26.3.13

25.3.13 - Mein erster Kurstag



Nun war es soweit...heute war der erste Tag offiziell chinesisch lernen. Ich bin mit Faith in die Uni gegangen, da sie keine Kunden heute hatte war sie frei und wollte mich begleiten. Wir haben dann im Klassenraum gewartet. Der Raum kann so ca. 13 Personen fassen, jeder hat einen Stuhl und einen abgenützten Tisch, diese sind im Halbkreis um einen Tisch mit Stuhl in der Mitte angeordnet. Eine Tafel. Der Raum ist sehr klein, wie die kleinsten Klassenräume die ich in der AHS kennengelernt habe. Start war glaube ich um 8:50. Um 8:45 war noch immer kein anderer da. Nun, ich wusste ja das es nur 2 andere Studenten sein würden aber dennoch.... keine Menschenseele außer uns. Um 8:48.... nichts. Um 8:50.... niemand. War es etwa doch der falsche Raum? Nur weil auf dem Stundenplan Raum 513 steht bedeutet das noch lange nicht das es auch wirklich Raum 513 ist, wir sind schließlich in China.... Um 8:52 schaut plötzlich eine junge Asiatin in den Raum. Wir blicken sie an. Sie blickt uns an, und verschwindet wieder. Kontrolliert offenbar die Türnummer und betritt dann zaghaft den Raum. Faith hatte vom Namen auf dem Plan der Kurse schon gemutmaßt dass es sich um eine junge Person handeln würde. Damit ist meine Lehrerin also jetzt ca. so alt wie Faith. Letztere ist dann auch gleich gegangen.
Sie hat dann nach einigem zögern wie sie jetzt weitermachen soll weil sonst niemand aufgetaucht ist dann angefangen meine Aussprache auszutesten. Schließlich kam dann 15 Minuten zu spät Leo herein, mein Kurskollege. Kolumbianer, sagen wir um die 26. Aufgeweckter Bursche mit nicht allzu guten Englischkenntnissen aber sehr gut in der Lage sich zu verständigen und kurzen Haaren inklusive einem geflochtenen langen dünnen Zopf der länger ist als die Haare von Faith oder mir. Er meinte er habe verschlafen, aber das hat die Professorin offenbar eh nicht gestört. Scheinbar kam sie auch schon zu spät.
Er ist ziemlich interessant. Ich denke ich habe Glück ihn als Kurskollegen zu haben. Nicht nur weil er doch halbwegs englisch kann (für einen Südamerikaner) und als Südamerikaner ja nicht wirklich reserviert ist. Ein 30-Jähriger Wiener der auf der technischen Uni in Kunming chinesisch studiert ist ja schon exotisch genug, aber ein Kolumbianer mit gebrochenem Englisch der Elektrotechnik und Hardwarelayout studiert hat und in Kunming Chinesisch studiert (und noch dazu kein Geld in der Tasche hat) ist noch exotischer. Wir haben noch mehr gemeinsam: ich werde ja wegen meinen Haaren doch schon mal gefragt ob ich nicht Drogen kaufen will oder ob ich welche verkaufen kann. Er als Kolumbianer.... kennt diese Situation. Wie klischeebeladen ist eigentlich der Normalbürger wenn einen selbst im hintersten China Australier nach Drogen fragen? Zumindest die Chinesen haben uns beide deswegen nicht im Visier: Das Dreads oder Kolumbien was mit Drogen zu tun haben kann, davon wissen die nichts. Eventuell halt ausländische Studenten im allgemeinen werden mit Drogen in verbindung gebracht....
Nur Faith hat insgesamt gemeint sie ist froh dass ich nicht auf der normalen Uni chinesisch studiere, denn wenn da ein paar Thailänder in meinem Kurs wären... oder viele andere Studenten von auswärts.... die ausländischen Studenten seien sehr enthemmt und da gäbe es wilde Parties mit viel Alkohol und da hat sie auch schon gesehen wie einige Thailänder zusammen offensichtlich Drogen genommen haben. Nicht nur selbst sondern in der Gruppe was rumgereicht haben, also sogar zusammen Drogen konsumiert haben. Und da ist sie schon froh ich bin nicht gleich mit solchen Personen konfrontiert. Ja, mir fällt da auch ein Stein vom Herzen, das klingt ja ganz arg.
Ach ja... Drogen und Leo(nardo) aus Kolumbien.... das er nach Drogen gefragt wird ist aber noch nichts gegen die Geschichte die ihm am Flughafen passiert ist als er über Paris nach Kunming geflogen ist.... aber das erzähle ich ein anderes Mal.
Bei den Chinesinnen scheint er jedenfalls auch gut anzukommen. Weil er aber keine fixe Freundin hier hat wie ich ist er gezwungen mehr chinesisch zu reden und kennt sich schon ein wenig besser zurecht.



