Für
mich hat sich jetzt ein Mysterium gelüftet warum Chinesen in der
Regel weniger trinken, beziehungsweise nicht allzu lange feiern
.Gestern waren wir in der „English Corner“. Das ist eigentlich
keine Corner sondern einfach nur eine Ansammlung an Menschen direkt
am Green Lake. Keine Ecke weit und breit. Dort stehen dann einfach
viele Leute herum. „Sinn“ der English Corner ist es dass sich
dort Ausländer treffen können. Das war aber irgendwie nur offiziell
ein Grund den man hören kann. Der eigentliche Sinn ist das dort
Chinesen hingehen um Englisch zu üben beziehungsweise Ausländern
treffen zu können. Manche Chinesinnen nützen den Ort auch um sich
Ausländer aufzureissen wie ich nicht nur gehört sondern auch
gesehen habe. Wir haben das gestern jedenfalls das erste Mal
ausprobiert. Kaum stehst du dort und siehst wie ein Ausländer aus
(dh: du bist weiß), stehen auch schon 5 Chinesen um dich herum und
stellen dir fragen. Woher du kommst, was du da machst, wie dein
Chinesisch denn schon so ist, sag mal was auf chinesisch. Ah, sehr
gut wie du die Töne sprichst. Ah aus Österreich kommst du.
Beautiful Country. Beautiful music. Das übliche halt, nur in
verdickter Form: Nicht nur ein Chinese der neugierig ist, und nicht
nur 4 Chinesen die dich anstarren, sondern viel viel mehr Chinesen
die das machen. Es bilden sich also um ein paar Ausländer die dort
sind dann Trauben von Chinesen. Das klingt vielleicht alles etwas
ungut. Aber es ist eigentlich ganz lustig. Chinesen sind ja auch
nicht ungut neugierig. Die die dort sind wollen ja wirklich etwas von
dir wissen und sind aufgeschlossen und interessiert und wollen sich nicht belustigen. Ich habe ein paar nette Gespräche
geführt, wieder ein wenig über China gelernt und wurde gleich für
nächste Woche in eine Schule eingeladen.
Ich habe zugesagt,
warum auch nicht?
Wir sind also ein paar Stunden dort
herumgestanden. Normalerweise holen sich dann ein paar Ausländer von
den Shops in der Nähe dann ein Bier, das haben wir aber dann doch
nicht gemacht. Schließlich sind wir dann in ein Taxi Richtung Heimat
gestiegen. Es war schon weit nach 23 Uhr. Doch Faith wollte doch noch
Wuzeln gehen. Obwohl es schon recht spät war und die Konversation
recht ermüdet und ich am Freitag um 8:00 Uni habe, aber ich kann ihr
schwer solche Wünsche ausschlagen. Wir sind also in unser
Lieblingscafe „Gemen“ gefahren. Das war aber zu unserer
Überraschung zugesperrt. Ich habe also dann den Kellner des Cafes,
Steven, angerufen. Der meinte dann, ja er hat das Cafe zugesperrt
und ist ins andere Cafe Gemen gefahren. Also sind wir dann dorthin.
Dort gibt es aber halt keinen Wuzler. Steven der Kellner unseres Vertrauens war schon angeheitert.
Er spielte mit seinen Freunden ein Trinkspiel mit Karten. Er fragte
dann ob wir mitspielen wollten.
Ich habe zugesagt. Warum auch
nicht?
Okay,
eigentlich hasse ich Trinkspiele aus mehreren Gründen, unter anderem
weil ich mich meistens bestens auch ohne Trinkspiele unterhalten kann
wenn ich fortgehe. Aber was solls. Es war das zweite Mal das ich da
mitspielen „durfte“. Das erste mal musste ich tatsächlich ein
wenig gezwungenermaßen weil ich und Faith einer ihrer Freundin bei
einem Quasi-Geschäftstreffen sekundieren mussten. Ja, es war
geschäftlich, aber in einer ziemlich für Westler zwielichtigen
aussehenden Bar und es gab wie gesagt ein Trinkspiel. Das war auch eine interessante Erfahrung, das
sprengt aber den Rahmen von diesem Eintrag.
Diesmal war es
immerhin freiwillig das ich mitgespielt habe.
Chinesische
Trinkspiele zeichnen sich dadurch aus dass man oft und schnell
verliert. Zur Strafe gibt es dann halbe, ganze oder mehrere Gläser
Bier. Wobei zwei Dinge dieses Faktum stark beeinflussen:
chinesisches
Bier.
und chinesische Gläser.
Chinesisches
Bier ist halt so eher Leichtbier wie man es aus Ländern ohne gute
Biertradition kennt. Das mag überraschen, ist doch das chinesische
TsingTao das man in anderen Ländern außerhalb Chinas bekommt doch
durchaus schmackhaft. Das für den Heimatmarkt ist aber nicht soooo
toll. Es ist vielleicht nicht so gut, aber es hat halt auch wenig
Alkohol, daher verträgt der Westler davon einiges. Das ist natürlich
für Trinkspiele von Vorteil.
Chinesische
Gläser sind auch so eine Sache. In China trinkt man Bier sehr häufig
aus 1/8 Liter Gläsern. Eventuell sind sie ein wenig größer. So
auch bei den Trinkspielen. Da in China ja auch der Tee traditionell
immer aus kleinen Schalen getrunken wurde vermute ich das sich das
auch für andere Getränke übertragen hat.
Wenn
man also eine Runde verliert ist es nicht allzu tragisch wenn man ein
Glas trinken muss. Aber wenn man ein gemeines Spiel spielt und man
Pech hat -und der andere noch dazu Glück- kann es aber dennoch dazu
führen das man 10 Gläser kippen muss. So passierte es mir beim
letzten Mal.
Das
Spiel war eigentlich so eine Art Black Jack. Das lustige ist die
Chinesen zu beobachten. Die sind nämlich so lustig schnell tilt. Und
du siehst es ihnen richtig an wenn sie betrunken sind. Ich persönlich
habe aus irgendeinem Grund bei vielen Leuten ein Problem
festzustellen ob jemand betrunken ist. Bei Westlern meine ich. Bei
Chinesen ist es leicht. Sie werden rot, auch die Augen können
rötlich werden. Und ihre Augen bekommen einen bestimmten Ausdruck.
Schon nach einer Flasche Leichtbier.
Beim
spielen ging es mit mir auch diesmal nicht so wirklich rund. Ich
fühlte mich ans lernen von Mahjongg erinnert:
Erst wurden mir die
Regeln erklärt und dann hatte ich das Gefühl das plötzlich immer
neue Regeln dazu kamen die dazu führten das ich verlor. Immerhin
wurde dann eine Regel neu hinzugefügt die bedeutete dass ich nicht
mehr trinken musste weil ich schon so oft hintereinander verloren
hatte... es ware jedenfalls so eine Art Black Jack. Irgendwann sind
wir dann aufgestanden und haben uns auf den Heimweg gemacht.
Jetzt
kommt endlich die Auflösung der Überschrift dieses Postings. So
mancher mag sich schon gefragt haben ob ich denn nicht eine
Themaverfehlung begangen habe mit dem Titel: Wo ist „Darwin“, wo
ist „warum Chinesen wenig trinken“?
Am nächsten Morgen
musste ich ja wie gesagt früh raus. Ich hatte zwar keinen Kater -ist
ja nur Leichtbier- aber ich war doch stark Übernächtig.
Mein
Weg zur Uni ist eigentlich sehr kurz, es gibt eigentlich nur eine
Straße zum Überqueren und vielleicht 3 Ausfahrten und dann eine
Nebenstraße zum Entlanggehen. Für chinesische Verhältnisse sehr
übersichtlich und geordnet. Dennoch habe ich es innerhalb von
eineinhalb Minuten geschafft doch zwei Verkehrsteilnehmer zum
Abbremsen beziehungsweise Vehikel-mal-schnell-woanders-hinsteuern zu
bringen. Der Verkehr in chinesischen Städten sind kein guter Ort
sich aufzuhalten wenn man nicht im Vollbesitz seiner gesamten
Aufmerksamkeit ist.
Das
hat mich zum nachdenken gebracht und mir jetzt auch eine Erklärung
geliefert warum nur wenige Chinesen trinken. Es hat etwas mit
natürlicher Auslese zu tun. Chinesen die zuviel trinken und daher
nicht auf den Verkehr achten können werden nicht sehr alt und
pflanzen sich daher auch nicht fort....
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