Ich verfolge seit gestern mit großer Aufmerksamkeit die Berichterstattung zu dem Anschlag auf den Bahnhof von Kunming.
diepresse
faz
orf
Auf der Geburtstagsfeier auf der ich gestern war hatten die wenigsten schon davon gelesen oder einen Zusammenhang mit mir hergestellt, aber ich habe doch einmal ein "Hey, warst du nicht genau dort... in Kunming?" als Frage bekommen. Daher habe ich mir -verkatert- entschieden mal meinen Senf zu dem Thema abzugeben.
Nein, die Region um Kunming ist nicht (plötzlich) gefährlich. Ich habe mehr um meinen Bekannten Angst der in Kunming wohnt und gerade in Thailand ist als um meine Bekannten in Kunming.
Das erste was mir aufgefallen ist war die typisch lächerlichen ersten westlichen Pressemeldungen. Auch ORF.at und diepresse.at brachten folgenden Wortlaut den man jetzt noch zB auf www.welt.de finden kann.
"Kunming liegt in der südwestchinesischen Provinz Yunnan. Diese grenzt unter anderem an die autonome Region Tibet. China hält Tibet seit dem Jahr 1951 besetzt und kontrolliert die autonome Region sowie die anliegenden Provinzen, in denen ebenfalls zahlreiche Tibeter leben, mit harter Hand."
Die Meldung hat 6 Absätze und der letzte davon ist der gerade zitierte. Refleksartig kommt einem westlichen Reporter sofort Tibet in den Sinn wenn er China hört. Nicht nur das Tibet mit dem Anschlag in Yunnan nichts zu tun hat, aber es wird auch noch suggeriert dass die "harte Hand" in Tibet und in umliegenden Provinzen solche Anschläge mit verursacht hat.
Viel Blödsinn. Wenn man sich ein wenig mit der Gegend auskennt dann ist schon beim ersten überfliegen der Meldung eine Verbindung dieser Geschichte mit Tibet unwahrscheinlich sondern hatte andere Vermutungen die sich mittlerweile auch bestätigt haben.
Wie man mittlerweile lesen kann geht es ja nicht um Tibeter sondern um Uiguren. Am besten aufgeschlüsselt findet man es auf einer der chinesischen Newsseiten das es sich nicht um den ersten Vorfall handelt. Kann sich wer auf den Anschlag am Platz des himmlischen Friedens in Peking letzes Jahr erinnern? Da besteht wohl der Zusammenhang. Und keiner mit Tibet.
Es hat auch nichts mit einer "harten Hand" zu tun warum das genau in Yunnan passiert ist.
Der Grund warum es die Hauptstadt dieser Provinz getroffen hat ist das genaue Gegenteil:
In dem von laut westlichen Journalisten mit "harter Hand" regierten Yunnan werden Sicherheitsvorkehrungen im Vergleich zum Rest des Landes recht lasch gehandhabt.
Das macht Anschläge leichter. Die Provinz Xinjiang um die es wohl geht, liegt aber eigentlich wo ganz wo anders (siehe Google Maps).
Ja, es Leben einige Tibeter in Yunnan, die Provinz hat aber mehr als 40 Minderheiten (bei mehr als 80 Millionen Einwohnern). Und ich habe in meiner ganzen Zeit in Yunnan keine "harte Hand" gegenüber Minderheiten erspüren können. Weder von dem was ich gesehen, noch von dem was ich von Leuten gehört habe. Die an der Grenze zu Tibet liegende Region (in der viele Tibeter leben) hat einen irren Vibe, aber nicht im negativen Sinn. Ich habe unter anderem diese Gegend um "Shangri-La" bereist nachdem meine Blogeinträge abprupt geendet haben. Irre Landschaft, nette Leute. Unterdrückt? Ich habe kaum so wenige Polizisten gesehen.
Für mich sind einige der Berichte über diesen Vorfall jedenfalls ein weiterer Beweis mit welcher Vorsicht man Nachrichten im Allgemeinen genießen sollte und gerade die welche mit zu China zu tun haben. Das sieht man ja auch in diesem Fall mit den unterschiedlichen Zahlen zu Verletzten, Toten und Attentätern.
Wenn man sich, auch im Lichte dieser neuen Ereignisse, mehr über die Problematik in der Provinz Xinjiang informiert -und welche Anschläge in diesem Zusammenhang schon verübt wurden-, dann sieht man vielleicht auch die letzte Entwicklung etwas anders in der die U.S.A. 3 chinesische/uigurische Guantanamo Häftlinge unter Protest der Chinesen in die Slowakei gesendet haben. Peking fordert, dass diese Terroristen nach China überstellt werden sollten , die USA ignorieren diese Forderung.
Eines ihrer Argumente: dass den Uiguren in China Folter oder Verfolgung drohen könnte finde ich etwas lächerlich angesichts der Tatsache dass die Amerikaner ja selbst in Guantanamo erwiesenermaßen gefoltert haben, Terroristen verfolgen und auch einsperren.
Sind Terroristen gefährlicher solange sie Anschläge gegen die U.S.A. verüben würden aber nicht wenn sie welche gegen China planen könnten?
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