Aber genug davon. Zurück zum Unterricht. Der bestand darin das die Lehrerin dann meinte, schlagt Kapitel 9 auf, da sind die neuen Vokabel, lernt die mal und wenns fragen gibt, dann fragt mich. Aha, na dann.... viel mehr war nicht, ich habe halt dann von mir aus gefragt anstatt Vokabel zu lernen, das hätte ich auch so gekonnt. Besonders habe ich gefragt wie ich denn am besten systematisch den Stoff angehe den ich nachholen muss.
Leo hat dann angeboten mit mir den Stoff am Nachmittag durchzugehen. Das Angebot habe ich gerne angenommen. So saßen wir dann am Nachmittag bei scheinender Sonne, duftenden Blumen und Bäumen und zwitschernden Vögeln zu dritt am Uni Kampus, der ständig präsente Baulärm nur weit entfernt zu hören.
Faith und Leo gingen dann mit mir der Stoff durch, am meisten ging es eigentlich um die Aussprache, wann ich die ganzen Vokabel nachlernen soll ist mir im Moment noch schleierhaft.... wenn ich mich an die Schule erinnere kommt mir jetzt erst was das für ein Pipifax war neue Vokabeln in Französich oder Englisch zu lernen.... im chinesischen musst du die Aussprache und den Ton lernen UND das Zeichen dazu. Wenn dus selber schreiben können willst musst du dir merken in welcher Reihenfolge du die Striche schreibst.
Um 6 Uhr war ich dann komplett voll im Kopf, aber immerhin sind wir einmal alle Kapitel durchgegangen. Ich glaube hängen geblieben sind nur „gehen, lernen, entschuldigung, verzeihung, keine ursache, buch“.... aber vielleicht ist das nur meine pessimistische Art :)
Danach habe ich die beiden auf einen Snack eingeladen, und danach, weil Leo die geschichte erzählt hat das er genau noch 40Yuan in der Tasche hat und an den Rest nicht ran kommt weil im Moment sein Pass auf der Uni liegt, habe ich die beiden dann zum essen eingeladen. Vorher mussten wir nur noch auf der Uni Bibliothek ein Buch für die „Reading“ Class besorgen das am Vortag nicht da war. Es war aber auch heute nicht da, daher fuhren wir dann in noch 3 andere Buchhandlungen.... die das Buch auch alle nicht hatten. Und bei denen bei den wir nachgefragt haben meinten die Verkäufer auch sie würden das auch nicht mehr reinkriegen.... Fein.... am Mittwoch brauche ich es, ich werde es eventuell auf „Baidu“ dem chinesischen Amazon bestellen. Damit haben wir das dann aufgegeben und haben beschlossen, gut, dann gehen wir halt einfach nur essen. „Hot Pot“ sollte es wieder sein. Ich habe noch Bargeld gebraucht also haben wir noch einen Bankomat gesucht. Zwar ist es normalerweise kein Problem einen Bankomaten zu finden von dem man mit österreichischer Maestro Karte anheben kann, aber dennoch aktzeptieren nicht alle Bankomaten die Karten, und je nach Bank ist das Abhebelimit auch unterschiedlich.

Und jetzt passierte etwas verhängnisvolles. 


