8.6.13

Endlich besser kochen!

Heute war ein guter Tag. Erstens weil ich endlich wieder ein wenig gesünder bin: die letzten Tage war ich ziemlich krank. So krank das ich nicht auf die Uni gehen konnte. So krank dass leider auch aus meinem Job als Kolumbianer bei der South Asian Expo nichts geworden ist. Die ist also heute ohne mich eröffnet worden. Zumindest Faith arbeitet wie geplant dort. Zwar für ein Butterbrot, da sie nicht wirklich gefragt hat wieviel sie verdienen würde bevor sie angefangen hatte, aber immerhin arbeitet sie bei der Expo. Es gibt auch Freiwillige die dort für nichts arbeiten, also immerhin. Wie geplant im indischen Pavillion, heute bekam sie sogar ein indisches Kostüm, aber das Foto davon habe ich noch nicht gesehen. Was mich aber erschüttert hat war wie sie gemeint hat „I have the feeling Indian people are really impolite“. Da nach unseren Maßstäben ja bei uns Chinesen als unhöflich gelten, frage ich mich wie da die Inder sind... ihre dann gebrachten Erfahrungen konnten aber ihre Sichtweise auch für mich etwas bestätigen.
Immerhin war ich heute schon wieder so bei Kräften das ich beschloss am Nachmittag in mein Lieblingscafe zu fahren. Auf dem Weg war ich zwar anscheinend noch so wenig bei Kräften dass eine chinesische Freundin die ich traf sagte „You should go to the doctor!“ aber was weiß die schon. Meine Lunge und mein Husten und meine Stimme hörten sich bezaubernd an im Vergleich zu noch vorgestern! Außerdem... zum Arzt in die Klinik gehen? Der gibt mir ja dann gleich ein paar Spritzen und legt mich für eine Stunde in so ein komisches Bett... nein, ich bin sowieso ein männlicher Weißer zwischen 19-59 und daher unverwundbar und muss ergo auch nicht zum Arzt gehen!
Ich Cafe Gemen angekommen begann ich dann mit Steven unsere Revanche-Partie von „Twilight Struggle“. Wer ist Steven? Ich hatte ihn schonmal erwähnt. Er ist mein Lieblingskellner im Cafe Gemen und mittlerweile auch guter Freund. Nicht nur das, wie sich heute herausstellte ist er seit 2 Monaten auch 50%iger Besitzer des Cafes Gemen. Soviel zu ihm. Aber was ist „Twilight Struggle“? Das ist ein Brettspiel das ca. 4 Stunden dauert bei dem 2 Personen den Kalten Krieg nachspielen. Spielfeld ist die Welt. Ich kannte das Spiel nicht bis Steven es mir vorgestellt hat, für den es eines seiner Lieblingsspiele ist. Bei meinem ersten Spiel habe ich ihn gleich nach 1,5 Stunden weggeputzt gehabt und ihm auch noch ein paar Regeln ausgebessert. Als „Meticulous European“ wie Faith mich oft gerne nennt habe ich mir vorher das Spiel ausgeborgt gehabt, und für einen Nachmittag und einen Abend bis Mitternacht die Regeln studiert und dann ein Probespiel gegen mich selbst angefangen. Daher wusste ich ziemlich genau wie das ganze funktioniert und die 12 A4-Seiten Regeln und die 14-seitige Reportage eines Probespiels die danach in der Anleitung standen kannte ich flüssig. Das „Twilight Struggle“-spielen mit Steven ist auch insofern amüsant weil er parallel zu den englischen Spielkarten die wir verwenden die jeweiligen Karten der chinesischen Ausgabe hat, da die Anweisungen recht komplex sind und er keinen Fehler machen will.
Bevor ich zu Gemen gefahren bin habe ich ihn wohlweislich angerufen und gefragt ob er genug Zeit hat das wir die Revanchepartie Twilight Struggle spielen könnten.
Er meinte ja.
Unglücklicherweise war mein Kopf von der Krankheit noch zu benebelt um in Betracht zu ziehen dass er die Frage vielleicht nicht richtig verstanden hatte und nach gutem alten chinesischen Brauch einfach „Ja“ geantwortet haben könnte.
In Gemen angekommen waren wir dann erst in Runde 3 von 10 als er ein paar Anrufe bekam und meinte er kann jetzt nicht weiterspielen weil er müsse jetzt wegen der Arbeit weg, ob ich hierbleiben wolle oder mitkommen. Neugierig auf etwas neues bin ich dann mitgegangen. Herauszubekommen was genau passiert war wieder einmal schwierig, ich bin schon gewohnt mich überraschen zu lassen. Wir sind dann von seinem Vater abgeholt worden. Wie ich verstand ging es darum einen Tisch und einen Fernseher zu transportieren aber nichts zu schweres. An meine Gesundheit denkend war ich mir dann schon nicht mehr so sicher ob ich am richtigen Platz war aber es war zu spät. Außerdem... ein Tisch und ein Fenrseher? „A TV? A flatscreen?“ „Yeah!