16.5.13

Der Kampf mit... an mehreren Fronten


Erst vor ein paar Tagen hatte ich einen Videochat mit meinen Eltern. Diese Gespräche finde ich immer sehr angenehm, nicht nur weil ich mir freue meine Eltern zu sehen und weil ich natürlich daheim vermisse. Nein, auch weil ich dann eine kurze Zeit habe wo ich zu fast 100% verstanden werde. Akkustisch sowie semantisch. Trotz Delay im Video Chat.... 
In dem letzten Video Chat jedenfalls fragte mich meine Mutter ob mein Darm eigentlich noch Probleme mit dem Essen hier hätte. Neinein, sagte ich. Schon längst dran gewöhnt. Kein Problem.
Tja, da habe ich mich weit aus dem Fenster gelehnt. Meine Freundin würde sagen „...boasting!“. Denn was vor Kurzem folgte war gar nicht lustig.

Ich weiß nicht einmal was das „Problemessen“ war.
Zur Auswahl stehen: Milk-Tea, ein vegetarisches superscharfes Gericht (das aber hauptsächlich Faith gegessen hat) oder ein frittierter Bananensnack der auch ein Ei enthält. Ich tippe auf letzteres.

Obiges habe ich am frühen Abend und zum Abendessen konsumiert. In der Früh musste ich dann zwar zwei Mal aufs Klo, aber dann bin ich normal zur Uni. Ein paar Stunden später war ich wieder zurück und habe gleich wieder das stille Örtchen besucht. Auf der Uni habe ich mich schon schwächlich gefühlt und beim Heimgehen war mir dann schon etwas übel. Es war Mittagszeit und als ich auf dem Heimweg den unausweichlichen Duft von chinesischem Essen in meiner Nase vernahm -scharf, penetrant, ölig- wurde mir verdammt schlecht. Es half auch nicht wirklich dass Faith schon gekocht hatte. Natürlich auch chinesisch mit viel Öl. Und auch nicht dass man wenn die Nachbarwohnungen kochen das genauso riecht. Dann kamen noch Magenkrämpfe dazu und ein unwiderstehlicher Brechreiz. Die nächsten Stunden verbrachte ich dann im Schlafzimmer eingesperrt... denn dort ist der Küchengeruch am wenigsten zu vernehmen. Irgendwie erinnerte mich das an die erste Schwangerschaftszeit meiner Schwester die auch kein Essen riechen konnte. Ich konnte das zu dem Zeitpunkt gut nachvollziehen... meine Freundin wusste nicht recht einzuschätzen wie es mir ging. Denn mehrmals bot sie mir dennoch das essen an „Please... I told you I cannot even smell food at the moment“. Als ich dann eine Stunde später KO im Bett lag in stabiler Seitenlage da so der Magen am wenigsten schmerzte nutzte sie noch die Gelegenheit mich ein wenig zu pflanzen und Scherze zu machen. Ich war ja auch nicht wirklich in der Lage paroli zu bieten... dafür wurde sie dann in der Nacht umso panischer.... aber erst war ich froh ihr vorschlagen zu können dass sie doch Volleyball spielen gehen sollte... denn erst wollte sie mir die Zeit mit plaudern vertreiben aber zu Konversation war ich nicht wirklich in der Lage also war es dann gut als sie ging. Noch schnell meine Professorin angerufen das ich heute nicht am Unterricht teilnehmen würde und dann wieder zurück zum elend fühlen... Meine Stimmung und Lage wurde auch nicht bedeutend besser als plötzlich das Wasser in der Wohnung versiegte... das war schon einmal passiert, aber da war das nicht so schlimm. Aber wenn man Durchfall hat...? Mir schwante Übles als ich mich also wieder zurück ins Bett begab. Un...unangenehme Szenarien spielten sich in meinem Kopf ab, ich hatte ja sonst nichts anderes zu tun außer mich elend zu fühlen. Eine Stunde später war das Wasser gottseidank wieder da. Dennoch... einfach so ohne Vorwarnung das Wasser abdrehen? Einmal gab es eine Vorwarnung, ein paar Stunden vorher hing ein Zettel in den Liften... aber dieses mal und das Mal davor gab es nichts. Wenn ich überlege was es da für einen Aufstand in manchen Häusern in Wien geben würde... und wie ich mich damals unangenehm gefühlt habe als wir für eine knappe Minute beim Renovieren meiner Wohnung das Wasser in... 4? anderen Wohnungen abgedreht haben. Na, China ist anders. Wie Faith zu abgedrehtem Wasser später sagte "Felix, if you cannot change it, try to enjoy it." Naja... sich einfach so hinzustellen, oder hinzulegen dann an das abgedrehte Wasser zu denken und sich zu sagen "Aaaaah! Ich genieße das abgedrehte Wasser!"... hm, da muss ich offensichtlich noch ziemlich üben.
Als meine Freundin schließlich zurück kam bat ich sie dann mir zum Abendessen einfach eine Schüssel Reis zu machen -immerhin bin ich in China! Sie meinte zwar erst ich soll nicht gleich wieder ins Bett gehen, weil es wäre nicht gut den ganzen Tag im Bett zu verbringen... ich bin aber dann schließlich doch gegangen. Vor allem weil ich fühlte das ich Fieber bekommen hatte. Als sie sich dann auch schlafen legte und bemerkte wie heiß ich war war es mit meinem Frieden wieder vorbei... daweil hatte ich schon fast geschlafen... und meinte wir sollten ins Spital. Sie fragte nochmal meine Symptome ab und rief auch bei einer Hotline an. Wir beide hatten natürlich -so unwahrscheinlich das auch ist- an die Vogelgrippe gedacht. Hey, damit würde ich ins Fernsehen kommen und berühmt werden. Als erster Vogelgrippefall in Yunnan und dann noch als Ausländer und sicher als erster Österreicher! Ich könnte meine Story exklusiv nach Österreich verkaufen. Ich schwankte schon die Story meiner befreundeten Journalistin exklusiv zu schenken oder sie doch dem ORF zu schenken unter der Bedingung die ganzen letzten Falschmeldungen über China öffentlich zu revidieren... Aber der Reihe nach, erst musste ich ja meine Freundin beruhigen die mit mich ja ernsthaft einfach auf Verdacht in ein chinesisches Krankenhaus schleppen wollte....

