31.5.13

Warum Chinesen wegen Darwin kaum Alkohol trinken

Für mich hat sich jetzt ein Mysterium gelüftet warum Chinesen in der Regel weniger trinken, beziehungsweise nicht allzu lange feiern .Gestern waren wir in der „English Corner“. Das ist eigentlich keine Corner sondern einfach nur eine Ansammlung an Menschen direkt am Green Lake. Keine Ecke weit und breit. Dort stehen dann einfach viele Leute herum. „Sinn“ der English Corner ist es dass sich dort Ausländer treffen können. Das war aber irgendwie nur offiziell ein Grund den man hören kann. Der eigentliche Sinn ist das dort Chinesen hingehen um Englisch zu üben beziehungsweise Ausländern treffen zu können. Manche Chinesinnen nützen den Ort auch um sich Ausländer aufzureissen wie ich nicht nur gehört sondern auch gesehen habe. Wir haben das gestern jedenfalls das erste Mal ausprobiert. Kaum stehst du dort und siehst wie ein Ausländer aus (dh: du bist weiß), stehen auch schon 5 Chinesen um dich herum und stellen dir fragen. Woher du kommst, was du da machst, wie dein Chinesisch denn schon so ist, sag mal was auf chinesisch. Ah, sehr gut wie du die Töne sprichst. Ah aus Österreich kommst du. Beautiful Country. Beautiful music. Das übliche halt, nur in verdickter Form: Nicht nur ein Chinese der neugierig ist, und nicht nur 4 Chinesen die dich anstarren, sondern viel viel mehr Chinesen die das machen. Es bilden sich also um ein paar Ausländer die dort sind dann Trauben von Chinesen. Das klingt vielleicht alles etwas ungut. Aber es ist eigentlich ganz lustig. Chinesen sind ja auch nicht ungut neugierig. Die die dort sind wollen ja wirklich etwas von dir wissen und sind aufgeschlossen und interessiert und wollen sich nicht belustigen. Ich habe ein paar nette Gespräche geführt, wieder ein wenig über China gelernt und wurde gleich für nächste Woche in eine Schule eingeladen. 
Ich habe zugesagt, warum auch nicht?

Wir sind also ein paar Stunden dort herumgestanden. Normalerweise holen sich dann ein paar Ausländer von den Shops in der Nähe dann ein Bier, das haben wir aber dann doch nicht gemacht. Schließlich sind wir dann in ein Taxi Richtung Heimat gestiegen. Es war schon weit nach 23 Uhr. Doch Faith wollte doch noch Wuzeln gehen. Obwohl es schon recht spät war und die Konversation recht ermüdet und ich am Freitag um 8:00 Uni habe, aber ich kann ihr schwer solche Wünsche ausschlagen. Wir sind also in unser Lieblingscafe „Gemen“ gefahren. Das war aber zu unserer Überraschung zugesperrt. Ich habe also dann den Kellner des Cafes, Steven, angerufen. Der meinte dann, ja er hat das Cafe zugesperrt und ist ins andere Cafe Gemen gefahren. Also sind wir dann dorthin. Dort gibt es aber halt keinen Wuzler. Steven der Kellner unseres Vertrauens war schon angeheitert. Er spielte mit seinen Freunden ein Trinkspiel mit Karten. Er fragte dann ob wir mitspielen wollten.
Ich habe zugesagt. Warum auch nicht?




Okay, eigentlich hasse ich Trinkspiele aus mehreren Gründen, unter anderem weil ich mich meistens bestens auch ohne Trinkspiele unterhalten kann wenn ich fortgehe. Aber was solls. Es war das zweite Mal das ich da mitspielen „durfte“. Das erste mal musste ich tatsächlich ein wenig gezwungenermaßen weil ich und Faith einer ihrer Freundin bei einem Quasi-Geschäftstreffen sekundieren mussten. Ja, es war geschäftlich, aber in einer ziemlich für Westler zwielichtigen aussehenden Bar und es gab wie gesagt ein Trinkspiel. Das war auch eine interessante Erfahrung, das sprengt aber den Rahmen von diesem Eintrag.
Diesmal war es immerhin freiwillig das ich mitgespielt habe.