“ „Okay, well thats really not heavy“. Erst haben wir dann Auto gewechselt gegen einen Van. Beim fahren und schon auf meinem Weg zu Gemen bemerkte ich eines: Kunming ist VOLL von Polizisten. Und wenn ich sage voll dann MEINE ICH VOLL. Die stehen an jeder großen Kreuzung zu 4rt. An vielen großen Straße in Sichtweite zueinander. Auf den Brücken über die Kreuzungen. Dort daher erstmals angenehm keine Krimskramsverkäufer durch die und deren Waren du dich durchschlängeln musst. Dann nach dem Auto wechseln ging es zu Stevens alter Wohnung. Okay eingerichtet, gute Raumaufteilung, schockierende Küche: Diese ist in so einem „herausstehenden“ Balkon gebaut. Arbeitsfläche ist praktisch die vom Boden zur Wand dann zur Arbeitsplatte durchgängig verlegten Fließen. Das schwere Plastikrohr zum Gasanschluss zu den Kochplatten hängt durch die Luft. Aber das ist China. Wir haben dann ein wenig zusammengepackt. Bücher, DVDs, Fernseher... ah der Fernseher ist natürlich kein Flatscreen, aber wir sind im Erdgeschoss. Dann machte mir Steven ein tolles Geschenk. Einen tragbaren Elektroofen. Einen Ofen! Gesegnete westliche Zivilisation! Ich kann Dinge warmhalten! Und Buritos mit Käse überbacken! Ich kann Pizza backen! Und Kuchen! Und Brot! Naja, okay, ich backe eigentlich keine Kuchen. Und ich kann auch kein Brot backen bis jetzt. Und einen fertigen Pizzateig kriege ich hier auch nicht. Aber hey! Steven hat mir versprochen mir in Gemen zu zeigen wie man Pizzateig herstellt. Okay, ich könnte das natürlich auch übers Internet rausfinden, aber es ist doch viel cooler das in einem französischen Cafe in Kunming von einem Chinesen gezeigt zu bekommen nmmm? Jedenfalls ein sehr cooles Geschenk. Außerdem bekam ich eine alte 26cm Pfanne, was bedeutet dass ich mich in zukunft nicht mehr so oft am Wok verbrennen muss wenn ich meine Gerichte mache. Und dann habe ich noch ein Bild bekommen.
Dann haben wir das Auto mit den Sachen eingeräumt und sind wieder zum Cafe gefahren. Der Fernseher war verdammt schwer, besonders wenn man nicht ganz Gesund ist, aber aus der Sache kommt man dann ja auch nicht mehr raus wenn man mal zugesagt hat.... nicht dass ich genau wusste wozu. Zurück im Cafe also, das Zeug teilweise ins Cafe, den Rest transportierte dann Stevens Vater irgendwo hin. Endlich konnten wir weiterspielen, aber auch nicht wirklich lange. Meine Freundin kam schließlich von der Arbeit auf der Expo, und wir sind dann mit Steven zu „Sam“ einem Pakistani der an dem Abend indisch kochen wollte. Viele Laowais würden kommen. Für die er kochen wollte. So auch für uns. Das war so was gruppendynamisches. Am Anfang wollten wir einfach nur miteinander Abendessen, dann wurde es ein Essen bei Sam. Den Faith und ich bisher eigentlich noch nicht gekannt haben. Wir haben unser Spiel also schließlich eingefroren und sind dorthin. Faiths und mein Plan war jedoch nicht lange zu bleiben. Sie musste noch -auf den letzten Drücker- irgendwelche Dokumente für die Guidezertifizierung fertigstellen und ich bin ja noch ein wenig krank. Wir trafen auf dem Weg dann noch 2 weitere Personen bevor wir endgültig die Wohnung hinauf sind. Eine der beiden Personen kannte ich noch nicht. Wir haben dann ein interessantes wo-kommst-du-her Spiel gespielt. Ich habe sein israelisch dann schneller erkannt als er erraten konnte dass ich als deutschsprechender aus Österreich kommen kann.
Normalerweise, wenn Leute schließlich erfahren dass ich aus Österreich-Wien komme bekomme ich Sätze wie:
Ah, Austria - beautiful country!
Ah, Austria – Sound of music! You know?
Ah Vienna, Music city!
Ah Vienna, I have been there once! Liked it very much!
Ah Australia!

Sowas oder so ähnlich bin ich gewohnt. Aber folgender erster Satz war für mich neu.
Oh, you come from Vienna? I took my first MDMA there on the danube! Interesting experience!

Wir hatten uns gerade kennengelernt und sein Akzent war für mich ungewohnt und dann durch noch so einen ungewohnten Satz habe ich erst ja versucht mir zusammenzureimen was er da gesagt hatte, denn ich hatte ihn doch sicher nicht richtig verstanden. Aber nein, das hatte er schon gemeint.
Das essen war dann nett, aber die kleine Wohnung war wirklich gerammelt voll mit größtenteils Ausländern. Und wir mussten ja früh gehen. Also haben wir uns dann verabschiedet und dann ging es heimwärts um uns schließlich von einem aufregendem Tag auszuruhen.

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