30.4.13

Der Vor-Erste Mai

Was GENAU alles hier zum Tag der Arbeit abläuft weiß ich aber sowieso nicht, ich habe nichts in Erfahrung bringen können dass es Maiaufmärsche oder ähnlich archaisches hier geben sollte. Da aber für den Tag der Arbeit hier 3 Tage frei sind habe ich dann heute am 2. der freien Tage für den ersten Mai habe ich mich aufgemacht zum inoffiziellen „Hauptplatz“ der Stadt, dem Green Lake. Irgendwie war dort doch alles mit Fahnen geschmückt und mit Blumen verziert. Das dass passieren würde habe ich schon ein paar Tage vorher durch die Vorbereitungen bemerkt. Außerdem waren sehr viele Chinesen dort am rumwuseln, aber ich habe einfach nicht aus meiner Freundin rauskriegen können was denn da jetzt genau ist. Das einzige von dem ich dann wusste war dass es eine Bühne gab, auf der ich aber nie jemanden gesehen habe, und das eine „Parade“ sein sollte. Über die wurde ich aber auch nicht näher informiert. Faith wusste auch nichts genaueres sagte sie. Wusste sie aber offenbar doch weil später meinte sie dann plötzlich wir müssten uns jetzt beeilen das wir rechtzeitig zur Parade kämen – aha, also wusste sie den Zeitpunkt. Dann erfuhr ich auch das offenbar in dieser Parade jeder Distrikt von Yunnan beteiligt sein würde. Wie aber genau, und so.... wusste ich noch nicht. Für ebendiese Parade haben wir uns dann jedenfalls aufgestellt. Die Straße war schon abgesperrt und alle 50 Meter stand ein Polizist. Die Leute sind auch langsam zu den Absperrungen getrudelt. Wir sind ja schon dort gestanden, aber die Wolken sahen bedenklich aus. Eigentlich gibt es ja in Kunming nur sehr selten Regen, es herrscht ja seit 6 Jahren hier eine ziemliche Dürre wie man mir immer wieder sagt.... aber so ganz passt das doch nicht zu dem Regen den ich schon mitbekommen habe. So auch heute. Die Wolken sahen nämlich nicht nur bedenklich aus, sie waren es zu Recht: es begann zu regnen und wir sind in ein nächstes Lokal geflüchtet, genau neben der abgesperrten Straße. In Kunming braucht es nicht viel Regen und die Chinesen brechen in Panik aus ja nicht nass zu werden. Wohl weil sie keinen Regen gewohnt sind. In diesem Fall hat sich der leichte Regen aber schnell zu einem verdammt starken Regen verwandelt: es schüttete wie aus Eimern oder wie Faith es ausdrückte als sie sich versuchte an eine „english phrase“ zu erinnern: „It rains dogs and cats!“. Wir hatten uns schon im Restaurant hingesetzt und weitere Chinesen sind hineingeströmt, die Leute sind gesessen, im Eingang gestanden, in den Gängen gestanden. Das hat das Personal nicht wirklich gestört. Sie sind auch nicht herumgegangen um Bestellungen entgegen zu nehmen. Sie haben ja gewusst dass die Leute nur hineingekommen sind um dem Regen zu entkommen, die wollten ja eh nix bestellen also warum sie danach fragen, nmmmm? Auch interessant fand ich dass die Polizisten sich einen eigenen Tisch genommen haben. Der Auftrag die Straße freizuhalten war offenbar durch den Regen gestoppt worden. So sind wir locker so 20 Minuten in dem Restaurant gesessen... ich hätte gerne was getrunken, aber wir wurden ja nicht gefragt.
Der Regen war dann eigentlich wieder auf das Level von leichtem Regen heruntergeschrumpft. Uns gegenüber saß ein Chinese der dort schon saß bevor wir vor dem Regen geflüchtet waren. Er rauchte Leidenschaftlich eine Zigarette nach der anderen und spielte starrte in sein Handy. Daneben stand ein Walkie-Talkie. Ich habe gewisse „Altlasten“ durch meinen letzten Arbeitgeber und habe mir daher die Marke angesehen. Es war ein Motorola wie ich dann zufrieden feststellte. Also das er in sein Handy starrte war nichts ungewöhnliches.
Die meisten Chinesen die irgendwo sitzen starren in ihr Handy: Ob sie jetzt alleine sind wie eben dieser ca. 45-Jährige, oder ob sie in Gruppen unterwegs sind. Oft gehe ich an einem Lokal vorbei, egal ob Tag oder Abend und passiere dabei einen Tisch mit 1-3 Twens die dort zusammen sitzen und jeder in sein eigenes Handy starrt, spielend oder surfend, tippend, was weiß ich. Also das mit dem Handy war nicht besonders, aber das Walkie-Talkie war doch ungewöhnlich. Als der Regen also leicht wurde bzw aufhörte und die Chinesen begannen das Lokal zu verlassen sagte mir Faith plötzlich „Oh, the parade is cancelled“. Woher sie das wüsste fragte ich. Das hatte sie gerade über Funk aus dem Walkie-Talkie gehört. Der für mich die ganze Zeit relativ teilnahmslos aussehende Typ war offensichtlich einer der Mitorganisatoren oder Mitarbeiter da und das Funkgerät war natürlich seins.

Also sind wir dann auch aus dem Lokal und begannen uns heimwärts zu bewegen. Die Parade wurde einfach auf Morgen verschoben: Also auf den 1. Mai. Ist ja auch kein Problem, weil der 1. Mai ist ja auch noch frei. Nicht nur die Tage davor. Warum auch nicht das ganze einfach verschieben? Es regnete ja sehr sta... halt nein, eigentlich hatte der Regen praktisch aufgehört, ich habe hier in Kunming ja auch noch nie einen Regen erlebt der für länger angehalten hätte.... na egal, aber die Straße war ja nass. Dass das ganze verschoben worden war scheinte auch niemanden zu stören. Oder die Leute wussten es nicht, ich bin mir da nicht sicher. Da aber die meisten sich offenbar vom Green Lake wegbewegten nahm ich an dass sie wussten das die Parade nun doch nicht stattfinden würde. Ich bin schon sehr gespannt wie das ganze sich Morgen also entwickeln wird. 

27.4.13

Ein paar der angenehmen Dinge


Schon bevor ich den letzten Eintrag veröffentlicht habe dachte ich mir der ist schon seeehr negativ rübergekommen. Und ich habe sowieso grundsätzlich den Eindruck dass sich die Europäer im Allgemeinen für etwas besseres (weiser, klüger, vorausschauender, gewissenhafter, effizienter) als den Rest der Welt betrachten, daher will ich jetzt auch ein paar Dinge aufzählen die mir alleine in den letzten Tagen positiv aufgefallen sind.
Da wäre zum Beispiel das meine Freundin mich angerufen hat und mich gebeten hat ihr ein wenig Geld zu überweisen da sie zu wenig für die große Touristengruppe hat die sie gerade führt. Und sie braucht es schnell. Erst dachte ich wie soll denn das funktionieren und um welche Spesen? Außerdem war das Samstag Abend. Geregelt hat es sich folgendermaßen:
Sonntag 9:20 gehe ich in die Bank gegenüber unserer Wohnung. Die hat offen. Ja, am Sonntag ab 9 Uhr. Von den restlichen Öffnungszeiten will ich gar nicht schwärmen. Aber ich brauche nicht einmal zum Schalter zu gehen. Es gibt eine eigene Bankomatmaschine in die ich auch Geld einzahlen kann. In diesem Fall hole ich mir Hilfe von der Bankangestellten, denn die Maschine ist im Vergleich zu fast allen anderen ATMs nur auf Chinesisch. Jetzt einfach den gewünschten Betrag in den Automaten stecken, die Kontonummer des Empfängers angeben und schon ist die Überweisung getan. Ich brauche nicht einmal meine eigene Bankomatkarte hineinzugeben. Wer das Geld an die besagte Kontonummer überweist interessiert den chinesischen Staat nicht. Ach ja, und noch etwas. Wenige Stunden später war meine Freundin beim Bankomat und konnte das Geld abheben. Bei uns dauern ja Überweisungen gerne mal, ein netter Trick unserer Banken. PS: Hätte ich beim Schalter Geld überwiesen wären keine Spesen angefallen so wie bei uns.....
Ach jaaaa, einkaufen bis spät in die Nacht und auch an Wochenenden, DAS ist schon sehr angenehm, gerade für Personen die manchmal gerne in den Tag hineinleben.
Ich finde es auch etwas anderes sehr angenehm. Das letzte Mal als ich in Wien war habe ich meiner Schwester und ihrem Mann geholfen eine Wickelkommode von einer Wohnung abzuholen. Einerseits hätten wir in China nicht das Auto irgendwo halbwegs gescheit parken müssen sondern hätten uns einfach frech direkt vor die Haustüre gestellt und hätten die Kommode geholt – die Leute und Autofahrer hätten sich deswegen nicht gleich aufgeregt – nein es gab noch einen anderen Vorteil Beim tragen der Kommode zum Auto wäre ich nämlich nicht in Hundescheiße gestiegen die malerisch in ganz Wien verteilt liegt. Wenn mir jetzt wer sagt „Aber das hat sich in den letzten Jahren doch toll verbessert!“ dann muss ich antworten dass es sich zwar verbessert hat – zum Preis einer riesigen Werbekampagne – aber nachdem diese aus war gab es wieder mehr Hundekot und es gibt noch immer genügend. Allgemein ist es in China vielleicht dreckiger, aber Fäkalien liegen hier nicht auf der Straße. Man muss also nicht ständig auf der Straße schauen wo man hinsteigt. Das muss man nur in den Gebäuden um nicht in Spucke hineinzutreten die gerade irgendwer mit Passion auf den Boden gespien hat. Aber vielleicht ist das in unserem Wohnkomplex deswegen im Moment noch ein größeres Problem weil wir noch immer viele Bauarbeiter haben weil noch immer nicht alle Stockwerke und Wohnungen fertig sind.
Ich habe jedenfalls festgestellt dass es eigentlich verdammt viele Hundebesitzer hier gibt, das Argument es gäbe wenige Hunde hier und daher gibt es das Hundekotproblem so nicht zählt also nicht wirklich. Ich frage mich ja nur wo die hier spazieren gehen, weil es gibt eigentlich kaum Parks. Ich habe versucht auf meinen ausgedehnten Spaziergängen die letzten Tage ein paar Parks zu finden.... hm, gibt es so nicht. Ich erinnere mich jetzt auch an einen „Rant“ eines Chinesen der über seine Zeit in Europa berichtete der schrub dass die Lieblingsbeschäftigung der Europäer darin zu bestehen scheint sich einen Park zu suchen und sich dort ins Gras zu legen und in die Sonne zu starren. So oder so ähnlich. Ich habe es nur von meiner Freundin übersetzt bekommen, ich konnte es nicht selbst lesen. Sie hat sich bemüßigt gefühlt so etwas zu suchen und mir daraus vorzulesen nachdem ich ihr erzählt hatte dass ich ein paar Berichte von in China lebenden Ausländern gefunden hatte die sich über dieselben Sachen hier amüsieren wie ich. Das hatte sie wohl etwas verstimmt....
Apropos Bauarbeiter die ich erwähnt habe. Die Gebäude sind finde ich durchaus schöner als daheim. Mehr Abwechslung und Zierde, da vergisst man dann auch gerne dass sie nicht so gut isoliert sind. In der Nacht wird viel schön beleuchtet und erstrahlt in schönen Farben, es hat einiges an Ästhetik. Ich rede nicht nur von langweiligem Anleuchten wie zB bei uns Schloss Schönbrunn (nicht dass das nicht auch gut aussieht). Mehr Farben, und partiell angeleuchtet. So etwas meine ich. Kunming kann in dieser Hinsicht nicht mit Shanghai (dem Shanghai vor 6 Jahren) mithalten, ist aber auch sehr schön. In Wien gibt es das ja mittlerweile auch... auf wieviel... 3 Gebäuden? Drei fallen mir jedenfalls ein.
Dafür ist die österreichische Hauptstadt mit Werbeplakaten zugepflastert. Die verschönern das Stadtbild ja auch ungemein. Hier gibt es sowas in der Größe eigentlich nicht und schon gar nicht in der Quantität.
Sachen hier im Internet bestellen ist auch pipifein und verdammt billig. In China ist Amazon nicht wirklich groß, Chinesen bestellen auf taobao. Und sie bestellen viel! Aber nicht nur Chinesen: In der Student Dormitory wird jeden Tag von den (ausländischen) Studenten soviel bestellt, das wenn der Bote mit den Lieferungen kommt ein riesiger Trubel ausbricht.
Ich könnte online sogar Rahm und Sauerrahm und sowas bestellen! Weil zu kaufen kriegt man das hier nicht! Ich trau mich aber doch nicht wirklich weil ich nicht weiß in welchem Zustand das dann ankommt.... aber alleine zum einmal ausprobieren...

26.4.13

The Top Three Worst Inventions for China


Erfindungen machen unser aller Leben leichter, erhöhen unseren Lebensstandard sowie unsere Lebenserwartung und sind insgesamt eigentlich ziemlich cool.
ABER... es gibt ein paar Erfindungen die sind in den Händen der falschen Leute einfach nicht so cool....einfach nicht so gut aufgehoben. Atombomben zum Beispiel. Das Beispiel ist glaube ich gerade recht aktuell, gerade wenn ich selbst von China aus schreibe. Aber es gibt auch weniger krasse Beispiele. Und manchmal ist es nicht einfach nur der Charakter einzelner Leute der die Erfindung problematisch macht. Manchmal ist es einfach eine Eigenschaft die eine gesamte Gesellschaft hat... in China gibt ein paar Dinge die das Leben hier.... schwieriger gestalten als es sein müsste.
Es gibt zwei Dinge die man in China ertragen können muss wenn man hier leben will. Diese beiden Dinge haben jedoch nicht nur Nachteile. Sie können dem unbedarften auch helfen zu identifizieren welcher Nationalität ein Asiate ist der vor einem steht. Dadurch das In den letzten Jahren China immer reicher geworden ist gibt es mittlerweile auch schon in Europa chinesische Touristengruppen. Wenn man früher durch europäische Städte gegangen ist und ein paar Asiaten gesehen hat, dann wusste man: Hier sind Japaner unterwegs! Heute sind aber nicht nur Japaner unterwegs, es könnten auch Chinesen sein! Wie kann man sie unterscheiden wenn man als unbedarfter die Sprache nicht unterscheiden kann? Denn beide Gruppen knipsen gerne und viel mit dem Fotoapparat und schauen sich, sein wir uns ehrlich, sehr ähnlich.
Aber nicht verzagen! Jeder kann eine Chinesengruppe von einer japanischen Touristengruppe unterscheiden:

Es gibt zwei Dinge die man hier in China als Ausländer ertragen können muss. Diese sind dass die Chinesen einerseits für uns als unhöflich rüberkommen (auch wenn sie in wirklichkeit ganz nett sind und oft sehr hilfsbereit) und andererseits das die Chinesen sehr laut sind. Dadurch wird aber auch die Identifikation von Asiaten sehr einfach. Rennt eine Gruppe Asiaten an einer Touristenattraktion vorbei und man hört außer schnattern sehr viel geknipse von den Kameras dann sind es Japaner. Kann man aber das geknipse nicht mehr hören weil die Konversation unangenehm laut ist und manchmal durch spucken unterbrochen ist kann man sicher sein: Es handelt sich wohl um eine chinesische Reisegruppe. Chinesen sind daher auch sehr lautstärke-unempfindlich. Ich bin auch schon im Bus neben Damen gesessen die sich so laut unterhalten haben dass ich bei einzelnen ihrer Worte Schmerzen in meinem Trommelfell verspürt habe.



Aber ich schweife ab. Ich will mich heute ja mit den Top 3 schlimmsten Erfindungen für China beschäftigen.
Nummer 3:
Alarmanlagen. Alarmanlagen sind ja an sich wahrscheinlich gar keine so schlechte Sache. Jemand bricht bei dir ein, und wenn das Ding gut funktioniert und der Einbrecher seinen Job nicht richtig gemacht hat dann gibt es einen Höllenlärm und der Typ rennt davon. Coole Idee eigentlich. Ich kenne zwar eigentlich nur Geschichten in denen Fehlalarme von Alarmanlagen komische Situationen ausgelöst haben beziehungsweise Ruhestörend/Schlafstörend waren und keine Geschichten wo die Dinger wirklich nützlich waren, aber ich habe genügend Vorstellungskraft sagen zu können: Ja! Die können schon was bringen! Sei es nun in Häusern oder sei es in Autos. Die Chinesen haben aber auch heute noch immer sehr viele Mopeds und sie haben beschlossen sie wollen auch Alarmanlagen in diesen Mopeds haben.
Mopeds stehen überall herum. Auf dem Gehsteig, auf Parkplätzen, in Fussgängerzonen, auf dem Zebrastreifen und auf den Kreuzungen. Überall wird geparkt, dieses Volk ist oft sehr pragmatisch, auch bei der Suche nach Parkplätzen. Und da es viele Chinesen gibt, gibt es auch viele Mopeds und entsprechenden Bedarf an Abstellflächen. So stehen also oft Mopeds dicht an dicht. Passanten pressen sich vorbei, manchmal wird natürlich auch ein Moped ausgeparkt. Und ich habe vielleicht gesagt dass die Chinesen Lautstärkeunempfindlich sind.... die Alarmanlagen sind es jedoch nicht. Extrem häufig wird durch Lärm der Umgebung die Alarmanlage ausgelöst. Oder weil der Nebenmann ausparkt. Was dann folgt ist eine aufgeregte sehr laut eingestellte Alarmanlage. Natürlich muss die Alarmanlage laut eingestellt sein: Die Umgebung ist ja auch sehr laut, wie soll also sonst jemand Notiz nehmen wenn die Anlage verhältnismäßig leise wäre? Aber selbst bei der eingestellten höheren Lautstärke reagiert niemand! Denn fast jeden Tag wenn ich unterwegs bin höre ich ein oder mehrmals lautstark ein Moped jammern. In verschiedensten Höhen und Geräuschmustern. Klar reagiert niemand. Und nach einer gefühlten guten Minute hört das Moped wieder auf zu tuten. Somit hat sich der Sinn der Alarmanlage ziemlich aufgehört, weil es reagiert eh niemand. Der einzige Daseinszweck ist also die Geräuschkulisse auf den Straßen zu erhöhen.

Nummer 2:
Verstärker
Ich glaube ich habe mittlerweile schon erwähnt: Chinesen sind recht laut. Dadurch ist der durchschnittliche Lautstärkepegel recht hoch. Das ist mir besonders aufgefallen als ich letztes Mal zurück in Wien war und zu einem technischen Vortrag, welcher in einer Firma stattfand, gegangen bin. Da saßen plötzlich 15 erwachsene Männer in einem Raum und... es war angenehm still! Und der Vortragende konnte mit ruhiger Stimme sprechen! Und alle hörten höflich zu. Es war eine andere Welt.... in China ist alles lauter, also muss man laut sprechen wenn man gehört werden will: Also um auf sich aufmerksam zu machen muss man noch lauter werden als es im durchschnittlichen chinesischen Alltag schon ist. Wir alle kennen so etwas in einem Wirtshaus oder ähnlichem: will man dann gehört werden ist es anstrengend so laut zu schreien. Chinesen sind aber auch sehr geschäftstüchtig und verkaufen daher gerne Dinge. Sie finden es also auch normal dich verbal davon in Kenntnis zu setzen das sie da was verkaufen: du könntest das große rote Schild und den großen Laden von ihnen ja übersehen haben. Um dich verbal davon in Kenntnis setzen zu können müssen sie natürlich auch laut genug sein. Den ganzen Tag permanent zu plappern dass du bei ihnen kaufen sollst ist natürlich mühsam, aber da die Arbeitskraft billig ist stellen sich die Besitzer einfach ein paar Arbeiter an die dir dann mitteilen was du nicht tolles kaufen kannst. Den ganzen Tag kann aber nicht einmal der trainierteste Chinese schreien... die Chinesen sind daher große Fans von Verstärkern. Häufig wenn du also durch eine Straße mit Geschäften gehst wirst du also dann von verstärkten chinesischen Stimmen begleitet die dir in gelangweiltem Tonfall auf chinesisch welche Waren auch immer feilbieten. Seien es Schuhe oder Getränke, egal. Ich selbst kann ja nicht verstehen was sie da sagen. Aber der Elan mit dem diese Verkäufer ihre Waren feilbieten würde mich glaube ich selbst wenn ich sie verstehen würde nicht dazu bringen bei denen dann einzukaufen.
Immerhin wird die Geräuschkulisse um eine Facette reicher. Wenn dann noch Straßenmusikanten und vereinzelt auch Bettler diese segensreiche Technologie für sich entdecken ist die Kakophonie perfekt.
Nummer 1:
Tonband-/Abspielgeräte
Ja, zugegeben. Arbeitskraft ist billig in China, da kann man schnell wen anstellen der dann per Lautsprecher über die Waren plappert. Aber was wenn man ein ein-Mann-Unternehmen ist? Oder was wenn man einen mobilen Snackstand hat und nicht aufhören will seine Waren anzupreisen während man gerade mit einem Kunden über den Preis verhandelt? Oder wenn man einfach keine Lust hat mehr als einen Satz als Werbung zu verwenden, aber es doch irgendwie ermüdend findet den ganzen Tag ein und denselben Satz unentwegt zu sagen? Die Lösung ist genial wie einfach: Man verwendet ein Tonbandgerät/Abspielgerät! Eine perfekte Lösung oder? Besonders wenn man sie mit Worst Invention for Chinese #2 kombiniert! Ein Tonbandgerät inklusive Verstärker! Aaaah, so etwas macht Laune wenn man irgendwo für eine halbe Stunde warten muss und neben einem so ein Stand steht bei dem irgendein Satz permanent wiederholt wird. Das beste dabei ist aber: als ich dann meine Freundin fragte was denn da ständig wiederholt wird antwortete sie mir dass sie es nicht verstehen konnte: die Qualität war viel zu schlecht! Das ist nämlich das beste daran: meistens wenn ich die Dinger irgendwo höre ist die Audioqualität soooo grottenschlecht.... das offenbar nicht einmal Chinesen verstehen was da gefaselt wird. Und unser Ein-Mann-Unternehmer hört es sich dennoch freiweillig den ganzen Tag an, anscheinend ohne sich nur kurz Gedanken darüber zu machen ob der Sinn wirklich mehr als null ist....






Okay, zugegeben, ich bin sensorisch extrem empfindlich was Lärm und Töne betrifft. Mich macht auch sich ständig wiederholende Musik wahnsinnig. Oder knackt irgendwo die CD, man kann sich sicher sein das ich das mitbekomme, selbst wenn ich gerade im Restaurant ein interessantes Gespräch mit Freunden führe. Oder bei einem österreichischen McDonalds zu arbeiten mit dem ständigen Gepiepse... das könnte ich nicht. Mich macht ja schon das hohe Fiepen von so manchem Monitor fertig. Oder von Vorschaltgeräten von Leuchtstofflampen. Ich bin da also etwas extrem. Aber wie meine Schwester schon bemerkt hat: bei meinem Aufenthalt in China kann ich Gelassenheit lernen und üben.

25.4.13

Ein Spaziergang in Kunming: Vorbildliche Blindenstreifen


Beim Spazierengehen fallen einem hier die Blindenstreifen auf die es auf fast jeder Straße gibt. Bei uns sind die ja nicht so verbreitet, hier in Chinna aber... zumindest hier in Kunming sind sie allgegenwärtig. In Südamerika sind sie mir auch schon aufgefallen. Auch dort gibt es sie viel häufiger als ich es von Österreich gewohnt bin. Vorbildlich für fortschrittlich orientierte Politiker bei uns im Westen oder? Ich kann mir dennoch nicht vorstellen dass hier irgendein Blinder diese Blindenstreifen nutzt. Zwar gibt es die Streifen, aber was nützen einem die wenn überall Mopeds drübergeparkt sind? Und einem oft passieren kann das man stolpert weil vor einem plötzlich ein Hügel im Pflaster auftaucht. Noch fieser für Blinde sind wahrscheinlich die niedrigen Äste in denen man sich dann mit seinen Dreads verhedd.... ach nein, Moment, Chinesen haben ja erstmal keine Dreads und sind andererseits auch nicht so groß wie ich, da hab ich was verwechselt. Okay, okay. Aber auch ohne die Größe und Dreads, der Aufwand und die ausgegebene Kohle sind wohl dennoch für die Katz. 
Blinde haben hier übrigens scheinbar genau eine schon fast fix vorgeplante Karriere: Masseur. Blinde Masseure gelten hier als besonders gut. Auf der Kunminger Kärntner Straße gibt es einen Abschnitt in dem lauter Sessel stehen und ein Blinder dahinter wartet das man sich hinsetzt um eine Massage zu bekommen. Ob das so entspannend ist wenn man in einer Einkaufsstraße sitzend massiert wird weiß ich nicht.... es gibt jedenfalls auch einige „Blind Massage“-Salons in denen kann man dann auch liegen. Massagen sind hier in China offenbar äußerst beliebt. Auf denen steht eben manchmal auch auf englisch „Blind Massage“, außer sie haben sich wie oft auf den Geschäftsnamen verschrieben und es steht dann so etwas wie zB „Bind Massage“....
Neben diesen Blindenmassagen werden auch oft in Hotels Massagen am Zimmer angeboten. Vor ein paar Tagen bin ich zu meiner Freundin gefahren die für die Nacht in einem Hotel übernachtet hat weil sie eine Touristengruppe hatte. Auf dem Zimmer war eine Werbung auf Chinesisch für Massage am Zimmer. Da das Hotel sich offenbar keine blinden Masseure leisten konnte haben sie stattdessen auf der Werbung die Masseusen verführerisch in die Kamera blicken lassen. Die (auf)reizende Unterwäsche hat deren subtilen Blick sogar noch untermauern können. Am Zimmer gab es dann außerdem noch für jeweils 10 Yuan Massageöle, Kondome, Performance-Enhancer und was man halt sonst noch so braucht wenn man... ja was eigentlich? Sich nach der entspannenden Massage von der Massuesin verabschiedet um dann entspannt mit seiner Freundin einen netten Abend zu verbringen? Weil das wird doch nicht etwa ein verstecktes Angebot sein mit der Masseusin... huch!
Naja, das ist jedenfalls nicht das erste Hotel in dem ich das hier in China finde. An sich wahrscheinlich ziemlich convenient, oder? Man stelle sich nur folgendes vor: ein Paar nach einem gestressten Tag voller Sightseeing.

Uff, schön wars, aber... ich bin so verspannt.... du Schatz, würdest du mich massieren?“
Ach geh, ich bin doch auch so fertig, ruf doch das Massagemädchen aufs Zimmer!“
Damit sind dann doch alle glücklich, nmh?

19.4.13

Ein wenig Westen!


Aaaah welch glückliches Ereignis. In der „Foreigeners Street“ habe ich ein nettes westliches Cafe gefunden „Gemen“ der Name. Der Kafee dort intressiert mich weniger, ich bin ja kein Kaffeetrinker, da bin ich in China schon gut aufgehoben mit dem ganzen qualitativ hochwertigen Tee. Nein, das ist für mich kein Problem. Leo der Kolumbianer hat da größere Schwierigkeiten, denn als Kolumbianer braucht man natürlich guten Kaffee. Den gibt es hier sogar in einigen Plätzen, aber er ist ziemlich teuer.
Westliches Essen ist ein größeres Problem. Denn immer die chinesische Küche ist mühsam. Immer fettiges Fleisch, immer ölig...immerhin habe ich ja durch Faith einen guten Japaner/Italiener im Zentrum kennengelernt. Wirklich authentisches Essen dort, wenn auch nicht zu billig. Aber der ist etwas weit weg. In der Foreigners Street gibt es jedenfalls dieses Kaffee, die haben auch ein paar Sachen zu essen. Aber auch das ist in dem Fall nicht das was mich interessiert.... denn bisher habe ich nichts gutes in ihrem Angebot gefunden. Die Crepes schmecken fad, die Pizza hat keine Paradeiser und schmeckt ebenfalls fad.
Was ist also so toll daran?
Sie haben Brettspiele!
In diesem Land gibt es so etwas nämlich nicht: Das Konzept des Brettspielens ist hier weitgehend unbekannt. Die Chinesen haben klassische Karten für ein paar Kartenspiele. Diese habe ich hier bisher nur dann im Einsatz gesehen wenn es darum ging Trinkspiele zu veranstalten. Da die Chinesen aber auch wenig trinken, kommen auch die Spielkarten nicht wirklich zum Einsatz.... Ansonsten wird hier ausnahmslos Mahjongg gespielt. Wer jetzt glaubt das Mahjongg ist so wie das Mahjongg das wir von Windows kennen der irrt. Das spielt sich sehr anders. Auf dieses Spiel sind sie jedenfalls ziemlich versessen. Es wird häufig gespielt und ist für viele Leute ein wichtiger Lebensinhalt. Ich kann es schon spielen, die Regeln habe ich mir schon mühsam erschlossen, nur was die Regeln zum gewinnen sind … das habe ich noch nicht herausgefunden....
Man würde ja auch glauben das die Chinesen das chinesische Schach spielen würden. Erstaunlicherweise wird aber auch das nicht gespielt. Ich habe schon häufiger westliches Schach gefunden als das chinesische. Was unterscheidet das chinesische Schach vom westlichen? Nun, es gibt viele Unterschiede. Ein erwähnenswerter Unterschied ist, dass es beim chinesischen Schach eine Kanone als Figur gibt und jeder König in einem Palast sitzt.
Das chinesische Schach ist für westliche Personen etwas mühsam zu spielen, da die einzelnen „Figuren“ meist durch Flache Steine dargestellt werden die chinesische Schriftzeichen zur Identifikation der Figur tragen.... das macht das spielen nicht gerade leicht für uns....
Aber zurück zu den „normalen“ Brettspielen. Ich habe beim letzten Besuch in Kunming nach einem Ort gesucht an dem ich Brettspiele kaufen kann. Wir waren selbst in einem großen ToysRus... keine Brettspiele zum kaufen. Daher habe ich für meinen Besuch vorgesorgt, ich bin schließlich durchaus ein passionierter Spieler. Wegen Gewichtsbeschränkungen sowie Platzbeschränkungen wurden es nicht zuviele und nicht zu ausgefallene Spiele. 4 Spiele wurden es also: Abolone, Ubongo Travel, Dixit und der Klassiker Uno!
In dem Cafe gibt es aber neben fadem Essen, Importbier und ähnlichem sowie sauberem und gemütlichen Ambiente (was in China nicht selbstverständlich ist!) Brettspiele zum ausborgen. Für 6 Yuan pro Person pro Stunde ist man dabei. Also 80 Eurocent pro Stunde, das ist ein angemessener Preis. Zu speziellen Zeiten zahlt man als Student nur 3 Yuan pro Stunde. Und die haben durchaus anspruchsvolle Spiele im Angebot. So etwas wie Puerto Rico, Axis and Allies oder Funkenschlag. Einige der Spiele sind auf Deutsch, viele auf Englisch, ein paar auf Japansich und ein erklecklicher Anteil in chinesisch. Natürlich sind auch Klassiker wie Uno und Jenga dabei.
Wir haben dieses Angebot jedenfalls gleich mal ausgenutzt. Faith ist direkt zum Fan von Uno geworden. Für mich verwunderlich, denn wir haben Uno nur zu zweit gespielt, und zu zweit ist Uno jetzt nicht so der Renner, aber ihr taugt es. Ist mir nur recht, Uno ist eine gute Einstiegsdroge :)
Eigentlich wollten wir Samstags zu dritt spielen, Leo sollte uns begleiten, aber der ist dann im Lokal „Salvadors“ hängengeblieben: Als wir ihn dort abholen wollten hatte er gerade eine intensive Kommunikation mit einer Vietnamesin am laufen. 

18.4.13

Der Tag an dem du geboren wurdest

Der Tag an dem du geboren wurdest... da war ich gerade in China, in einer Stadt namens Kunming mit mehr als 4 Millionen Einwohnern. Das ist für uns eine sehr große Stadt. Hui, habe ich schlecht geschlafen in der Nacht. Ich bin erst nach 2 Uhr morgens ins Bett gegangen nachdem ich von deinem Papa schon erfahren hatte das du jetzt kommst. Da war ich ziemlich nervös auch wenn ich am anderen Ende der Welt war und eh nix machen konnte! Daher bin ich dann länger wach geblieben, ich hab mir gedacht vielleicht kriege ich ja gleich Neuigkeiten ob du schon da bist. Aber deinen Papa wollte ich auch nicht zuviel fragen, weil ich mir gedacht habe der wird auch schon aufgeregt genug sein. Na dann bin ich halt um 2 Uhr ins Bett gegangen. Da war es bei euch gerade Acht Uhr abends. Also bei euch noch gar nicht einmal der Tag an dem du gebohren wurdest! Nur bei mir in China war das schon der Tag von deinem Geburtstag! Ganz schön verwirrend! Um sieben Uhr bin ich dann aufgestanden. Gut geschlafen hatte ich ja eh nicht, ich war in Gedanken viel in Wien bei dir und ei deiner Mama und deinem Papa. Ich habe wieder einmal festgestellt dass du mit deinen Eltern ein ganz ganz großes Glück hast. Ich habe länger drüber nachgedacht und mir sind keine Leute eingefallen die ich kenne von denen ich glaube sie werden bessere Eltern abgeben. Das wieder festzustellen hat mich froh gemacht und hat glaube ich auch beim einschlafen geholfen. 
Aufgestanden bin ich dann weil ich hatte an dem Tag Vorlesungen auf der Universität wo ich gerade chinesisch lerne. Da war es bei euch gerade 2 Uhr morgens. Ich war ja echt neugierig ob du schon da bist oder noch nicht. Ich hab noch schnell meine eMails kontrolliert, aber da habe ich noch keine neuen Informationen bekommen. Zu dem Zeitpunkt wo ich dann wirklich Onkel geworden bin war ich gerade in einer Vorlesung auf der Universität. Es war keine meiner „normalen“ Vorlesungen wo ich die chinesische Sprache lerne, sondern eine Vorlesung in englischer Sprache über die Entwicklung des Gehins. Zu der Vorlesung wurden alle ausländischen Studenten geholt weil die Uni das filmen wollte um es nach Peking, der Hauptstadt von China zu schicken. Die haben gehofft dass die in Peking den Film mögen und ihnen dafür mehr Geld und Möglichkeiten fürs Unterrichten zukommen lassen. Stell dir vor, Peking ist noch viel größer als Kunming. Mehr als doppelt so groß!
Die Vorlesung war irgendwie lustig weil sehr viele der Studenten die im Raum waren nämlich gar kein oder nur sehr wenig englisch verstehen konnten. Daher sind die da einfach nur drinnen gesessen ohne wirklich zu wissen worum es geht weil sie die Sprache nicht verstanden haben! Da habe ich auch bemerkt das ich dort der einzige Europäer bin. Der Saal dort hatte 72 Sitze, und davon waren ungefähr 48 mit ausländischen Studenten besetzt. Aber ich war der einzige Europäer dort, dann gibt es da noch 2 Leute aus den USA, drei Leute aus Süd-Amerika, zwei drei Afrikaner, ein paar Leute aus Pakistan und die meisten dann aus Südost-Asien, also so Ländern wie Laos, Vietnam, Kambodscha und Thailand. Deine Eltern waren sogar einmal kurz in Thailand und auch etwas länger in Vietnam: auf ihrer Hochzeitsreise nachdem sie geheiratet haben. Die Leute aus diesen Ländern können aber oft kein Englisch und haben daher den Professor der was über das Gehirn erzählt hat zwar nicht verstanden, aber ich habe es verstanden. Da er über die Entwicklung vom menschlichen Gehirn von der Geburt an gesprochen hat hab ich auch gleich wieder an dich denken müssen. "An dich denken" war irgendwie gar nicht so leicht, weil ich kannte dich zu dem Zeitpunkt ja gar nicht! Ich hab ja gar nicht gewusst wie du so bist. Ich hab nur gewusst das du meine Nichte bist, aber nicht gewusst wie du so bist. Ich hab mir wieder überlegt, hoffentlich geht alles gut. Denn ablenken konnte mich der Vortrag natürlich nicht wirklich. Der Professor der da gesprochen hat hat auch über kleine Kinder geredet und wie die die Sprache lernen. Da habe ich natürlich viel an die Maja von meiner Schwester und ihrem Ehemann denken müssen und der Rest vom Vortrag hat mich dann gar nicht mehr interessiert. Zu Mittag bin ich dann zurück in meine Wohnung hier in Kunming. Da habe ich dann wieder schauen können ob mir dein Papa oder deine Großeltern geschrieben haben ob du vielleicht schon da bist. Weil da habe ich ja noch nicht wissen können das du schon geboren wurdest! Und wirklich, dann um ungefähr halb zwei am Nachmittag hat mir dein Papa geschrieben das du jetzt da bist. Und das du ur schön bist. Das du um 3 Uhr 41 in der Nacht geboren wurdest, das war für mich dann 9 Uhr 41 am Vormittag. Das hat mich sehr gefreut und ich war erleichtert das alles gut gegangen ist.
Da habe ich dann meiner chinesischen Freundin wegen der ich ja auch nicht in Wien sein konnte als du geboren wurdest gleich eine SMS geschickt: „I HAVE A NIECE :)“. Das ist englisch und bedeutet „Ich habe eine Nichte :)“. Die Faith, meine Freundin war nämlich an dem Tag nicht in Kunming weil sie gearbeitet hat. Sie war in Dali, das ist eine schöne Stadt etwas entfernt von Kunming. Ich habe dann nur ein bisschen was gegessen, eigentlich nur 2 Äpfel und ein paar chinesische Kekse. Die schmecken für uns Österreicher ganz komisch! Dann habe ich eh schon wieder weg müssen, weil ich schon wieder Uni hatte. Diesmal auch wirklich um chinesisch zu lernen.
In der Uni habe ich dann meiner Professorin gleich stolz verkündet das ich jetzt Onkel bin. Sie hat aber nur genickt und „ah“ gesagt. Da habe ich gewusst: sie hat mich nicht verstanden. Das machen Chinesen gerne so wenn sie was nicht verstehen. Sie sagen entweder "ja" oder sie sagen "ah" oder sie nicken. Und das obwohl sie eigentlich nicht wissen wozu sie gerade ja gesagt haben! Du musst also selber herausfinden ob sie dich verstanden haben oder nicht, und dafür braucht man ein bisschen Übung! Ja, manchmal sind die Chinesen ein bisschen komisch! Jetzt stell dir einmal vor du stellst ihnen eine Frage auf die du "ja" oder "nein" als Antwort haben willst und sie antworten dir einfach nur "ja" weil sie dich nicht verstanden haben. Das kann ganz schön in die Hose gehen! Meine Professorin hat mich nicht verstanden weil sie kann nämlich nicht so gut Englisch. Ich rede mit ihr Englisch weil sie auch kein Deutsch kann und mein Chinesisch noch nicht gut genug ist um mit ihr einfach in Chinesisch reden zu können. Der Unterricht war dann irgendwann aus und ich bin dann heim gefahren. Deine dein Opa hat mir dann eine eMail mit einem Foto von dir geschickt wie ich gesehen habe. Ich habe das dann gleich zu meinem Bildschirmhintergrund gemacht und ich sehe dich jetzt immer. Als am Abend meine Freundin Faith heimgekommen ist habe ich ihr dann auch gleich stolz das Foto gezeigt. Sie hat gemeint das du sicher hübsch und cool werden wirst wenn du groß bist und mich aufgefordert dir das hier zu schreiben. Da war es dann schon recht spät und wir sind dann schlafen gegangen!
Ein paar Tage davor habe ich auch gleich meine Lehrer und meine Freundin gefragt was denn „Nichte“ auf Chinesich bedeutet. Das spricht man ungefähr so aus „Tschhiiih nü“. Das wird hier in China so geschrieben: 侄女
Das erste Zeichen bedeutet eigentlich schon „Nichte“, das zweite Zeichen tut man dann halt immer dran. Das „nü“ bedeutet weiblich oder Frau oder auch Mädchen.
Und ich bin dein „Dadschiuh“, dein Onkel.
Das wird hier so geschrieben: 大舅
Das erste Zeichen bedeutet eigentlich „groß“. Das zweite Zeichen bedeutet „Bruder der Mutter“. Also zusammen „großer Bruder der Mutter“. Die Chinesen sind nämlich bei vielem nicht sehr genau, bei der Familie aber sind sie umso genauer! Die haben ganz eigene Bezeichnungen die wir so gar nicht kennen. Dein Onkel Wolfgang zum Beispiel ist nicht dein Daidschiuh, sondern dein „Bobo“ oder 伯伯, weil er der ältere Bruder von deinem Papa ist.
Die haben auch eigene Worte für Oma und Opa, je nachdem ob sie die Mama und der Papa von deiner Mama oder von deinem Papa sind. Und noch viele andere lustige Namen für alle möglichen Leute, zum Beispiel eigene Bezeichnungen für die Ehefrau von deinem Onkel. Aber wer merkt sich denn sowas! Diese ganzen Namen brauche ich aber nicht. Mir reicht zu wissen dass ich dein Dadschiuh bin.

Und ich bin ganz ganz stolz dein Dadschiuh zu sein. 

Österreichischer Luxus


Jedes mal beim abwaschen genieße ich ja schon fast.... habe ich mir doch mein eigenes Putzzeug mitgenommen nachdem ich letztes mal milde geschockt war von dem was ich hier zur Verfügung habe. Einweg-Handschuhe, Schwammtücher (ich habe eigentlich keine Ahnung wie die Dinger eigentlich heissen) und mein ganzer Stolz: Kehrbesen und Schaufel!
Denn ich habe letztes Mal vergeblich gesucht ob man sowas hier kaufen kann. Es gibt „ähnliches“ aber keine Kehrbesen mit dazugehörigen Schaufeln. Nur so Dinger bei denen man steht. Was aber wenn man hinter einem Tisch kehren will oder so? Wie machen das die Chinesen denn dann mit dem Putzen? Es stellte sich heraus das zusammengekehrte Haufen dann einfach mit einem Kleenex per Hand zusammengesammelt werden und dann mitsamt dem Kleenex entsorgt werden.... nicht gerade... elegant, aber es passt zur hiesigen massenweisen Verwendung von Kleenex:



Es werden ja zum Beispiel auch häufig Früchte gegessen (weil eben noch viel häufiger gegessen wird). Viele Früchte enthalten ja Kerne. Wenn man also in einer Mandarine einen Kern erwischt hat, nimmt man sich schwupps ein neues Kleenex, spuckt den Kern hinein und wirft das Kleenex weg. Eventuell spuckt man sogar alle Kerne einer Mandarine hinein. Dann aber weg mit dem Kleenex. Als nächstes wird die nächste Mandarine aufgemacht und.... der Spaß geht von vorne los.



Aber ich schweife ab... zurück zu den Putzutensilien. Da Schaufel und Besen nicht gerade klein sind habe ich dann nochmal beim einpacken für China per Videochat meine Freundin gefragt ob es so etwas wirklich nicht gäbe in China. Erst meinte sie „doch“, aber ich habe dann ausdrücklich darauf hingewiesen das ich nicht meine so etwas ähnliches, sondern genau solche Schaufeln und Besen. Das musste sie dann doch kleinlaut verneinen. Kurz vorm einpacken fragte Faith dann ob ich ihr denn demonstrieren könnte wie man diese Utensilien denn eigentlich verwendet. Gerne habe ich dann das Gerät für den Videochat gewechselt um in der Lage sein zu können ihr live zu zeigen wie man das verwendet! Wer könnte schon wiederstehen Asiaten die Segnungen der Westlichen Zivilisation zu demonstrieren!? Ich jedenfalls nicht.
Nun sind sie also mit, meine treue Schaufel & mein treuer Besen, weit weit weg von zu Haus... leider habe ich einen Wischmobfetzen vergessen, aber das ist verschmerzbar.



17.4.13

Ein Stück Wien in Kunming: Das Cafe Julius Meinl


Hach, ich fühle mich ein Stück mehr wie daheim! Einerseits habe ich ein Cafe gefunden mit dem Namen „Julius Meinl“ als ich so durch die Straßen streifte. „No Way!“ war was ich laut aussprach als ich den Namen des Cafes las. Das zeigte mir welcher Sprache ich im Moment schon denke. Chinesisch ist es jedenfalls nicht ;) Zwar passen die Farben nicht, aber die Schrift kommt mir sogar bekannt vor. Es prangt sogar ein relativ original ausschauendes Julius Meinl Schild vor der Türe. Ich habe schließlich die Besitzerin gefunden und mit ihr ein wenig gequatscht wie es zum Namen kommt. Sie meinte der Cafe den sie verwenden ist von Julius Meinl, daher der Name des Cafes. Sonst ist das Cafe nicht sehr wie man sich ein Wiener Cafe vorstellt aber dennoch ganz angenehm zum herumsitzen und die Musik ist ganz gut. Vor dem Cafe sind 3 Käfige, in einem davon ist ein Papagei und in den anderen zwei befinden sich zwei Rassekatzen....
Es gibt noch einen weiteren Grund warum ich mich ein wenig heimischer Fühle. Ich habe einen kleinen Shop gefunden der WIRKLICH richtige Importwaren hat. Dort kann ich sogar Parmesan und Paradeissauce kaufen! Den Spagetti steht damit nichts mehr im Wege und auch einigen anderen Gerichten! Ich habe gleich ein Budweiser gekauft auch wenn es um 3.20€ ein Vergnügen war das ich glaube ich nicht wiederholen werde. Gut das ich mich im Moment durch beide Erlebnisse ein wenig mehr wie daheim fühlen kann/konnte, denn meine Schwester liegt derzeit in Wien in den Wehen und mich drückt daher ganz besonders die Distanz.... ich schicke jedenfalls meine ganze positive Energie in die Heimat!