Chinesische Trinkspiele zeichnen sich dadurch aus dass man oft und schnell verliert. Zur Strafe gibt es dann halbe, ganze oder mehrere Gläser Bier. Wobei zwei Dinge dieses Faktum stark beeinflussen:
chinesisches Bier.
und chinesische Gläser.

Chinesisches Bier ist halt so eher Leichtbier wie man es aus Ländern ohne gute Biertradition kennt. Das mag überraschen, ist doch das chinesische TsingTao das man in anderen Ländern außerhalb Chinas bekommt doch durchaus schmackhaft. Das für den Heimatmarkt ist aber nicht soooo toll. Es ist vielleicht nicht so gut, aber es hat halt auch wenig Alkohol, daher verträgt der Westler davon einiges. Das ist natürlich für Trinkspiele von Vorteil.
Chinesische Gläser sind auch so eine Sache. In China trinkt man Bier sehr häufig aus 1/8 Liter Gläsern. Eventuell sind sie ein wenig größer. So auch bei den Trinkspielen. Da in China ja auch der Tee traditionell immer aus kleinen Schalen getrunken wurde vermute ich das sich das auch für andere Getränke übertragen hat.
Wenn man also eine Runde verliert ist es nicht allzu tragisch wenn man ein Glas trinken muss. Aber wenn man ein gemeines Spiel spielt und man Pech hat -und der andere noch dazu Glück- kann es aber dennoch dazu führen das man 10 Gläser kippen muss. So passierte es mir beim letzten Mal.



Das Spiel war eigentlich so eine Art Black Jack. Das lustige ist die Chinesen zu beobachten. Die sind nämlich so lustig schnell tilt. Und du siehst es ihnen richtig an wenn sie betrunken sind. Ich persönlich habe aus irgendeinem Grund bei vielen Leuten ein Problem festzustellen ob jemand betrunken ist. Bei Westlern meine ich. Bei Chinesen ist es leicht. Sie werden rot, auch die Augen können rötlich werden. Und ihre Augen bekommen einen bestimmten Ausdruck. Schon nach einer Flasche Leichtbier.
Beim spielen ging es mit mir auch diesmal nicht so wirklich rund. Ich fühlte mich ans lernen von Mahjongg erinnert:
Erst wurden mir die Regeln erklärt und dann hatte ich das Gefühl das plötzlich immer neue Regeln dazu kamen die dazu führten das ich verlor. Immerhin wurde dann eine Regel neu hinzugefügt die bedeutete dass ich nicht mehr trinken musste weil ich schon so oft hintereinander verloren hatte... es ware jedenfalls so eine Art Black Jack. Irgendwann sind wir dann aufgestanden und haben uns auf den Heimweg gemacht.

Jetzt kommt endlich die Auflösung der Überschrift dieses Postings. So mancher mag sich schon gefragt haben ob ich denn nicht eine Themaverfehlung begangen habe mit dem Titel: Wo ist „Darwin“, wo ist „warum Chinesen wenig trinken“?
Am nächsten Morgen musste ich ja wie gesagt früh raus. Ich hatte zwar keinen Kater -ist ja nur Leichtbier- aber ich war doch stark Übernächtig.
Mein Weg zur Uni ist eigentlich sehr kurz, es gibt eigentlich nur eine Straße zum Überqueren und vielleicht 3 Ausfahrten und dann eine Nebenstraße zum Entlanggehen. Für chinesische Verhältnisse sehr übersichtlich und geordnet. Dennoch habe ich es innerhalb von eineinhalb Minuten geschafft doch zwei Verkehrsteilnehmer zum Abbremsen beziehungsweise Vehikel-mal-schnell-woanders-hinsteuern zu bringen. Der Verkehr in chinesischen Städten sind kein guter Ort sich aufzuhalten wenn man nicht im Vollbesitz seiner gesamten Aufmerksamkeit ist.

Das hat mich zum nachdenken gebracht und mir jetzt auch eine Erklärung geliefert warum nur wenige Chinesen trinken. Es hat etwas mit natürlicher Auslese zu tun. Chinesen die zuviel trinken und daher nicht auf den Verkehr achten können werden nicht sehr alt und pflanzen sich daher auch nicht fort....




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