Nach längerer Diskussion einigten wir uns dann darauf dass wir erst meine Temperatur messen würden und danach entscheiden würden ob Spital oder nicht. Stellt sich heraus dass es in China keine Nachtapotheken gibt... wo aber sonst ein Thermometer kaufen? Laut späterer Aussage meiner Freundin hatte sie selbst im Leben erst einmal Fieber, daher war sie sehr alarmiert. Faith machte sich dennoch auf den Weg eine Apotheke zu finden. Und das ist schließlich China, daher fand sie dann auch eine Apotheke die dennoch noch offen hatte.
Als sie wieder zurück war musste ich mich dann erstmal wieder konzentrieren anstatt mich auszuruhen. Schließlich war sie beruhigt, ja schon Fieber, aber nichts beunruhigendes. Gefallen hat mir das in der Anleitung des Fieberthermometers stand man soll so ungefähr ein halbes Grad dazurechnen.... am nächsten Tag in der Früh jedenfalls ging es mir schon wieder recht gut. Ich habe noch leichte/stopfende Kost gegessen und habe den Unterricht sausen lassen.
Soviel jedenfalls zu „Ach mein Magen hat sich schon voll an das Essen hier gewöhnt, überhaupt kein Problem!“. Heute war das Wasser auch wieder weg... als ich gerade das Geschirr abwusch. Auch eher uncool! Wie ich aber jetzt aus Erfahrung weiß gibt es um einiges schlimmere Situationen!

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