Der
dritte Tag war schließlich angebrochen und ein innerer Drang wurde
immer unerträglicher: ich musste endlich die Elefanten sehen! Am
ersten Tag hatte es nicht geklappt im Danting Park. Am zweiten Tag
war es zu spät noch irgendwo hinzufahren wo wir Elefanten gescheit
zu Gesicht bekommen konnten. Der dritte Tag war angebrochen, der
letzte Tag an dem meine Freundin mit mir da sein würde. Heute
mussten Elefanten her.
The White Elephant Valley ist die beste
Adresse um meinen inneren Drang befriedigen zu können. Also
kontaktierten wir den Taxifahrer unseres Vertrauens und fuhren mit
diesem zur White Elephant Valley. Die Kosten sind nicht so schlimm
selbst mit dem Taxi. Um 200 (XXXX) Yuan hin und zurück mit warten.
Das ist verschmerzbar. Eintritt sind für Studenten 80 Yuan, wenn man
mit dem Sessellift fahren will nochmal 80 Yuan 2-Way oder 45 One-Way.
Ein Tourguide kostet 100 Yuan und es gibt Extras die man noch
zusätzlich nehmen kann. Der Park ist schön gelungen, es gibt auch eine Bühne für Eingeborenenvorstellungen ganz so wie Chinesen sie mögen. Auch gibt es ein paar recht kleine Käfige die manche Österreicher wegen ihrer Größe aufschreien lassen würden in denen man andere exotische Tiere bewundern kann. Da ich erst am Vortag wieder vom Tierschützer-Mafia-Prozess gelesen habe dachte ich mir vielleicht sollten wir diese Leute nach China schicken... aber ich schweife schon wieder ab.
Und es gibt dort eine eigene Manege mit Sesseln und Tischen rundherum wo es pro Tag ein paar Vorstellungen von dressierten Elefanten gibt. Man kann die Elefanten beobachten wie sie die Dompteure auf dem Rüssel herumtragen, wie sie auf Holzbalken balancieren oder wie sie Pyramiden aus Elefanten machen. Für 10€ darf man auf den Elefanten reiten, für 5 Euro extra kriegt man noch ein Foto wie man vom Elefanten auf dem Rüssel getragen wird.
Für solche Fotos viel zu zahlen mag uns komisch erscheinen ist aber sehr Chinesisch. Chinesen mögen so etwas.
Da kann ich etwas zu der Schilderung der Mekong-Schiffsfahrt hinzufügen. Ein paar der Performances wurden von thailändischen Lady-Boys (Transvestiten) gemacht. Die Neugier der Chinesen war groß. Schon während der Vorstellung wurden die Lady-Boys dann hinter dem Publikum aufgestellt. Für einen Obulus von ein paar Euro durfte man dann ein Foto mit dem Lady-Boy seiner Wahl machen.
Die thailändischen Lady-Boys sind für Chinesen offenbar sehr kurios und führen zu starkem Interesse. Das ist insofern bemerkenswert weil die Chinesen ja grundsätzlich kein allzu lockeres Verhältnis zu Homosexualität haben. Wie schon einmal berichtet hat man hier als Mann eigentlich keine langen Haare zu haben. Oder sollte als Frau nicht zu lässig daherkommen.
Oder ich erinnere mich an die Geschichte dass mein Freund in Kuendu ausgegangen ist und ihm von einer Thailänderin 2-3 Drinks spendiert wurden. Er wurde dann von einem Freund zur Seite genommen der meinte, ob er wüsse das diese Person aus Thailand stammte. Er antwortete ja. Sein Freund meinte daraufhin ob er denn auch sicher wäre ob es wirklich eine SIE ist. Daraufhin begann mein Freund den Kontakt zu dieser Dame für den weiteren Abend zu meiden...
Daher: Thailändische Lady-Boys sind interessant... solange sie nicht zuuu nahe kommen.
Die hier performenden Transvestiten waren jedoch doch stärker als Männer zu erkennen und waren wahscheinlich auch keine Thailänder sondern Chinesen. Ich würde sogar vermuten dass viele von den Künstlern auf dem Boot das nicht aus Leidenschaft machen sondern um Geld zu verdienen und sich sonst keine Frauenkleider anziehen würden...
Das also noch als kleiner Nachtrag zu dem letzten Eintrag. Doch jetzt zurück zu den Elefanten!
Vervollständigt wird der Wild Elephant Park durch ein kleines Schmetterlingshaus und ein eigenes Vogelhaus auch mit Vorstellung. Dort zeigen Papageien ihre Kunststücke bzw. natürlich kann man sich mit ihnen fotografieren lassen und dann für schlappe 2,4€ das Foto kaufen. Die Papageien sind aber aus Südamerika... was der süßen Show aber keinen Abbruch tut.