16.4.13

Drei Tage frei von Freundin


Okay, der Titel klingt böse, ich entschuldige mich dafür :) Natürlich vermisse ich sie, aber ein wenig Zeit für mich alleine ist nicht zu verachten.
Faith hat nach längerem endlich wieder einen Auftrag bekommen. Es könnte sogar lukrativ werden, denn auf der Strecke für ihre Kunden sind fast nur Shops. Ich werde zu einem anderen Zeitpunkt vielleicht mal über den Beruf von ihr reden, ich denke das ist auch einen Beitrag wert und interessant.
Jedenfalls ist sie nun 3 Tage unterwegs, daher habe ich die Wohnung für mich alleine. ANARCHIE UND PARTIIIIE! Das hatte ich zumindest als Gefühl im Bauch, aber so wirklich hat sich das noch nicht dorthin entwickelt ;) Ich fühle mich ein wenig hilfloser als sonst, da ich ja im Moment kein Smartphone habe und daher schwieriger kommunizieren kann. Ich lerne zwar schon ein paar Wochen chinesisch, aber die Sprache ist einfach zu exotisch: mit dem Gelernten komme ich nicht wirklich weiter. Immerhin reichen meine Skills glaube ich dafür das mich die Chinesen nicht für einen Touristen halten, aber bisher habe ich eh noch keinen gefunden der mich übers Ohr hauen will.
Heute bin ich einfach nur spazieren gegangen. Ich habe dabei in der Nähe der „Foreigners Street“ ein Cafe gefunden. Der Name des Cafes: „Julius Meinl“! Ich werde dort morgen mal hinschauen denke ich. Heute war ich nicht drinnen. Jetzt wo Faith nicht da ist kann ich auch endlich das ganze Junk Food probieren. Warum ich immer Freundinnen erwischen muss die was gegen Junk Food haben? Und hier gibt es genug. An jeder Straßenecke hast du 3 kleine Standln die irgendein Zeug verkaufen. Gebtratene Spieße, gebratene Fische, gebratener Lotus, Ananas am Stiel, gebackene... irgendwas und noch fünfhundert andere Dinge von denen man als Europäer nicht genau weiß was sie eigentlich sind. Mein Favorit sind zerstückelte Bananen, gemixt mit was butterähnlichem und einem Ei und aufgebacken in Teig.... mmmh. Ich hab zwar kurz überlegt ob ich drauf verzichten soll, weil ja ein Ei drinnen ist und Vogelgrippe und so, aber ich bin ja kein ängstlicher Mensch. Auch wenn Faith meint ich wäre ängstlich weil ich ungern mit 4 großen Plastiksackerln in der Hand, ohne Helm und mit ihr zusammen auf ein Mofa steigen will das von einem Unbekannten in der Rush Hour durch Kunming gefahren wird. Hm, naja Ich bin vielleicht ja doch spießig-ängstlich.... Ohne Plastiksackerln habe ich ja eh nichts mehr dagegen, vielleicht werde ich ja noch mutiger.
Also ein Abendessen mit dem Bananendings (1€), davor noch einen kleinen Fleischspieß (30 Cent) , eine halbe Ananas am Stiel (40 Cent) und schon bin ich pappsatt. Danach noch einen „Bubble Milk Tea“ (1€) und schon bin ich zufrieden.
Auf dem Heimweg ist mir aufgefallen wie die Chinesen auf schwarze große Audis stehen. Insgesamt sieht man ja hier mehr neue teure Autos als in Wien. Die schwarzen Audis wurden angeblich zum Synonym für einflussreiche chinesische Beamte. Aber es gibt natürlich auch schwarze BMWs... Mercedes sehe ich hier weniger, gibt es aber auch. Große schwarze chinesische Marken sieht man zwar weniger, aber sind auch vorhanden.
Wer jetzt meint hach wie böse China doch nicht ist wenn es soviele teure Autos gibt, wie da die reichen immer reicher werden während die Armen arm bleiben der irrt sich. Ja, die Reichen werden zwar wirklich immer reicher, aber auch den Armen geht es signifikant besser als noch vor 10 Jahren. Als ich vor 6 Jahren in China war habe ich noch überall Mopeds gesehen, nur vereinzelt Räder und Autos. Heute gibt es viel mehr Autos, weniger Mopeds -und die sind elektrisch- und fast keine Räder mehr. Die typischen „Lasträder“ mit Anhänger mit denen die ärmeren Chinesen Dinge herumtransportieren haben alle einen Elektromotor verpasst bekommen. Ja, die Reichen werden immer reicher, aber auch die Armen werden konstant reicher, und das in einem atemberaubenden Tempo. Deswegen herumzujammern oder das chinesische System zu kritisieren ist ignorant und verkennt was die hier auch für die Armen Schichten leisten. Nicht das hier alles eitle Wonne ist, das mit dem Smog bemerke auch ich wenn ich schaue wie schnell die Fenster wieder dreckig werden und das obwohl wir im 20sten Stock sind. Es könnte aber auch einfach der Staub von den ganzen Baustellen in der Nähe sein. Ich beobachte das mal für euch :)

15.4.13

Chinesische Inkonsequenz


Es stellt sich die Frage ob folgende Schilderung durch die Persönlichkeit meiner Freundin geprägt ist oder schon auch durch die Persönlichkeit „des Chinesen an sich“.
Ausgangssituation: Wir wollen zur KUST fahren, der „Kunming University of Science and Technology“ auf der ich wahrscheinlich jetzt statt auf der „Normal University“ studieren werde.
Wir sind mit der vorigen Aktivität fertig, nun steht also der Uni-Besuch an. Faith sagt:
Lets take a taxi!“
Nach 2 Minuten warten fahren 2 freie Taxis an uns vorbei. Für China nicht grundsätzlich ungewöhnlich, für Taxis muss man schon ein wenig Geduld mitbringen. Im Vergleich zum noch mehr Taxi-Regulierten Wien gibt es hier zwar mehr Taxis, aber diese sind meistens voll. Ich habe auch schon einmal zwanzig Minuten auf das Taxi gewartet... meine Freundin sicher auch. In diesem Fall reichen Faith 2 Minuten um die Geduld zu verlieren:
Ok, no Taxi... lets take a bus!“
So trotten wir zur Busstation. Wir warten kurz bis mich Faith unvermittelt fragt „Do you think we still need to go to the 'Normal University'?“. Ich verneine natürlich, denn vorher hatten wir ja besprochen das wir zur KUST fahren wollen. Zur Normal University sollten wir zwar auch aber dringender brauchen wir Informationen von der KUST.
Okay then! So we should take the other bus!“
Und wir beginnen zur anderen Busstation zu wandern. Diese andere Busstation ist aber einiges entfernt. Um sie zu erreichen müssen ist doch eine ordentliche Strecke zu gehen. Wir setzen uns dennoch in Bewegung. Schon nach einigen Schritten werde ich von Faith angehalten mich zu beeilen. Darüber wundere ich mich, ist es doch mitten am Tag, die Uni sperrt noch länger nicht zu, was mich dazu veranlasst nachzufragen. Aber mein „Why!?“ wird nicht wirklich beantwortet. Kurze Zeit später bleiben wir jedoch stehen. Warum wir stehenbleiben wird mir aber gleich beantwortet:
This store sells some delicious spicy potato snacks!“
Auf meinen kleinlauten Hinweis (ihr kennt vielleicht schon meine Zurückhaltung) wird mir geantwortet das es ja aber auch echt nicht lange dauert einen Snack zu kaufen, wir sind ja schon gleich wieder auf dem Weg... Nachdem wir die Potato Snacks bekommen haben (die wirklich gut sind, trotz meiner Aversion gegenüber Kartoffeln. An die Schärfe des Snacks muss ich mich sowieso gewöhnen wenn ich mit einer Chinesin aus Szechuan zusammen bleiben will) geht es weiter zur Bushaltestelle. Auf dem Weg müssen wir über einige Straßen. An einer Kreuzung die wir gerade überqueren bleibt eines von einer handvoll freien Taxis die unseren Weg seit wir losgegangen sind gekreuzt haben neben uns zum stehen.
Lets take this taxi!“
Was wir dann auch taten. Mittlerweile hatte ich schon genügend Munition um mich für Stunden über Faiths Umentscheidungsfreudigkeit (tolles neues Wort oder?) zu amüsieren und wir hatten nicht nur auf der Taxifahrt gute Unterhaltung.



9.4.13

Popkorn und Kino



Heutige Freizeitaktiviät: Badminton spielen und danach ins Kino.
Berichtenswert? Naja, schon. Es ist Sonntag, der Sonntag an dem alle chinesen den freien Tag wegen dem Tomb Sweeping Festival einarbeiten müssen.
Wir sind so gegen 7 Abends zum Badmintonplatz gegangen. Also noch etwas hell. In der Mehrzweckhalle sind nur sehr wenige Leute. Darunter auch der Kung Fu Lehrer den wir manchmal mit so Achtjährigen sehen. Er macht einsam seine Übungen. Und der normale Angestellte nicht zu sehen. Als es draußen dunkler wird gehen auch die restlichen Chinesen die noch dort waren. Warum? In der Halle gibt es kein Licht. Wir versuchen noch zu spielen bis es einfach zu dunkel ist den Ball richtig zu sehen, dann gehen wir. Warum ist die Halle offen wenn es keinen Strom gibt? Und wenn kein Angestellter dort ist?
Danach gehen wir ins Kino. Faith mag keine Actionfilme. Sie sagt die chinesischen Actionfilme sind so unrealistisch, dauernd fliegen irgendwelche Leute durch die Gegend und dann kämpft wieder jeder gegen jeden. Wo doch gerade die Chinesen dieses herumfliegen erfunden haben.... wie kann sie das dann nicht mögen? Es spielt irgendso einen westlichen „Zauberer von Oz“ Verschnitt, aber er hat keine englischen Untertitel am Plakat. Den einzigen anderen Film den wir noch finden ist ein chinesischer Chick Flick. Also soll es wohl der werden, was solls. Die Frage ist jetzt nur... hat der Film auch englische Untertitel? Wir fragen bei der Ticketverkäuferin nach. Sie denkt kurz nach, dann sagt sie Moment. Fragt einen anderen Ticketverkäufer. Kurze Diskussion zwischen den 3 Ticketverkäufern, danach die Antwort: Nein, keine Untertitel. Aha. Faith glaubt ihnen aber nicht, sie sagt sie geht drinnen einen der Kinobesucher fragen. Ich warte kurz und überlege ob ich Popkorn kaufen soll.... Faith kommt zurück. Ja, wie sie vermutet hat: Es gibt englische Untertitel, die Zuschauer haben ihr das bestätigt. Also Karten kaufen. Die sind für chinesische Verhältnisse im Vergleich zu essen oder so ziemlich Teuer, ungerechnet 4-5€ kosten die Dinger!
Ich will noch Popkorn kaufen, aber das Popkorn in der Vitrine der Popkornmaschine ist so gelblich, also wohl eines mit Butter. Ich bin kein Fan von gebuttertem Popkorn also will ich über Faith fragen ob er mir neues ohne Butter machen kann. Schon bevor ich frage sagt mir schon meine Erfahrung das wird schwierig werden, aber wir haben eh noch ein wenig Zeit, also kann mans ja probieren. Beide Chinesen schauen mich verwundert an, immerhin bringe ich MEINE Chinesin dazu die Frage zu übersetzen nachdem sie sich nochmal versichert hat ob ich wirklich von Butter rede (ja, das Ding aus Milch). Der Angestellte schaut mich verwundert an und meint, nein er könne mir kein Popkorn machen, ich habe nur die Auswahl zwischen entweder „kleinem“ Popkorn um 10 Yuan oder „großem“ um 20 Yuan. Aber ich könne nicht das Popkorn um 20 Yuan nehmen weil dafür hätte er nur mehr zu wenig, also kann ich nur das um 10 Yuan nehmen. Ah ja.... wofür hat der dann die Maschine....? Egal, also nehme ich Popkorn für 10 Yuan. Ich koste und finde heraus: Das Popkorn ist teilweise mit Butter und zum großen Teil dieses typische chinesische GEZUCKERTE Popkorn. Ja, ich meine gezuckert, nicht karamellisiert! Ich mag ja das karamellisierte aber das gezuckerte ist doch eher grauslich. Egal, egal, was solls. Wir steigen ein paar Stockwerke hinauf zu unserem Kinosaal. Vor dem Kinosaal finde ich dann einen weiteren Popkornverkäufer, genau derselbe Stand wie im Erdgeschoß. Die Vitrine ist voll mit Popkorn, es gibt entweder „groß“ oder „klein“ zu kaufen.....

