7.6.13
Die South Asian Expo
Heute bin ich erstmals wieder auf die Uni. Einige Überraschungen warteten auf mich. Denn wir hatten plötzlich einen neuen Mitstudierenden. Einen Deutschen. Der mit einer Chinesin verheiratet ist. Der aber außerdem nur 2 Wochen in Kunming ist und für die Zeit einen Studentenausweis bekommen hat. Innerhalb eines Tages. Der in den letzten Tagen in denen er schon studierte keinen einzigen anderen Mitstudenten kennengelernt hat da keiner da war. Also viel erstaunliches. Vor allem das mit dem Studentenausweis in einem Tag... wielange hat meiner gebraucht... 1,5 Monate? Leos gar ZWEI!? Und der gleich ein wenig deutschen Fleiß und Gründlichkeit in den Unterricht gebracht hat. Das ist motivierend.
Die nächste Überraschung für mich war auch für ihn überraschend: Montag und Dienstag ist Feiertag. Und Mittwoch. Weil es ist Dragon Boat Festival. Ich wusste von dem Festival aber ich wusste nicht dass da auch frei ist. Das bedeutete auch das sich das Studium meines deutschen Kollegen Sebastian von 13 Tage auf 10 runterkürzte. Was aber wieder nicht ganz stimmt weil ganz chinesisch Montag und Dienstag nachgeholt werden und zwar an dem Wochenende. Das ist insofern ungut, weil ich ja auf die South Asian Expo gehen wollte und mir das was vom Tag nimmt.
Nach dem Unterricht habe ich mich mit Faith getroffen und wir sind gemeinsam zur Expo gefahren. Kaum nahe dem Gelände angekommen wurde ich schon gebeten ein Foto mit einem Chinesen dort zu machen. Kein Problem, das passiert manchmal. Lächeln, Knips und vorbei. An dem Tag sollten noch 4 andere Chinesen ein Foto von mir haben wollen. Der erste Chinese war aber in mehrfacher Hinsicht interessant. Einerseits war er locker 1,90m groß. Zweitens hatte er blondierte Haare mit einer Mähne und auch sein Outfit passte nicht nach China. Eher nach Harlem NY. Von den Cuts und aufgeschundener Haut ganz zu schweigen. Vielleicht wichtigstes Accessoire: Eine Ali-G Sonnenbrille! Außerdem sprach er gutes englisch, wenn auch mit grauenhaftem Akzent. Das spannendste war dann als ich verstand was er noch von mir wollte. Ob ich denn Leute kennen würde, oder Leute die jemand kennen würden die eine multikulturelle Gesellschaft ablehnen würden. Er würde mit diesen gerne sprechen. Wurde ich auch noch nie gefragt. Nach dieser interessanten Begegnung wandten wir uns schließlich wieder unserem eigentlichem Plan zu: der Expo.
Ursprünglicher Plan: sie flaniert mit mir ein paar Stunden herum bevor sie wieder bei den Indern zu arbeiten beginnt. Wir hatten aber nicht mit den Unmengen an Leuten beim Eingang gerechnet... naja, hatten wir eigentlich irgendwie schon. Aber vielleicht nicht wahrhaben wollen. Wir wollten uns dann mit unseren Connections von drinnen Namenschilder geben lassen mit denen wir die Schlange und die Entrance Fee umgehen können. Das Gerücht das Ausländer gratis reinkommen hat nämlich nicht gestimmt. Leider war das Handy in der Nähe der Expo äußerst unzuverlässig und als wir schließlich durchkamen waren auch unsere Connections in der Expo äußerst unzuverlässig.
Die meisten der Namenschilder haben nämlich leider auch ein Foto. Das ist für Chinesinnen kein Problem, Faith würde einfach von einer anderen Chinesin drinnen ein Schild nehmen, den Eingangskräften ist sowas egal: die Chinesinnen schauen ja alle gleich aus.... ERNSTHAFT, dieses Vorgehen funktioniert hier, nicht nur bei Expos sondern auch bei Prüfungen....! Soweit so gut. Aber Faith wollte von ihrem indischen Freund nicht nur eine Eintrittskarte für sich sondern auch für mich... seine Antwort darauf war dann so etwa „well, the problem is we dont really have that sort of people...“
2,7 Stunden nach Ende meiner Vorlesung war ich also dann noch immer nicht drinnen, dafür aber schließlich doch in der Schlange für eine Eintrittskarte. Das hatte sich dann auch deswegen angeboten weil wir schon in einem Bereich weiter vorne waren und die MASSEN an Polizisten die Schlange an einer gewissen Stelle kappten und die anderen Leute offenbar nach Hause schickten. Daher konnten wir dann noch eine Weile gemützlich sitzen bis die Schlange nicht mehr allzu lange war.