Hier im Elefantenpark ist mir schließlich eine Theorie gekommen. Denn als Mitteleuropäer kann einen hier das Schicksal der Tiere als grausam vorkommen. Von der Dressur sowie von der Unterbringung. Genauso findet man die „Künststücke“ und die Performances von den Tieren jetzt nicht wirklich spektakulär sondern kann sie mit unseren mitteleuropäischen Moralvorstellungen sogar als Entwürdigend betrachten:
So etwas gibt es zum großen Teil bei uns nicht mehr. Tiere in solch nicht-Artgerechter Haltung... kann ich mich gerade einmal erinnern bei uns gesehen zu haben als ich ganz klein war. Löwendomptur? Gibt es in den Zirkussen bei uns eigentlich nicht mehr. Als ich ganz klein war schon.
Und genau darin liegt der Schlüssel.
Man darf nicht vergessen wie rasend schnell sich China entwickelt hat und wie dieses Land noch vor 10 oder 20 Jahren ausgesehen hat. Chinesen mögen schon alle unsere technischen Gadgets haben (teilweise vor uns, weil sie stellen sie her) und sie mögen auch schön öfter in Hochhäusern wohnen als wir, aber manche Bereiche haben sich noch nicht entwickelt oder anders entwickelt.
So gesehen haben die Chinesen vielleicht ein Verständnis von Tierhaltung wie wir in den 80ern oder 90ern. Ihre Handhabe ist also nicht grundsätzlich negativ.
Jeeedenfalls war das Reiten auf dem Elefanten für uns mit dem alten Tour-Guide und Tourist Trick billiger. Und wog das schlechte Essen dort auf.
Leeeider haben wir es nicht geschafft wilde Elefanten zu sehen... die haben wohl geschlafen. Aber immerhin habe ich mein Ziel erreicht IRGENDEINEN hiesigen Elefanten zu Gesicht zu bekommen.
Danach ging es zurück in die Stadt, Faith musste zu ihren Touristen. Ich habe mich dann entschieden schon zurück nach Kunming zu fahren... allzu viel gibt es hier einfach nicht zu sehen, kennt man einen Urwaldpark, kennt man alle. Botanische Gärten habe ich im letzten Jahr schon genug gesehen und die hiesigen Tempel kannte ich auch schon. Außerdem waren die meisten anderen Sehenswürdigkeiten etwas in der Gegend verstreut und zu denen einzeln Hinreisen mit Sack und Pack hatte ich auch nicht mehr wirklich Lust.
Busticket kaufen ist mit rudimentären Chinesischkenntnissen auch kein zu großes Problem weil hier der Busbahnhof nicht allzu groß ist. Ich bin dann noch etwas in der Stadt herumspaziert und die Atmosphäre aufgesaugt beziehungsweise diese unglaublich süßen Ananas gegessen! Herrlich.
Bei der Busfahrt zurück habe ich dann schließlich mehr Glück mit dem Bett gehabt.
Es gab natürlich wieder einen Film zum ansehen. Diesmal einen Chinesischen. „Kung Fu Chef“ wurde dieser genannt,ich schätze ein Hong Kong Film aus den 80ern und der Titel und der Inhalt muss eigentlich dafür gesorgt haben dass er in China zum Blockbuster wurde... denn es ging um Kung Fu sowie um Essen. Nein die Hauptakteure waren sogar Köche die Kung Fu konnten... bei dem riesigen Interesse das Chinesen am Essen und an dessen Zubereitung haben ist der Erfolg garantiert. Auf Nachfrage sagte auch meine Freundin dass sie den Film kannte...
Die Rückfahrt wurde außerdem davon gekenntzeichnet das wir 4 Mal von Polizei und Armee aufgehalten wurden. 3 Mal zur Ausweiskontrolle und einmal zur Gepäckskontrolle. Das habe ich hier noch nie erlebt. Die Beamten waren jedoch äußerst freundlich und überhaupt nicht ungut.
Die letzte Kontrolle war gegen 2 Uhr in der Nacht. Ich nützte dann die Gelegenheit schlaftrunken auszusteigen und durch die Nacht zu taumeln um zu pinkeln. Währenddessen störte mich dann ein Polizist und redete bestimmt und höflich aber unverständlich auf mich ein und zeigte in eine Richtung. Aber es kam schon ein Chinese aus dem Bus vorbei und sagte dann „You only follow me“. Erst als ich wieder eingestiegen war konnte ich mir zusammenreimen was passiert war. Ich hatte nämlich offenbar neben das Zelt der Soldaten gepinkelt. Der Polizist zeigte nur wo ich stattdessen hingehen sollte... aber da war ich ja schon fertig. Wie ich noch später bemerkte machte sich das angesammelte Karma durch diesen Vorfall schnell bemerkbar denn entweder auf dem Weg zum Zelt, zu dem Platz den der Polizist dann zuwies oder auf dem Weg zurück zum Bus stieg ich in eine Art Jauchepfütze... was dann dazu führte das ich versuchte meine Schuhe notdürftig zu reinigen und dann luftdicht in ein Sackerl zu verschließen.
In Kunming angekommen suchte ich mir dann ein Taxi das mich mit Taxometer heimbringen würde. Gar kein so leichter Unterfangen aber ich wusste nicht genau wieweit der Bahnhof von meiner Wohnung entfernt war. Im Taxi habe ich dann recht viel mit dem wiffen Taxler auf chinesisch reden können. Und wie immer verschätzten wir uns beide gewaltig beim raten des Alters des jeweils anderen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen