26.5.13

Eine kranke Freundin – Einblick in das chinesische Gesundheitswesen



Krankheiten werden hier sehr anders gehandhabt als in Österreich. Faith wurde also vor ein paar Tagen krank. Volle Nase, tränende Augen... meinte sie fühle sich sehr schlecht und sie sei sehr krank. Normalerweise würde sie nie krank werden, und sie fühle sich sehr schlecht. Okay, darauf kann man sich ja einstellen als sorgsamer Freund. Aber es ist dann schon komisch wenn sie meint: Bettruhe? Wozu? Zu lange im Bett ist ungesund. Auch Volleyball spielen gehen konnte sie. Gerade einmal dass sie gegen halb 11 sich endlich ins Bett legt, dazu konnte ich sie noch überreden. Weiters wollte sie nicht das ich koche, sondern wir sollten auswärts essen gehen. Auch nicht sehr in der Nähe von unserer Wohnung sondern weiter weg. Nach dem Essen dort wollte sie jedoch 20 Minuten dort noch schlafen weil sie zu müde war, auch eine Strecke von zusätzlich 100m um einen besseren Platz für ein Taxi zu finden war nicht wirklich drinnen.
Das passt für einen Westler dann nicht ganz zusammen alles. Dann wird einen plötzlich schnell vorgeworfen dass man sich nicht genug kümmert.Und das es ihr sehr schlecht geht. Andererseits geht es nicht zu schlecht um sich nicht leidenschaftlich und lange bitter darüber zu beschweren und zu diskutieren wie wenig und schlecht man sich kümmert. Und das ich nicht glauben würde sie sei krank. Dafür ist jedenfalls Energie da, und dann noch dazu... Sport ist okay? Passt alles nicht zusammen, hab ich das schon gesagt.... und wie es der Zufall will, beginnt sie gerade zu singen als ich diese Zeilen schreibe.
Faith meinte schließlich sie wolle dann in eine Apotheke gehen, ich beteuerte sie solle mir sagen was sie will und sich ausruhen, aber das hat nicht funktioniert. Schließlich sind wir dann losgegangen und wie sich herausstellte sind wir dann nicht wirklich in eine „Pharmacy“, sondern das aufgesuchte Gebäude war eine Klinik. Kein Spital, sondern etwas sehr kleines. 5 Betten, und meist jeweils 1-2 Ärzte und eine Krankenschwester. Direkt am Eingang sitzen die Kittelmänner und Frauen. Ein paar Regale voll mit Medikamenten und dann gleich dahinter die 5 Betten: im selben großen Raum. Die Chinesen hier in der Klinik verfolgen eine My-Door-Is-Always-Open policy. Das heißt wenn einem fad wird kann man immer dem Straßen- und Baulärm zuhören. Und den Alarmanlagen, gut das gerade eine losgegangen ist um mich zu erinnern. Dasselbe gilt natürlich auch für die Luft. Weiter hinten sind dann noch 2 weitere Räume mit medizinischem Equipment und Medikamenten. Es gibt noch eine Treppe nach oben, aber ich weiß nicht was dort ist.
Von diesen Kliniken gibt es hier einige. Faith wollte auch keine Medizin kaufen sondern setzte sich gleich zu einem der Ärzte. Nach wirklich ausgiebiger Untersuchung gab es eine Spritze und 3 Flaschen mit -ich denke mal- Salzwasser intravenös. Dafür legte sie sich ins Bett. Heute ist der 3. Tag an dem wir in die Klinik tingeln, jeden Tag eine Spritze und 3 solcher Flaschen. Sie scheint einen Trend ausgelöst zu haben, am ersten Tag waren wir alleine, am 2. war noch ein weiterer Typ da und heute sind es 3. Heute ist der letzte Tag an dem wir kommen sollen.
Ich habe bis jetzt nicht aus ihr herausgekriegt was die Spritze ist, es klang von den Beschreibungen irgendwie nach Antibotika, aber nur für 3 Tage....?
Ich habe jedenfalls dann gleich den Arzt gefragt ob sie denn dann nicht lieber im Bett bleiben soll und Sport zu vermeiden wäre. Nein, wozu? Die ganze Zeit im Bett sei nicht gut. Aber nichts Scharfes und nicht zu ölig essen, das wäre wichtig. Na dann....
Ich muss auch zugeben, wie sie gerade angefangen hat zu singen... sie liegt gerade im Bett, kriegt gerade die letzte Flasche intravenös und verschneuzt eine Taschentuch nach dem anderen. Also natürlich ist sie wirklich krank. Wie üblich in China haben wir die Taschentücher selbst mitgebracht. Ich sitze ihr gegenüber im Bett mit dem Laptop. Das stört die Ärzte hier nicht. Ich frage mich auch ob sie die Bettwäsche wechseln sobald einer der „Laufpatienten“ so wie Faith einer ist das Bett wieder verlässt. Ich frage gerade Faith, sie sagt nein. Jedenfalls klingt sie schon sehr nasal und in der Nacht war es recht hart da sie nicht durch die Nase atmen konnte und die Luft hier ja sehr trocken ist.
Also was hat sie?
An einem Punkt haben sich die Erklärungen auch irgendwie wie eine Allergie angehört die ausbricht wenn sie nicht gesund ist. Wie so oft weiß ich einfach nicht wirklich was genau passiert, nicht das ich mich nicht schon daran gewöhnt hätte.
Wirklich besser wurde es durch die Spritzen bisher nicht. Jedenfalls wird viel heisses Wasser getrunken und Faith verweigert sich von mir eine Suppe machen zu lassen.
Diese Kliniken scheinen jedenfalls die normalen Arztpraxen bei uns zu ersetzen. So etwas gibt es hier in der Form offensichtlich nicht. Ärzte findet man meist in Kliniken. Es gibt welche vom Staat und auch private. Diese hier ist staatlich. Nach der Untersuchung bezahlte Faith für die verschriebenen Pillen und die Injektionen 300 Yuan. Das sind ca 34€.Faith ist zwar versichert, aber nur unfallversichert. Und das nur weil sie sonst die Zulassung als Tour Guide nicht bekommen würde, sonst hätte sie sich nicht versichert. Ich bin angeblich auch gegen Krankheit versichert in meiner Uni. Meine (technische(!)) Universität hat auch ein eigenes riesiges Krankenhaus wie ich schon herausgefunden habe. Das steht nicht neben dem riesigen modernen Hotel das auch der Uni gehört(e), aber das ist ja auch nicht so wichtig ;)
Es gibt auch nicht versicherte Leute. Angestellte von großen Firmen und Staatsangestellte (Lehrer und Beamte) sind jedoch Kranken- und Unfallversichert.
Obige Infos sind natürlich teilweise mit Vorsicht zu geniessen, da kann natürlich auch einiges in den Übersetzungen und Gesprächen verloren oder verdreht worden sein. 
Ich habe übrigens 3 Fotos von der Klinik auf mein Picasa hochgeladen wen es interessiert!

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