Tomb Sweeping Festival




In China ist nichts effizient. Das gilt auch für die Feiertage. Eventuell liegt es auch an den Energien die frei werden wenn ich und Faith zusammen sind das einfach UNSERE Feiertage nicht effizient sind. Unsere Wohnung schaut auch ziemlich aus, obwohl wir beide sicher sind das sie schöner aussehen wenn wir alleine dafür verantwortlich wären. Nicht das es Putzstreitigkeiten gibt! Vielleicht beeinflussen wir uns also ähnlich bei unserer Freizeitgestaltung. JEDENFALLS....
Ach noch etwas davor! Wir haben wieder ein Klo! Insgesamt hat die Geschichte länger als eine Woche gedauert. Geputzt wurde das Klo natürlich nicht. Also, „geputzt“ wurde es schon, aber nicht das was ich darunter verstehe. Faith hat sich aber geweigert deswegen mit dem Landlord zu diskutieren und gesagt sie macht es selbst ich soll mich nicht aufregen. Ich verstehe nicht warum sie die dicke Staubschicht wegputzen will. Eigentlich finde ich es lächerlich das die Vermieterin selbst extra gekommen ist um dann für 5 Minuten zu putzen und das Badezimmer dann in dem Zustand zu hinterlassen. An manchen stellen liegen noch ziegelbrösel. Daheim würde ich das als Affront sehen. Zumindest können wir wieder aufs Klo gehen.
Aber zurück zum Tomb Sweeping Festival!
Wir sind Donnerstag früh aufgestanden und zum Busbahnhof gefahren. Der ist ungefähr.... na sagen wir 40 Taximinuten vom Zentrum Kunmings entfernt. Dort bot sich dem ungeschulten westlichen Beobachter ein Spektakel. Eine Masse an Chinesen die bei 12 Schaltern anstehen um ein Busticket zu bekommen. Ich war es ja von den Bahnhöfen schon ein wenig gewöhnt. Aber es war doch wieder beeindruckend. Da Festival ist, versuchen alle zu ihrer Familie zu kommen, oder wenn nicht zur Familie, dann vielleicht irgendwo mit Freunden ins Grüne zu fahren. Die Bustickets kann man offenbar nicht online erstehen, also muss man sich anstellen. Zwar sind es Massen von Leuten aber es geht erstaunlich flott!
Wir haben innerhalb von 10 Minuten unsere Tickets gehabt. Insgesamt würden wir 3 Mal umsteigen und ca 2,5 Std plus 30 Minuten plus 5 Minuten brauchen. Kostenpunkt: ca 80 Yuan. Das wusste ich aber zu den Zeitpunkt noch nicht, es war wie immer schwer aus Faith die gewünschten Informationen rauszukriegen. Daher war ihre Frage ob wir denn ein Auto für 300 Yuan zum gewünschten Ziel nehmen sollten auch für mich nicht wirklich beantwortbar. Im nachhinein gesehen hätte ich es wohl genommen und mir so die gedrängten Busse und das warten erspart. Aber ich hätte auch etwas verpasst:
Denn das anstellen um die Tickets ging zwar schnell.... nachdem wir die Tickets hatten sind wir auf die „andere“ Seite des Busbahnhofes gekommen. Dort staunte ich nicht schlecht das es für diese Massen an Leuten nur recht wenige und recht kleine Busse gab. Wie sollten denn die alle abtransportiert werden?
Wir stellten uns gleich zu einem der kleinen Busse an. Faith ging recht zielstrebig an vielen Leuten dafür vorbei. Wofür die denn dann anstanden? Zwar begann Faith eine leidenschaftliche Diskussion, aber der Bus an dem wir standen fuhr dann doch ohne uns weg. Da wir dann warten mussten schaffte ich es in der Wartezeit doch aus ihr herauszukriegen was da abläuft. Ich hasse es ja eigentlich nie zu wissen was gerade genau geschieht. Ich glaube eigentlich nicht das ich das immer wissen muss, damit habe ich bis zu einem gewissen Grad keine Probleme. Aber AB einem gewissen Grad.... Mir wird hier jedenfalls stoische Gelassenheit antrainiert.
Aber zurück zum Thema. Es stellt sich heraus das diese Massen an Chinesen die dort standen an denen wir so locker vorbei gegangen sind genau in denselben Bus hinein wollen wie wir. Nach einer gewissen Zeit (10-15 Minuten?) kommt eh der nächste Bus, aber für mich schien als ob man ca. 5 Busse bräuchte um alle da herumstehenden reinzukriegen – und einige davon würden für die 2,5 Stunden Fahrt stehen müssen!
Wie wird also entschieden wer reinkommt? Na es stellt sich heraus das wird einerseits dadurch entschieden wann dein Busticket ausgestellt wurde: Sprich, hast du dein Busticket um 8:15 gekauft, hast du bessere Chancen als wenn du um 9:20 gekauft hast. ANDERERSEITS wird es dadurch entschieden wer länger und besser diskutiert. Denn zum einsteigen in den Bus haben die Chinesen nicht wirklich ein System. Man würde ja erwarten das der Fahrer und der Schaffner vielleicht die jeweiligen Zeiten aufrufen und dann sollten sich Personen melden die in der Zeit den Fahrschein gekauft haben. Weit gefehlt. Die chinesische Variante ist, sich in oder neben die Tür des Busses zu stellen und mit jedem einzeln zu reden und entweder einzulassen oder abzuweisen der sich zur Türe drängt.
Das Gedränge ist jedoch um einiges weniger aggressiv als man es erwarten würde. Eventuell haben sie aber auch vor einem 1,80 großen komisch aussehenden Ausländer mehr Respekt und drängen weniger.
Faith drängte sich vor, ich schaffte es gerade mal ein paar Reihen dahinter. Nach Diskussion stand sie erstmal für ein paar Minuten mit dem Schaffner in der Türe (da ihr dieser offensichtlich gesagt hatte sie könne nicht einfach so rein mit der Zeit die auf ihrem Ticket drauf war) was bedeutete das die die eingelassen wurden sich an ihr und dem Schaffner vorbeidrängen mussten. Das ist aber durchaus nichts ungewöhnliches in China. Da bleibt jeder gerne mal in einer engen kritischen Stelle stehen weil er gerade seine Schuhe binden muss oder weil er gerade einen Telefonanruf bekommt oder aus anderen Gründen.... es regt sich auch keiner auf.
Nach ein paar Minuten verschwand sie dann in dem Bus, unter welchen Umständen genau weiß ich nicht, ich musste mich etwas abmühen nicht abgedrängt zu werden, da habe ich das nicht genau beobachtet.
Ich fühlte mich ein wenig allein gelassen, denn wusste ich weder was genau passiert, noch ob ich folgen sollte oder warten sollte bis sie mich holt. Irgendwann hat sie mir dann ungeduldig aus dem Bus zugerufen. Genau Kommandos wie „Komm rein“ oder so wären hilfreicher gewesen als ein ständig wiederholtes „Felix!“ „Felix!“, aber ich habe mich dennoch in Bewegung gesetzt und mich dann in den Bus gekämpft.
Wir sind also eigentlich mit einem Bus gefahren der für uns „zu früh“ war, aber okay, wir hatten sowieso noch einen breiten Weg vor uns.
Ich möchte das hier jetzt einmal abkürzen und auf eine Beobachtung reduzieren. Bei vielen chinesischen Bussen mit einem Schaffner mit denen ich bisher gefahren bin geht der Schaffner einfach durch und kassiert die Kohle von den zugestiegenen in bar. Das ist natürlich bei einem überfüllten Bus gar nicht so einfach... Halteknöpfe gibt es übrigens nicht.



Schließlich kamen wir bei dem See an. Name: Fu Xien in Pinyin oder „Fu Schchiän“ damit deutschsprachige Wissen wie man es ungefähr ausspricht.
Ein beliebtes Ausflugsziel. Laut Faith haben sich die Preise fürs Übernachten in den letzten 3 Jahren verdoppelt. Wir sollten dort einen ehemaligen Klassenkameraden von ihr dort treffen, der hatte sich aber doch etwas rar gemacht. Eigentlich hätte er für uns auch ein Zimmer besorgen sollen auch das haben wir selbst erledigt. Denn, oh Wunder, da ja Festival war, waren die beiden Hotels ausgebucht. Wir hatten nicht reserviert und ich hatte nicht gedacht das ich mir darüber gedanken machen sollte, da meine Freundin ja als Tour Guide für so etwas Expertin sein sollte. Wir haben uns dann in einerm „Farmhouse“ wie Faith es nannte einquartiert. Das ist nichts anderes als ein Zimmer in einem der Restaurants am See. 60 Yuan pro Nacht inklusive eigenem chinesischen Klo, wir haben auch welche um 100 Yuan ohne Klo angeboten bekommen. Wie wir später herausfanden war dafür in unserem Zimmer das Licht nicht funktionsfähig, ebenso auf dem Klo.... aber im Lichte des Röhrenfernsehers ist es zumindest nicht stockdunkel....
Wir sind dann zum See, der offensichtlich an manchen Stellen aufgeschüttete Sandstrände zu bieten hat. Dort ist ebenfalls ein etwas... nicht sooo toll aussehendes Hotel direkt am Strand, in dem die Zimmer angeblich 9999 Yuan pro Nacht kosten... die Panoramafenster direkt auf den See dreckig, aber hey, dafür konnte man offenbar direkt auf dem schiefen Dach des Hotels sitzen und von dort das Panorama geniessen!