Ein guter Tipp: Vermeide JEDEN Kontakt zur Postal Savings Bank of China

Wir waren schon fast beim Restaurant und ich hatte noch immer kein Geld. Glücklicherweise war gleich bei dem von uns ausgewählten Restaurant eine Bank mit Bankomaten. Wir haben gerade lustig gewitzelt damit habe ich mein ungutes Gefühl nicht wirklich beachtet bei der Bank zu probieren Geld abzuheben. Denn ich weiß das es weder bei der BOC noch der ICBC noch der ABC noch der Commerce Bank of China eine Gebühr fürs abgheben gibt. Aber von der Postal Savings habe ich noch nichts gehört. Egal, ich brauchte schnell Geld und wir waren hungrig, ich würde es schon sehen und bisher habe ich ja doch noch nie extra Gebühren bezahlt, also probier ichs mal. Wenn der Bankomat keine Maestro Karten nimmt, müssen wir halt wandern. So der Gedanke.
Also Karte rein, PIN eingeben. Am nächsten Bildschirm gibt es zwei Optionen. Eine die ein englisches „Exit“ hat, und eine andere die keine Beschreibung hat. Okay, das ist China, diese Qualität kenn ich schon. Also auf den Button ohne Beschreibung gedrückt. Nun erschien „Transaction in Progress, please Wait....“ auf dem Bildschirm. Aber auch nach 3 Minuten warten war noch nichts passiert. Es sollte auch noch viele Stunden nichts passieren.
Faith und Leo dazugeholt, beratschlagt.... Auf dem Bildschirm steht eh eine Notfalltelefonnummer die man anrufen kann. Dort kommt man dann auf ein Band. Man kann sogar englisch auswählen. Dann sagt einem eine Stimme man wird verbunden. Dann wird die Verbindung unterbrochen.
Das erinnerte mich seeeeehr an meine erfahrungen mit der chinesischen Botschaft in Wien. Als ich dort anrief bin ich auch einfach auf eine tote Leitung gekommen. Aber bei einer Bank das notfalltelefon? Auch wenn Faith anrief, genau dasselbe. Tjaaaa.... was tun? Einfach gehen? Und was wenn irgendwann die Karte wieder ausgespuckt wird?
Nach 20 Minuten haben wir dann wen ans Telefon gekriegt, aber hatten einfach nur keine Ahnung und waren überfordert damit das eine ausländische Karte verwendet wurde.
ZB:
SUPPORT: „Was für eine Karte?“
FAITH: „Eine Maestro Bankomatkarte aus Österreich“
SUPPORT: „...eine Master Card?“
Die wussten nicht einmal ob die Karte funktionieren sollte oder nicht. Ich sollte halt die Karte sperren lassen. In Österreich anrufen und sperren lassen. Und dann halt morgen in der Filiale vorbeikommen und die Karte abholen und dann wieder entsperren. Wie das würde mich Geld kosten und wer soll mir das ersetzen? Wieso sollte sowas Geld kosten?
Immerhin haben sie uns nach einer halben Stunde diskutieren nicht mehr gesagt wir sollen doch einfach warten bis die Transaktion abgeschlossen ist, dann würde die Karte schon wieder rauskommen. Die „Chefin“ vom Support die dann doch irgendwann ans telefon gegangen ist hat auch dann wenigstens nicht mehr gemutmast ich hätte für 30 Sekunden nichts getan und daraufhin wäre meine Karte eingezogen worden. Wie dem auch sei, es führte zu nichts. Wir haben dann in einem Copy Shop ein paar „Bankomat defekt“ ausgedruckt und auf das Ding draufgepickt und beschlossen am nächsten Tag zur Öffnungszeit von der Filiale (10 Uhr) dort vor der Türe zu stehen. Im Lokal dann habe ich gefragt ob die Visa nehmen, die Antwort war dann ja. Also haben wir dann gegessen. Selbstverstänlich hat dann beim Zahlen die Kreditkarte bei denen nicht funktioniert, also hat dann Faith einspringen müssen mit der Rechnung.
Auf dem nachhauseweg sagte Faith schließlich sie hatte eh irgendwie kein gutes Gefühl als ich zu den Bankomaten der Postal Savings Bank gegangen bin. auch Chinesen vermeiden diese Bank normalerweise da das Service sehr schlecht ist, lange Wartezeiten und die Mitarbeiter unfähig und arrogant. Schließlich sagte sie dann auch das die Bank staatlich geführt wird. Ah ja, das erklärte mir schon einiges. Geben tut es sie weil es so eine Mischung zwischen Post und Bank ist und viele Pensionisten dort ein Konto haben, so habe ich es verstanden.
10 Uhr vormittags bei der Bank.... das hieß dann dass ich meine Vorlesung am Vormittag am verpassen würde, aber eine funktionierende Karte zu haben ist wohl wichtiger da ich noch immer kein Konto hier habe.




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