Okay, endlich drinnen. Hooray! Was einmal auffällt ist das da nicht nur asiatische Länder sind. Oder gar nur South Asian Länder. Die Liste war länger. Natürlich nicht nur Pakistan, Indien, Laos, Vietnam, Cambodgia oder Thailand. Wir hatten auch Afghanistan, Taiwan (das ja eigentlich laut VR-China Diktion ja kein eigenes Land ist) und auch zB Iran. Die Expo ist eine Mischung aus B2B und Verkaufen-wir-Kleinkram.
Weil es schon recht spät war musste Faith bald arbeiten und bin ich recht schnell alleine losgezogen.
So ganz genau mit den Ländern haben sie es eh nicht genommen, wie gesagt gab es einen Bereich zB für Taiwan. Aber auch einen für Macao und einen für Hong Kong. Beides ja Sonderwirtschaftszonen in China, so gesehen okay. Außerdem hatten einige der Provinzen eigene Bereiche. In denen wurde vor allem Essen verkauft.
An westlichen Ländern gab es nicht viel. Ein paar Australien Stände die vor allem Wein verkauften. Provokant fand ich bei einem Australienstand direkt neben dem Namen „Australia“ eine Weinwerbung mit Rot-Weiß-Roter Schärpe gleich daneben...
Weiters gab es sogar einen italien-Stand: der verkaufte Eis. Mit deutschen Werbeplakaten dahinter.
An dem einen französischen Stand gab es Schmuck, auf den die Chinesen ja wie irre stehen.
Dann gab es auch noch Stände aus dem nahen Osten. Ein Stand für die Türkei mit vor allem Lederjacken. Es gab auch einen Israelstand. Der war aber interessanterweise geschlossen. Ich habe dann hinter den „Vorhang“ gespickt und dahinter sah es aus wie nach einem Bombenanschlag...
Es gab auch einige Iran-Stände. Da aber die EU ja einige Embargos gegen den Iran laufen hat und ich ja EU Bürger bin habe ich natürlich am Embargo mitgewirkt und nichts gekauft sondern mich demonstrativ vor die Iranstände gestellt und moralisch überlegen weggeschaut.
Alles in Allem kann man also sagen dass vor allem die Länder vertreten waren von denen ich mir vorstellen kann dass China ein größeres strategisches Interesse hat die Beziehungen zu vertiefen.
So gab es eben auch die exotischen Stände wie Ghana und Tanzania. Die afrikaner dort waren aber offensichtlich von ihrer Regierung geschickt worden und waren eher gelangweilt und wussten wohl nicht was sie eigentlich verkaufen sollten: die Produkte waren eher mager. Tanzania hatte zB 3 Stände, einer hatte eine einzelne Art Kaffee, ein zweiter hatte 3 verschiedene Packungen von Nüssen, alle nicht sehr qualitativ aussehend. Beide Stände waren auch geschmückt wie man es wohl auch in Afrika sehen kann: nämlich praktisch gar nicht. Nackte Wände, nackte Tische, bei einem Stand gerade mal ein nicht gerade großes „tanzanian Coffee“ Plakat. Nur der dritte Tanzania-Stand war professionell aufgezogen: viele Produkte, viele Verkäufer, viele Käufer, schön geschmückt. Nur keine Waren aus Afrika, gerade ein einzelner hölzerner Elefantenkopf und das Tanzania Schild erinnerten an welchen Stand man war. Warum war der Stand anders? Ich sah dort keinen einzigen Afrikaner, nur Chinesen die verkauften. Wie ich durch einige Gespräche dann erfahren habe kaufen sich Chinesen bei Ständen von den Ländern ein und verkaufen dann ihre eigenen Waren. Sie bekommen keine Läden bzw nur zu sehr hohen Preisen daher ist die einzige Möglichkeit sich „unterzumieten“. Händler aus vielen Ländern sind dann nur allzu froh das Angebot anzunehmen.... so gesehen war eventuell das was wir an den afrikansichen Ständen gesehen haben ähnlich wie das was sich im Moment in vielen Ländern in Afrika abspielt: die einzigen die dort Geschäfte machen sind die Chinesen und die Afrikaner sind froh ihnen das Geschäft zu überlassen....
An vielen Ständen haben die Chinesen dann versucht einen Alibi-Ausländer anzustellen, da es Strafen für dieses Geschäftsverhalten gibt. Aufmerksame Leser können sich vielleicht denken wen ich da auch meinen könnte... bei manchen Ständen war es den Chinesen aber egal.