Ausgeklügelt auch das Layout vom Strand: An vielen Stellen muss man ein Geländer hochklettern oder 1m20 runterhüpfen um direkt am Strand entlangwandern zu können wenn man denn nicht einen längeren Umweg um irgendein Gebäude machen will.
Da es ja erst Anfang April ist ist das Wasser noch seeeehr kalt. Ich schätze so 10 Grad. Es waren dennoch viele Kurzurlauber dort. Das das Wasser so kalt ist ist für die Chinesen nicht so schlimm, da ich bei nachfragen gehört habe das ca. nur 1/5 aller Chinesen schwimmen kann.
Was machen die dann am See? Nun, das kann ich beantworten. Viele dort waren so ca. 17-22 jährige die in Gruppen unterwegs waren. Pflicht ist, in Gewand, meist aber ohne Schuhe in den See zu gehen. Circa knietief. Dann müssen Fotos gemacht werden. Je größer die Gruppe, desto mehr Fotos da ja umso mehr Handys... manchmal werden auch Posen gemacht. Dabei stört es auch nicht wenn die Hose oder das Kleid nass wird. Ist das erstmal gemacht kommen noch die Übermütigen die dann beginnen sich gegenseitig mit Wasser anzupritscheln. Aber nicht auf Effizient mit gescheit viel Wasser, sondern eher so auf neckisch mädchenhaft wie man es aus schlechten Filmen kennt. Die Ineffizienz wird einfach durch Ausdauer wettgemacht um zu garantieren das dennoch alle nass genug sind. Also eigentlich sehr chinesisch.
Natürlich gibt es wieder sehr viele Snackbuden. ZB gibt es Kartoffelpuffer mit Shrimps. Ananas. Normale Kartoffelpuffer. Eis.
Und sonst Zeug zu kaufen. Für die kleinen Sandspielzeug. Wasserpistolen. Lebende Krabben die man an einer kleinen Schnur nachziehen kann.... letzteres hat mich schockiert. Auf nachfragen meinte auch Faith das hätte sie noch nie gesehen.
Hier gibt es übrigens nur Chinesen, keine ausländischen Touristen. Die Restaurants sind auch entsprechend ausgerichtet. Die meisten sind auf Fisch spezialisiert, genauso Krabben, Shrimps und riesige Seeschnecken.
Das Lokal das wir ausgewählt hatten war so gut wie jedes andere. Wir wurden dann zu einer Vitrine geführt in der verschiedene Gemüse sowie Fleisch drinnen waren, aus denen sollte man auswählen. In dem Ort war das überall so, alle hatten dieselben Vitrinen. Der frische Fisch war draußen in Aquarien oder in der Küche selbst. Bei uns waren die Fische für die wir uns interessierten in der Küche. Also flugs in die Küche.
Für viele Europäer wäre der Besuch in einer chinesischen Küche wahrscheinlich nichts. Besser man weiß nicht wie das dort funktioniert. In diesem Fall ist es noch ein wenig extremer weil es eben dieses Minibassin mit den Fischen gibt... ich habe mich einfach nur interessiert umgeschaut und Faith wieder mal machen lassen. Selbst das essen bestellen kann oft lange dauern, auch wenn ich nicht genau weiß warum. Aber bei vielem in China weiß man ja nicht genau warum...
Als ich da so vor mich hin beobachte und mir meinen Teil über die Unterschiede zwischen europäischer und chinesischer Hygiene denke höre ich so neben mir:
BUMM! ZAPPEL ZAPPEL... BUMM! ZAPPEL....
ich schaue rüber und sehe einen Chinesen der gerade mit einem Holzknüppel in offensichtlicher Notwehr einen großen 2kg Fisch eines über die Rübe haut. Mehrmals. Dann wird gewogen. 2Kg, Diskussionen zwischen Faith und der Restaurantdame und dem aus Notwehr handelnden Chinesen. Dann gehen wir aus der Küche. 15 Minuten später steht ein großer Bronzekessel mit dem Fisch vor uns. Leider hat es keinen kleineren gegeben meint Faith. Soooo ungewollt nahe an dem was ich esse war ich bisher nur die Male wo ich in China war. Seien es Schlangen oder der Fisch. Die Suppe ist jedenfalls gut, der Fisch annehmbar. Mir vergeht wegen sowas nicht gleich der Appetit. Ich bin halt insgesamt nicht wirklich ein Fischfan.
Als uns der Fisch serviert wird gebietet mir meine Freundin mich noch ein wenig in Geduld zu üben, denn ihr Freund inklusive dessen Freundin würden gleich kommen.
Mit Hunger vor dem offenen einladenden Kessel warten ohne zu wissen wie lange? Das hatte ich schonmal, ich greife trotzdem schon zu. Wie sich herausstellt zurecht. Denn erst nach 10 Minuten kommen die besagten Chinesen, diese haben sowieso außerdem schon gegessen, sitzen nur bei uns, reden mit Faith auf chinesisch und verschwinden dann wieder bevor wir fertig sind.
Wir gehen eher früh schlafen, es gibt nicht allzu viel zu tun. Faiths Freund ist schon abgereist in eine Stadt in der Nähe. Unser Abendessen ist eines der besten das ich die letzten Monate in China gekriegt habe, obwohl sehr einfach. Zu trinken gibt es das letzte angestaubte Bier das unser Restaurant hat.
Vor der Nachtruhe kriegt Faith noch eine Nachricht auf „WeChat“ oder „Shakeshake“ wie sie es übersetzt. WeChat ist der englische Name. Das ist so ein ziemlich nützlicher Instant Messenger, ähnlich wie QQ, aber nicht ganz so verbreitet wie QQ. Eigentlich verwendet jeder Chinese QQ am Handy, die haben mehr als 700 Millionen Nutzer!!! Die Nachricht die sie dann übersetzt ist von einem Freund der die Nachricht selbst bekommen hat. Es wird darin geredet über einen neuen ansteckenden Virus der in Peking aufgetaucht ist und einer der Ärzte in einem Spital hat dem Verfasser der Nachricht mitgeteilt das dieser Virus recht gefährlich ist. Der Virus wird mit dem SARS verglichen. Laut Nachricht soll man aufpassen was man isst, Hygiene großschreiben, kein rohes Hühnerfleisch essen, blabla. Es wird darauf hingewiesen das die Nachricht dazu da ist zu informieren, da die chinesischen Behörden es nicht machen würden. Dann noch viel Pathos das einem die Gesundheit wichtig sein soll, man auf seine Familie und Eltern achten soll, blabla. Okay, soviel dazu.
Eigentlich war geplant den Tag am See zu verbringen, aber meine chinesische Freundin ist nicht so fürs an Pläne halten. Zwar haben wir Stunden verbracht hierher zu kommen, aber sie schlägt vor in die Stadt weiterzureisen in die ihr Freund schon gefahren ist. Am Vortag hatte sie mich zwar gefragt ob ich am See bleiben will oder in die Stadt, aber offenbar war sie mit meiner Antwort nicht wirklich zufrieden.
Gut, wir machen uns also auf eine weitere Reise per Bus. Wieder überfüllt aber wir haben relativ viel Glück da wir die langen Wegstrecken sitzen können. Naja... nicht alle. Auf einer 40 Minuten Wegstrecke kommen wir in einen größeren Reisebus der jedoch schon voll ist. Vorne neben dem Fahrer wurde eine Matratze aufgestellt auf die sich ein Chinese sowie Faith und ich setzen. Weitere überzählige Chinesen stellen sich in den Gang. Kaum fährt der Bus los teilt die Schaffnerin die bei der Türe steht die typischen kleinen chinesischen Plastikschemel aus. Allen Personen die im Gang stehen und auch uns wird ein Plastikschemel hingestellt. Die chinesische Logik ist bestechend:
Nicht genug Plätze vorhanden? Logisch wollen die überzähligen Leute nicht stehen also geben wir ihnen kleine Schemel! Damit wirkt zwar gleichzeitig lächerlich das wir im Bus DAVOR genötigt wurden Sicherheitsgurte anzulegen, aber wir wollen ja nicht pingelig sein.
Zwar will die Schaffnerin das auch ich auf meinem Schemel sitze. Da aber im Gang kaum noch Platz war hatte sie meinigen auf eine schiefe Fläche gestellt und mir bedeutet darauf Platz zu nehmen. Nun ist eine längere Fahrt nicht unbedingt angenehm wenn man auf einer kleinen Fläche sitzen soll die eine Steigung von ca 15 oder 20° aufweist. Nach einiger Zeit setze ich mich also wieder auf meine Matratze.
Die Schaffnerin steht den Weg über. Ich bewundere sie dafür, denn sie tut es in so Plateau-Stöckelschuhen und ich nehme an das tut sie den ganzen Tag.
Auf dem Weg ruft Faiths Freund an, er macht sich auf den Weg nach Kunming das er sich auch noch ansehen will.... Faith bläst ihn an das er dortzubleiben hat, da wir schließlich gerade hinfahren. Er erklärt sich bereit doch noch dort zu bleiben.
Wir verzehren die mitgebrachten köstlichen Ananas. Wenn du mit einem chinesischen Mädchen unterwegs bist hast du immer etwas zum essen mit. Ein plötzlicher Schwächeanfall könnte verheerend sein. Na gut, ich gebe zu, in diesem Fall waren die Ananas glaube ich sogar meine Idee. Faith entscheidet sich diesmal bei einem Viertel den härteren Kern übrig zu lassen und legt ihn im Plastiksackerl auf den Boden des Busses. Mir ist das zwar etwas unangenehm da das Ding auch relativ prominent im Gang vor dem Ausgang liegt, aber ich nehme mir vor das beim aussteigen aufzuheben und mitzunehmen. Bei einem kurzen ausserplanmäßigen Halt kommt mir aber die Schaffnerin zuvor. 3 Chinesen steigen schnell aus, die Schaffnerin hüpft raus und schmeisst ein Sackerl mit ein wenig Müll weg. Die Tür ist noch nicht zu, verkehrsbedingt stehen wir noch. Die Schaffnerin sammelt die 3 leer gewordenen Plastikschemel ein und stellt sie an ihren Platz. Bei einem der Schemel ist sie mit dessen Sauberkeit nicht zufrieden, greift zu Boden, nimmt unser Plastiksackerl mit dem Stück Ananaskern darin und verwendet es um den Schemel abzuwischen. Nach einigem Wischen ist sie mit ihrem Werk zufrieden und wirft sie unser Sackerl durch die Türe auf die Straße. Problem beseitigt.
Die Fahrt endet damit das wir, kaum sind wir in der Stadt angekommen, ein Taxi finden und dann relativ lange auf ihn warten. Seine Freundin bleibt solange in einem Hotel. Innerhalb von ca 35 Minuten fahren wir mit dem Taxi an die zwei wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt um an einem sogar kurz rauszuhüpfen um ein paar Fotos zu machen....



diese Reise hätten wir uns sparen können, aber hey, immerhin war ich jetzt auch in XXXXX, eine ziemlich reiche Stadt hier in Yunnan. Hier wird die Zigarettenmarke Hong(2) Ta(3) hergestellt, daher kommt auch der Reichtum. In Klammern die jeweiligen Töne für die Worte. Hong Ta bedeutet „Roter Turm“. Entsprechend hätte ich mir vorgestellt dass das Hauptquartier der Firma ein hoher Turm sein muss, und eigentlich auch rot. Zu meiner großen Enttäuschung war dem aber nicht so. Dafür haben sie gegenüber auf einem Hügel einen ganz passabel hohen Roten Turm gebaut. Ich war ein wenig enttäuscht weil in dem dazugehörigen Garten dieses Hügels keine Gratiszigaretten verteilt wurden. Vielleicht wurden sie eh verteilt, aber wir haben ja nur 4 Minuten bekommen um schnell Fotos zu knipsen. Dann ging es weiter, und das Taxi fuhr uns durch die große Einkaufsstraße der Stadt.... sehr spannend! Gerade weil sich die großen Einkaufsstraßen auf der gesamten Welt ja doch so unterscheiden!
Wieder wird etwas über die Zigarettenfabrik geredet. Meine scherzhafte Frage ob denn die Personen der Stadt die Zigaretten billiger bekommen wird ernst genommen. Nein, die Zigaretten kosten in ganz China gleich viel. Aha. Na ich entgegne dann halt noch dass ich das unfair finde, immerhin ist in Städten am Meer der Fisch ja auch billiger als in Städten im Inland...
Danach ging es, hopp, auf zum Busbahnhof. Im Vergleich zu Kunming finden sich hier nicht viele Leute, dennoch kommt mir hier das erste mal der gedanke das ich mir auf chinesisch ein T-Shirt drucken lassen sollte auf dem auf chinesisch geschrieben steht:
Den Laowai mit den komischen Haaren anzustarren kostet nur 1 Yuan“... ich wäre schon reich. Dran gewöhnt habe ich mich schon längst.
Bald sitzen wir im Bus nach Kunming. Ich lese die Nachrichten auf meinen Handy. Auf einer chinesischen Website wird vor einem neuen Vogelgrippevirus gewarnt, die Behörden versprechen Transparenz. Ah, das deckt sich ein wenig mit der WeChat Message die wir am Vortag bekommen haben. Soviel zu „verschweigen von Informationen“ wie in der Nachricht auch angedeutet wurde.



