen nachdem ich ihr erzählt hatte dass ich ein paar Berichte von in China lebenden Ausländern gefunden hatte die sich über dieselben Sachen hier amüsieren wie ich. Das hatte sie wohl etwas verstimmt....
Apropos Bauarbeiter die ich erwähnt habe. Die Gebäude sind finde ich durchaus schöner als daheim. Mehr Abwechslung und Zierde, da vergisst man dann auch gerne dass sie nicht so gut isoliert sind. In der Nacht wird viel schön beleuchtet und erstrahlt in schönen Farben, es hat einiges an Ästhetik. Ich rede nicht nur von langweiligem Anleuchten wie zB bei uns Schloss Schönbrunn (nicht dass das nicht auch gut aussieht). Mehr Farben, und partiell angeleuchtet. So etwas meine ich. Kunming kann in dieser Hinsicht nicht mit Shanghai (dem Shanghai vor 6 Jahren) mithalten, ist aber auch sehr schön. In Wien gibt es das ja mittlerweile auch... auf wieviel... 3 Gebäuden? Drei fallen mir jedenfalls ein.
Dafür ist die österreichische Hauptstadt mit Werbeplakaten zugepflastert. Die verschönern das Stadtbild ja auch ungemein. Hier gibt es sowas in der Größe eigentlich nicht und schon gar nicht in der Quantität.
Sachen hier im Internet bestellen ist auch pipifein und verdammt billig. In China ist Amazon nicht wirklich groß, Chinesen bestellen auf taobao. Und sie bestellen viel! Aber nicht nur Chinesen: In der Student Dormitory wird jeden Tag von den (ausländischen) Studenten soviel bestellt, das wenn der Bote mit den Lieferungen kommt ein riesiger Trubel ausbricht.
Ich könnte online sogar Rahm und Sauerrahm und sowas bestellen! Weil zu kaufen kriegt man das hier nicht! Ich trau mich aber doch nicht wirklich weil ich nicht weiß in welchem Zustand das dann ankommt.... aber alleine zum einmal ausprobieren...

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