Die Chinesen versuchten die Stände auch während der Expo zu übernehmen. So zB auch bei den Indern. So zivilisiert haben sie es zumindest am ersten Tag gemacht. Ab dem 2. Tag haben sie dann einfach begonnen an verwaisten Ständen zu verkaufen. Solange sich keiner aufgeregt hat zumindest. Aufgeregt haben sich aber nicht viele: der Armee an Polizisten und sonstigen Sicherheitskräften war das herzlich egal. Am dritten und vor allem am letzten Tag brach ja dann überhaupt Anarchie aus. Nicht nur sehr viele Leute (selbst für chinesische Verhältnisse), sondern Chinesen eröffneten in den Gängen eigene Stände wodurch natürlich der Durchfluss der Massen noch weiter verlangsamt wurde. Am ersten Tag wollte ich noch nicht kaufen, da waren mir gefühlt zuviele Leute, aber an den folgenden Tagen sollte es nur noch schlimmer werden. Als ich mich schließlich am letzten Tag dazu durchrang endlich zu versuchen die von mir ins Auge gefassten Sachen zu kaufen war es schon zu spät: viele Stände waren komplett ausverkauft, andere zum Teil.
Udam, jener Inder der meinte er hätte nicht für „that sort of people“ einen Ausweis um mich reinzubekommen hatte wie die anderen Stände auch recht viel zu tun. Das sollte aber noch gar nichts sein gegen die nächsten Tage wie ich bemerkten sollte! Udam hatte sich als Ziel gesetzt herauszufinden welche indischen Produkte auf dem chinesischen Markt gut ankommen würden und dabei keinen Verlust zu machen. Am ersten Tag konnte er schon gut verkaufen. Leider waren auch ca. 10% des von ihm eingenommenen Geldes Falschgeld! Echt bitter, er tat mir leid! Faith hatte nicht allzuviel zu tun, sie saß wie einer der Chefs lange einfach herum musste aber am Stand sein. Der andere indische Chef jedoch düste die ganze Zeit herum.
Ich bewegte mich in der Zwischenzeit durchs geschehen. Die ganzen Kleinkramverkaufssachen haben mich nicht wirklich interessiert, da waren die großen Firmen schon interessanter: die berüchtigten Solaranlagen die verschiedene Firmen ausstellten. Berüchtigt da bei uns ja mittlerweile schon unter Strafzoll gestellt. Eine Elektroautofirma mit eigenen schon im Einsatz befindlichen Elektromopeds für die Polizei, auf Old-Timer getrimmte Eletroautos und als Highlight einen Sportflitzer. Was typisch chinesisch ist: keine Daten zu den Produkten, nur ein wenig blabla, aber kein: soviele Kilometer oder das ist die Höchstgeschwindigkeit. Fotografiert wurden die Modelle dennoch von vielen Leuten gerne. Auch waren viele Firmen dort die maschinell hergestellte Verzierungen in Holz, Stein, Marmor etc machen. Ich habe mir das Herstellungsverfahren erklären lassen und Karten ausgetauscht. Wenn ich mir mal so eine Industriemaschine zulegen will bekomme ich jetzt mit meinen Kontakten mehr als 20% Rabatt....
Ein weiterer Vorteil von diesen großen Firmen/Industriefirmen die Ausstellten war, dass verhältnismäßig weniger Leute dort waren. Denn wie gesagt wurde es ja mit den Tagen nur immer schlimmer. Am letzten Tag mit den gesamten neu-aufgemachten Spontanständen war die Expo sowieso irgendwie zu einer großen Markthalle verkommen, inklusive dem Müll der so am Boden herumlag. Aber wirklich was zu kaufen gab es bei diesen Industriefirmen natürlich nicht. Da war zB Taiwan schon interessanter. Ich wollte eine spezielle Teethermoskanne kaufen und vertraue den Mainland-China Produkten mit ihrer Plastikqualität da nicht ganz (von wegen heißes Wasser reinschütten). So habe ich die Taiwanstände durchsucht und wurde fündig. Ich habe dann gefragt ob ich das Ding auch im Geschirrspüler waschen kann und wurde nur wieder verblüfft und verständnislos angesehen... einer hat sogar gelacht glaube ich.... also auch Taiwanesen verwenden offensichtlich nicht wirklich Geschirrspüler...
Alles in allem war es ein spannendes Erlebnis! Außerdem kann ich berichten: ständiges angestarrt werden ermüdet. Klar, mit welcheln meines Aussehens könnte ich das zum großen Teil ändern, aber normalerweise bin ich dran eh schon gewöhnt. Aber wenn du natürlich solche Menschenmassen hast dann wird das schon mühsam....
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