Zurück in Kunming suchen wir lange herum wegen Hotel für Faiths Freund. Es ist schon relativ spät, Faiths Freund hat nur ein knapperes Budget und oh Wunder ist an den Feiertagen alles recht ausgebucht. Wir fahren und gehen von Hotel zu Hotel. Seufz, chinesische Effizienz.
Meine Laune ist schon eher auf dem Boden. Während des herumgehens will ich mir dann einen Bubble Tea kaufen, in die Dinger habe ich mich hier ein wenig verliebt. Aber Faith sagt nein, das geht nicht. Wenn ich was kaufen will, müsste ich allen „guten Freunden“ einen Tee kaufen. Das verlangt die chinesische Etikette. Das will ich aber beim besten Willen nicht, mir ist der Typ unsympatisch und jetzt muss ich wegen dem auch noch in ganz Kunming rumrennen weil er sich nicht rechtzeitig um ein Hotel kümmert (das ist zwar chinesisch, aber das ist mir in dem Fall jetzt egal). Für uns hat er kein Hotel gesucht und wir rennen jetzt mit ihm duch die ganze Stadt. Ich Frage Faith was denn ist wenn ich mit 10 Leuten rumgehe, muss ich dann 10 Leuten einen Tee spendieren? Nein, weil 10 Leute sind sicher nicht meine guten Freunde, in diesem Fall frage ich nur meine guten Freunde in der Gruppe ob sie einen Tee möchten und kaufe den dann. Sehr komische Handhabe wie ich finde, was ich ihr auch sage. Das bringt mir dann nur ein das sie meint das wir Europäer immer so „kalt“ wären.
Darauf habe ich als kalter Europäer keine Lust mehr in Kunming rumzuirren, ich will alleine heimfahren. Faith überredet mich dann doch noch in ein letztes Hotel mitzufahren, sie würde es sich wünschen. Also gut. Noch ein Taxi, zum Hotel. Wir steigen aus dem Hotel aus, gehen in die Hotellobby. Nun heißt es für mich wieder warten, und wie schon die letzten Male die letzten Stunden will ich mich Handy zücken um mir mit surfen die Zeit zu verbringen. Nur: Das Handy ist nicht da. Es blieb im Taxi.
Spitze. Ich melde den Verlust bei Faith und ihren Freunden. Wir beginnen auf meinem Handy sturmzuläuten und wir rufen in der Taxizentrale an. Erst geht keiner bei meinem Handy ans Telefon, dann ist das Handy plötzlich abgeschaltet. Das heißt schon nichts guten. Von der Taxizentrale werden wir an 2 weitere Telefonnummern verwiesen. Dort werden wir dann gefragt: Haben wir Taxinummer oder den Namen des Fahrers?
Natürlich nicht. Und da es in China im Verlgeich zu bei uns oder im Vergleich zu Kolumbien keinen Taxifunk in den Taxis gibt ist es vorbei. Keine Chance mehr. Wir könnten zwar noch zur Polizei und uns die Videoaufzeichnungen ansehen um zu schauen ob wir das Nummernschild lesen können aber ich winke ab. Da keiner mehr am Telefon rangeht und es ausgeschaltet wurde, hat das Ding wohl schon einen neuen Liebhaber gefunden. Ich hoffe nur er wird nicht viel freude mit einem gemoddeten schon etwas lädiertem Galaxy S1 haben das man nicht auf chinesisch umstellen kann.
Meine Laune ist nun komplett im Eimer. Denn ohne Smartphone in China bin ich nervös! Mit meinem Handy konnte ich hier Kommunizieren (google translate) und Wörter nachsehen (Wörterbuch), ich hatte alle meine Termine drinnen und konnte immer heimfinden und zur Not auch ein paar Leute anrufen. Ohne dem Ding fühle ich mich plötzlich sehr angreifbar.... Glück im Unglück: das Ding hat wie gesagt eh nicht mehr sooo toll funktioniert und die Kameraqualität war schon schlechter. Und es macht Sinn sich in China ein neues zu kaufen, spart man doch immerhin so ca. 80€ im Vergleich zu bei uns. 
Danach geht es heim wo ich gleich meine Passwörter von Skype google und co ändern will. Nur leider komme ich nicht ins Internet. Der Modemstatus sagt uns wir hätten kein Guthaben mehr, aber eigentlich sollte für 2,5 Monate bezahlt sein. Super! Ich gehe dann gethetert mit Faiths Handy online und ändere meine Passwörter und gehe angefressen schlafen. 

5.4.13

Die Schweizer die eigentlich Schweden sind

Heute wurde mir auf der Uni von der Szechuan Lehrerin und Leo mitgeteilt das heute abend eine Schweizer Band auf dem Uni Gelände spielen würde. Wenn ich kommen wolle, Tickets gibt es in der Verwaltung. Gut, dort musste ich eh runter um gleich nochmal zu erinnern das ich gerne meinen Pass mit der Aufenthaltsgenehmigung wieder haben will wenn es geht.... ich weiß schließlich das es bei Leo fast ein Monat gedauert hat bis er wieder seinen Pass hatte.... und wenn man bedenkt das mein Visum mit dem ich eingereist bin nur 30 Tage gültig ist.... egal. Jedenfalls habe ich dann in der Verwaltung 2 Karten bekommen. Schön das ich kommen wolle. Schweizer Band, Austauschstudenten, eine Trommelband, wird sicher schön. Alles toll. Ja den Pass... komm nächste Woche wieder vorbei. Alles toll. Tschüss.
Die Tickets kosteten gar nichts. Gut so.
Am Nachmittag hatte ich einen 1 to 1 Unterricht. Leo hatte seinen neu gekriegten Pass gleich verwenden wollen und ist in der Mittagspause zur Bank. Bei der chinesischen Effizienz verbrachte er dort dann einen ganzen Nachmittag und kam nicht zum Unterricht. Unsere Laotin ist ja sowieso nie da. Gestern hatte die kompetente Professorin sogar angerufen wo sie denn wäre. Warum sie denn nicht im Unterricht wäre. Ihre Antwort darauf war das sie müde sei, und deswegen beschlosse habe das es wichtig ist zu schlafen. Ah ja.
Jedenfalls.... 1 on 1 Unterricht. Der war gut, denn im Moment ist glaube ich mein gravierendstes Manko dass ich einen Satz der mir auf chinesisch gesagt wird nicht verstehen kann. Ich kann zwar alle Worte, und wenn ich sie einzeln höre kann ich sie zuordnen... ich kann sie auch selbst sprechen.... aber wenn mir jemand einen Satz gibt und selbst wenn ich alle Worte kennen sollte.... kann ich viele davon nicht zuordnen. Das liegt eben zum Teil daran das soviele Worte „schu schei zzzhs“ sind, also sehr ähnlich klingen und dann noch dazu manche sich nur durch den Ton unterscheiden.
Andere sind wieder sehr ähnlich. „Links“ zum Beispiel ist „zuo“. Gehen zum Beispiel ist „zou“. Klingt sehr ähnlich, und beide Worte werden natürlich auch gerne in einer gewissen nähe zueinander gesprochen.
Es hilft auch nicht gerade das „sein“ und „gehen“ verdammt ähnlich klingen: „sch“ und „dsch“
Naja, der Unterricht heute war daher deswegen gut weil die Lehrerin mir Fragen oder Aufforderungen auf chinesisch gegeben hat, die ich mir dann erstmal übersetzen musste und dann die Antwort formulieren musste. Ich denke ich war nach den 90 Minuten deutlich besser! Diese Professorin hatten wir aber zum letzten Mal. Sie hat jetzt die Möglichkeit gekriegt nach Kambodscha zu gehen um dort Chinesisch zu lehren. Daher haben wir ab nächster Woche eine andere Professorin.
Ich hoffe inständig es ist eine Kompetente!
Am Abend war schließlich die „Band“. Es gab mehrere Überraschungen. Ich hatte ja mit einer Performance auf dem Kampus unter freiem Himmel gerechnet. Außerdem wurde gesagt es kommen viele Ausländische Studenten. Was dann wirklich war....
es war schon nicht so einfach die Adresse zu finden. Ich gelangte schließlich zu einem Gebäude das eher wie eine moderne Oper oder Veranstaltungshalle aussah. Beim näher kommen fiel mir dann ein transparent auf, auf chinesisch und englisch. Im englischen stand da dann mit einem vergessenen Buchstaben etwas von: Wir heißen unsere Freunde von der Soundso Uni aus Schweden herzlich willkommen.
Ich und Leo gingen also hinein.
Wir waren in einer sehr sauberen, modernen, neuen und komfortablen Halle für 500 Personen mit Bühne vorne. Außer uns... sehr viele Chinesen und vielleicht 5 Laowais.
Performt hat dann wirklich neben ein paar Gruppen aus 2 von Kunmings Unis (die teilweise sehr gute und teilweise erbärmliche Vorstellungen abgaben) eine Gruppe aus Schweden:
7 junge Schweden, ich schätze keiner älter als 19, eher alle jünger und ein älterer Schwede als Leader der die ganzen Trommellieder komponiert hatte. Wirklich gute Performance, auch mit ein wenig Show. Der Leader könnte locker in großen Shows die Performances machen, das war verdammt gut und auch mit Witz! Er hatte dann sogar die einladende Direktorin der Uni eingebunden. Er wusste das diese Geige spielte und komponierte dann ein Stück wo sie ein wenig Geige mitspielen durfte... erinnert mich an die Werbung der Telekom Austria in der der Nemsic mitspielen durfte.... stell dich mit den Geldgebern gut indem du sie gut aussehen lässt und sie mögen dich :)
Auch das Publikum sollte beizeiten mithüpfen und klatschen. Die Unichefin ging auch durch und „ermunterte“ die erste Reihe zum aufstehen und mithüpfen. Dort saßen leider Leo und ich... okay, also hüpften dann vorne 2 Laowais für ein Lied. Gut, hüpfen und headbangen kann ich ja noch, da habe ich ja genügend Übung darin. Ich habe aber an dem Tag bemerkt das es sich rächt wenn man vor dem Hüpfen und Headbangen seine Haare und damit natürlich auch seine Dreads gewaschen hat....
Ich bin mir jedoch nicht sicher ob die Schweden für mich das Highlight waren oder die chinesische Performance in der 2 Chinesen inklusive schlechter Choreographie von einem Haufen anderer Chinesen das Lied „Edelweiß“ gesungen haben! Ihre Stimmen passten jedoch zur Qualität der Choreographie....
Ich mochte euch eigentlich dieses musikalische Schmankerl nicht vorenthalten, eigentlich habe ich ein Video aufgenommen... leider ging es mit meinem Handy verloren.
Nach dem „Konzert“ musste ich dann noch ein Foto von mir mit einem kleinen Chinesen machen lassen, aber das bin ich ja schon gewohnt.
Beim rausgehen erwähnte Leo dann noch das das Hotel daneben auch zu unserer Uni gehört. Mach Sachen! Mit meinem Studentenausweis krieg ich dort jetzt sogar Ermäßigung, damit kostet mich eine Nacht dort nur noch so 12€... nicht viel, aber für Kunming muss man sagen gibt es auch billigere annehmbare Sachen. Aber wahrscheinlich nicht in der Luxusklasse.